Alarmstufe trübt Einkaufsspaß in Baden-Baden

Baden-Baden (BNN) – Einzelhändler in Baden-Baden berichten von Umsatzeinbußen von über 30 Prozent seit Ausrufung der Alarmstufe gegenüber normalen Jahren. Für Frust sorgt der Regel-Wirrwarr.

Wo bleibt die Kundschaft? Blick aus einem winterlich dekorierten Schaufenster der Wagener-Galerie auf die Einkaufsmeile in Baden-Baden. Foto: Bernd Kamleitner

Wo bleibt die Kundschaft? Blick aus einem winterlich dekorierten Schaufenster der Wagener-Galerie auf die Einkaufsmeile in Baden-Baden. Foto: Bernd Kamleitner

Shoppen: Für viele Menschen ist das eine wunderbare Beschäftigung, gerade in Baden-Baden. Durch die Fußgängerzone bummeln und sich von den Auslagen inspirieren lassen. Oder nur staunen über Angebote, die für viele Kunden unerschwinglich sind: Eine Uhr für 4.800 Euro, eine Designertasche für 2.100 Euro und dazwischen Armbänder für sechs Euro – das Sortiment für gut und weniger gut gefüllte Portemonnaies ist umfangreich.

Zwischen den Läden wirbt ein Kaffeehaus mit verführerischen Macarons und Torten um Gäste. Zudem bitten Restaurants zum Mittagstisch. Das sind ideale Voraussetzungen für ein ansprechendes Einkaufserlebnis. Doch die wegen der Corona-Pandemie verhängte Alarmstufe trübt die Aussichten auf üppig klingelnde Kassen. „Die Frequenz geht runter, die Leute meiden geschlossene Räume“, hat Mathias Vickermann festgestellt, der Sprecher der Einzelhändlerinitiative Baden-Baden Innenstadt (BBI).

Mit den Lockerungen der Corona-Vorgaben seit dem Sommer verbuchten viele Händler zuletzt zwar wieder steigende Umsatzzahlen, doch jetzt, vor den eigentlich umsatzstärksten Wochen des Jahres, mache sich wieder Unsicherheit breit. „Wer weiß wirklich noch, was wo gilt?“, fragt Vickermann und meint die zuletzt verschärften Corona-Regeln. Dabei will der BBI-Sprecher nicht missverstanden werden: Er ist keineswegs gegen Regeln zur Eindämmerung der Pandemie. Was er kritisiert, sind immer wieder neue Änderungen und Unterschiede etwa beim Handel und in der Gastronomie. „Dieses Wirrwarr verunsichert.“

Stichprobenartige Kontrollen

Sichtbar sei das auch in der Fußgängerzone. Dort könnte mehr los sein. Das zeigt sich auch an diesem eher grauen November-Samstag. Gähnende Leere herrscht nicht, aber der große Andrang auch nicht. Für Vickermann und die Ladenbetreiber ist jedoch nicht nur die Besucher-Quantität, sondern ein anderer Indikator für den Konsum von wesentlicherer Bedeutung: „Wie viele Tüten haben die Menschen in der Hand?“ Mehrere oder gar große Tüten sind eher die Ausnahme.

Kleinere Geschäfte überprüfen am Eingang die Einhaltung der 3G-Regel. Beamte des städtische Ordnungsamts kontrollieren die Einhaltung der Vorgaben stichprobenartig. In den vergangenen Tagen geschah das in 15 Betrieben, berichtet Stadtpressesprecher Roland Seiter. Zehn wurden gerügt, doch die Verstöße waren eher von geringer Art. Zumeist fehlten Hinweise auf die Maskenpflicht oder die aktuellen Corona-Regeln an der Tür.

In einem großen Kaufhaus wie der Wagener-Galerie mit Fachgeschäften (dort gilt 3G) sowie einer großen Lebensmittelabteilung und einem Drogeriemarkt (für die Grundversorgung gibt es keine Zugangseinschränkung) wäre die Einhaltung einer 2G-Vorgabe mit hohem Aufwand verbunden, betont Inhaber Franz-Bernhard Wagener. Momentan lautet für ihn die Vorgabe, stichprobenartig zu kontrollieren. „Wenn das bleibt, kann man damit umgehen“, sagt der größte Einzelhändler in der Bäderstadt, der auch ein Modehaus betreibt.

Wochen vor Weihnachten von großer Bedeutung

Den aktuellen Umsatz in seinen Häusern kann Wagener minütlich abfragen. Der Wert am Samstag um die Mittagszeit erfreut ihn nicht: über 30 Prozent unter dem Durchschnitt, der in der vergleichbaren Jahreszeit vor der Pandemie erzielt wurde. Seit etwa einer Woche halte dieser Trend schon an – parallel zu den Meldungen über einen Lockdown in Österreich und verschärften Vorgaben in Bayern. Solche Signale hätten auch hierzulande Auswirkungen. „Das lähmt die Menschen“, findet Wagener. Der Spaßfaktor am Einkaufen gehe verloren.

Zugang nur mit einem Nachweis: Am Eingang zu einem Geschäft in Baden-Baden wird auf die Einhaltung der 3G-Regel hingewiesen. Foto: Bernd Kamleitner

Zugang nur mit einem Nachweis: Am Eingang zu einem Geschäft in Baden-Baden wird auf die Einhaltung der 3G-Regel hingewiesen. Foto: Bernd Kamleitner

Noch dramatischer beschreibt Buchhändler Josua Straß die Auswirkungen der Alarmstufe auf das Geschäft. Aktuell liege der Umsatz um gut 30 Prozent unter dem Durchschnitt der vergleichbaren Vor-Corona-Zeit. Straß beobachtet, dass die Verweildauer der Kunden im Laden viel kürzer ausfällt.

Die Wochen vor Weihnachten sind für den Einzelhandel von großer Bedeutung. Franz-Bernhard Wagener, der in Baden-Baden das größte Kaufhaus (Wagener-Galerie) und das größte Modehaus (Mode Wagener) betreibt, nennt das Weihnachtsgeschäft die „wichtigste Zeit des Jahres“. Bis zu einem Drittel des Jahresumsatzes werde in den Wochen vor dem Fest gemacht. Eine Absage des Christkindelsmarktes wäre für ihn „eine Katastrophe“, weil die Veranstaltung zusätzlich Besucher in die Stadt lockt. An die Folgen eines möglichen weiteren Lockdowns mag er gar nicht denken. Er sorgt sich ohnehin um die Zukunft der Innenstädte, weil in der Pandemie-Zeit immer mehr Umsatz vom Online-Handel abgezogen wird.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
22. November 2021, 09:20 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 13sec

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