Alexander Jordan: „Es ist wie ein Lottogewinn“

Rastatt – Der Jahresetat des Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt wurde auf knapp 427.000 Euro erhöht. Direktor Dr. Alexander Jordan gibt Einblicke in neue Projekte.

WGM-Direktor Dr. Alexander Jordan präsentiert ein Hinterladergewehr, das gerade restauriert wird. Foto: Koch

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WGM-Direktor Dr. Alexander Jordan präsentiert ein Hinterladergewehr, das gerade restauriert wird. Foto: Koch

„Für mich ist das hier ein Traumjob, es ist wie ein Lottogewinn“, schwärmt Dr. Alexander Jordan, der seit 2008 die Geschicke des Wehrgeschichtlichen Museums (WGM) in Rastatt lenkt. Ein Lottogewinn müsste es im Hinblick auf die finanzielle Ausstattung des Museums zwar nicht sein, aber mehr Geld für die vielfältigen Aufgaben des WGM ist dringend erforderlich. Nachdem die Mittel seit 2005 nicht aufgestockt worden waren, schrieb Jordan 2018 einen Brief an OB Hans Jürgen Pütsch, das Finanzministerium und die Vereinigung der Freunde des WGM. Mit Erfolg: Der Jahresetat wird nun von 360.000 auf 426.600 Euro erhöht.

Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein, was auch im Hinblick auf den Jahresetat des Wehrgeschichtlichen Museums zutrifft. Der Rastatter Gemeinderat stimmte der Erhöhung der städtischen Zahlungen von 140.000 auf 166.600 Euro zu. Das Land Baden-Württemberg zahlt nun 260.000 Euro, bislang waren es 220.000 Euro pro Jahr. Die neue Grundvereinbarung gilt rückwirkend zum 1. Januar 2020.

Mit der dringend benötigten Finanzspritze hat das WGM die veralteten Röhren der Vitrinenbeleuchtung im Bereich der Dauerstellung ersetzt, die „extrem dringend“ ausgetauscht werden mussten, berichtet Jordan im BT-Gespräch. Da ihm auch viel an einer ansprechenden Außenwirkung des Museums liegt, wurde die Homepage komplett überarbeitet und benutzerfreundlicher gestaltet (wir berichteten).

Als nächstes Projekt steht die Ausstellungsdidaktik im Mittelbau an: Die Exponate vom Mittelalter bis zum napoleonischen Zeitalter erhalten mehrsprachige Text- und Bildtafeln, sowie zeitgemäße QR-Codes: „Wir haben bislang mit Handzetteln gearbeitet, die aber in die Jahre gekommen sind“, freut sich der 44-jährige Militärhistoriker über die überfällige Aufwertung im Ausstellungsbereich.

16.000 bis 17.000 Besucher pro Jahr

Immerhin besuchen jedes Jahr zwischen 16.000 und 17.000 Menschen das Wehrgeschichtliche Museum im Rastatter Schloss. „Wir möchten nicht nur die breite Bevölkerung informieren, sondern auch Rastatt als touristischen Standort stärken. Und wenn man auf Dauer zu viel spart, dann wird’s schwierig“, meint der engagierte Geschäftsführer des Museums, der sich selbst als „Mädchen für alles“ bezeichnet: „Mein Tätigkeitsbereich reicht vom Verfassen von Fachartikeln über das Arbeiten im Depot bis hin zum internationalen Austausch mit anderen Einrichtungen – jeder Tag ist anders.“

Voll des Lobs ist Jordan auch über sein „sehr ambitioniertes Team, das für das Museum lebt“. Von den 18 Mitarbeitern im WGM sind nur drei in Vollzeit: Außer Jordan gibt es noch eine Sekretärin und einen Mitarbeiter für den technischen Dienst und die Depotbetreuung. Die 15 Aushilfskräfte im Aufsichtsdienst sind geringfügig beschäftigt und werden stundenweise vergütet. Die Anzahl der ehrenamtlichen Helfer ist seit einigen Jahren rückläufig, aktuell sind es nur noch fünf. In diesem Bereich würde sich Jordan über weitere Unterstützung freuen. Hinzu kommen noch zwei 450-Euro-Kräfte für Restaurierung und Inventarisierung.

„Wir sind weit entfernt von den Zeiten, in denen die Bundeswehr das Museum betrieben hat und mehr Geld und rund 40 Mitarbeiter hatte“, bilanziert Jordan. Ausstellungsfläche und Aufgaben seien jedoch unverändert geblieben, der Fundus ist kontinuierlich auf mittlerweile 32.000 Objekte angewachsen.

Gespeist wird der Fundus unter anderem von den rund 150 Mitgliedern der Vereinigung der Freunde des Wehrgeschichtlichen Museums, die aus dem gesamten Bundesgebiet kommen und neben Ankäufen in erster Linie die Publikationen zu den Sonderausstellungen mitfinanzieren, berichtet General a.D. Manfred Hofmeyer, der Vorsitzender der Vereinigung ist.

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Erstellt:
6. August 2020, 11:00 Uhr
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