Alexander Fessler startet bei Mont-Blanc-Ultralauf

Chamonix (kos) – Es gilt als eines der anspruchsvollsten Bergmarathons der Welt: der „Ultra-Trail du Mont Blanc“. Mit am Start ist der Extrembergläufer Alexander Fessler aus der badischen Rheinau.

Das traumhafte Alpenpanorama während des Bergmarathons hat für Alexander Fessler „natürlich auch seinen Reiz“. Foto: Frank Seiter

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Das traumhafte Alpenpanorama während des Bergmarathons hat für Alexander Fessler „natürlich auch seinen Reiz“. Foto: Frank Seiter

Unter einem Spaziergang in den schneebedeckten Alpen stellen sich wohl die meisten etwas anderes vor, als in kapp 30 Stunden einmal um den Mont Blanc zu rennen. Doch genau das hat der Ultra-Läufer Alexander Fessler aus dem badischen Helmlingen an diesem Wochenende beim „Ultra-Trail du Mont Blanc“ (UTMB) vor. Welche Tücken dieses Rennen für die Teilnehmer bietet, hatte im Vorfeld bereits für Tragik gesorgt.

„Oft trauen wir dem Körper zu wenig zu“, blickte Fessler noch vor seinem gestrigen Start auf den Kraftakt, dem er sich an diesem Wochenende stellt. Es geht ihm darum, herauszufinden, was die menschliche Physis zu leisten vermag und wo ihre Grenzen liegen.

Vor ihm und geschätzt 2.000 weiteren Ultra-Bergläufern liegen beim UTMB insgesamt 170 Kilometer und knapp 10.000 Höhenmeter, die in maximal 46 Stunden abgelaufen werden müssen. Der UTMB-Langstreckenlauf gilt aufgrund seiner Länge und den Steigungen als einer der anspruchsvollsten Bergmarathons der Welt. Der Rundlauf um die Mont-Blanc-Berggruppe führt vom Süden Frankreichs durch Italien und die Schweiz.

Die Zeit läuft pausenlos mit

Das traumhafte Alpenpanorama sei währenddessen zwar schön anzusehen, seinen Fokus legt Fessler aber lieber auf das Rennen an sich. Um sich darauf vorzubereiten, habe er die Strecke vor zwei Wochen schon einmal probeweise abgelaufen, um zu erkunden, welche Hindernisse ihn genau erwarten. Diese frühzeitig zu erkennen, sei vor allem nachts von beinahe unschätzbarem Wert, denn die Zeit läuft pausenlos runter. Wer die einzelnen Etappen zu bestimmten Zeitpunkten nicht hinter sich bringen kann, fliege nun mal aus dem Rennen, so Fessler.

Um diese Tortur durchzuhalten, brauchen die Teilnehmer ein jahrelanges spezielles Training. Er müsse so „für den Körper sorgen, dass er diese Belastung auch aushält“, erklärt der Extremläufer. Das gelte in besonderem Maße für den UTMB, den die Athleten auch als „inoffizielle Weltmeisterschaft“ betrachten würden, so Fessler. Über insgesamt drei Jahre hinweg habe er seine Physis, Motorik und Psyche auf den anstehenden Kraftakt eingestellt. Allein 2021 habe er dafür bei circa 180 Trainingsläufen knapp 3.100 Kilometer, und 84.000 Höhenmeter in zusammengerechnet 330 Stunden auf dem Buckel abgespult, um sich vorzubereiten. Das sei „schon irre“, wenn man mal genau drüber nachdenkt, sagt Fessler.

Weniger als 30 Stunden als Ziel angepeilt

Auf die Frage, worin genau der Anreiz dieses Nischensports für ihn liegt und woher er seine Motivation für diese Anstrengungen zieht, musste Fessler selbst kurz überlegen. Schließlich habe man „während des Lauf selten richtig Spaß“, wie er sagt. Für ihn ist es die körperliche Grenzerfahrung, die Balance zwischen Motivation und menschlicher Leistungsfähigkeit, die ihn antreibt, erklärt er. Aber auch die Neugier, unbekannte Orte wie etwa den Gletscher des Mont Blanc zu erkunden, der vielleicht in ein paar Jahren gar nicht mehr existieren könnte. Ganz davon zu schweigen, dass „das Naturerlebnis auch seinen Reiz“ habe. Aber vor allem der Stolz, es schlussendlich ins Ziel geschafft zu haben und dass die jahrelange harte Arbeit sich am Ende dann doch gelohnt hat, ist für ihn Anreiz genug. Und dennoch: „Ich kanns rational gar nicht wirklich erklären“, sagt er: „Man wächst da einfach sei rein“, kommt er zum Schluss.

Welche Ziele er sich gesetzt hat, weiß er dagegen genau: Er will die 170 Kilometer „unter 30 Stunden“ ablaufen. Mit einem Ergebnis zwischen 27 und 30 Stunden sei man im Vergleich zur bisherigen Siegerzeit von 20 Stunden „sehr gut dabei“, erklärt der Extremsportler. Dennoch gelte es, „demütig zu sein“ und es gesund ins Ziel zu schaffen.

Dass das nicht immer der Fall ist, hat im Laufe der Woche der tödliche Sturz eines tschechischen UTMB-Teilnehmers bewiesen, der mittlerweile seinen Verletzungen erlegen ist. Das bestätigten die Organisatoren des Ultra-Rennens am vergangenen Mittwoch. Das sei zwar „super tragisch“, gab Fessler an. Davon will er sich im Kopf aber nicht allzu sehr beeinflussen lassen und versucht, sich nicht von Unvorhersehbarkeiten leiten zu lassen, so Fessler.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
29. August 2021, 13:00 Uhr
Lesedauer:
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