Alexander Uhlig kandidiert nicht bei der OB-Wahl

Baden-Baden (hol) – Der parteilose Baubürgermeister Alexander Uhlig will nicht bei der OB-Wahl im kommenden Jahr antreten. Er wolle Baudezernent bleiben, sagt der 56-Jährige.

Alexander Uhlig will an seinem Schreibtisch im Dezernenten-Büro bleiben. Bei der OB-Wahl tritt er nicht an.  Foto: Harald Holzmann

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Alexander Uhlig will an seinem Schreibtisch im Dezernenten-Büro bleiben. Bei der OB-Wahl tritt er nicht an. Foto: Harald Holzmann

Nun herrscht Klarheit: Alexander Uhlig bleibt bis mindestens 2024 Baudezernent in der Kurstadt. Auf den Posten des Baden-Badener Oberbürgermeisters hat er keine Ambitionen. „Ich werde im nächsten Jahr nicht antreten“, machte er am Donnerstag bei einem Pressetermin in seinem Büro im Rathaus klar.

Die Gerüchte, dass der zweite Mann an der Spitze der Stadtverwaltung im März nach der Krone greifen könnte, hatten sich in den zurückliegenden Wochen verdichtet. Nach seinem Parteiaustritt aus der CDU und nach dem Ergebnis des Bürgerentscheids zur Fieserbrücke, das Uhlig den Rücken gestärkt hatte, hatten viele Beobachter erwartet, dass er seinen Hut in den Ring werfen würde. „Ich habe in den zurückliegenden Tagen bemerkenswert viele positive Rückmeldungen bekommen und viele Hinweise, dass ich mich doch bewerben soll – auch von Menschen, die ich nicht kenne“, erzählt Uhlig denn auch. „Danke dafür.“ Doch er wolle Baudezernent bleiben.

Großer Zuspruch aus der Bürgerschaft

Das sei zwar eine „höchst persönliche Entscheidung“, sagt er. Aber angesichts des großen Zuspruchs halte er es für nötig, dass er sich erkläre. „Ich will niemanden auf die Folter spannen oder die Menschen enttäuschen.“ Deshalb wolle er jetzt Klarheit schaffen. Nach dem Bürgerentscheid zur Fieserbrücke „habe ich in mich reingehört, wohin der Weg geht“, meint er. Und da sei ihm klar geworden: Baudezernent, das sei die Aufgabe, in der er sich wohlfühle. Das gelte besonders in einer Stadt wie Baden-Baden. Und so wolle er seine Amtszeit auf jeden Fall vollmachen.

Uhlig war 2016 von der CDU für den Posten des Bürgermeisters nominiert worden und ist noch bis 2024 vom Gemeinderat gewählt. Mittlerweile ist er aber aus der CDU ausgetreten und hat sich mit Teilen der Unionsfraktion im Gemeinderat überworfen. Doch 2024 stehen auch die nächsten Kommunalwahlen an. „In knapp drei Jahren haben wir einen neuen Gemeinderat und ich bin 59. Dann wird man sehen“, blickt Uhlig in die Zukunft und will ausdrücklich eine zweite Amtszeit als Baubürgermeister in Baden-Baden nicht ausschließen – „wenn man mich dann noch will“.

„Baden-Baden ist doch der Wahnsinn“

Qualitativer Städtebau sei eine Pflichtaufgabe – erst recht in einer Stadt wie Baden-Baden. „Mit diesem Anspruch bin ich vor fünf Jahren hier angetreten. Jetzt werden erste Erfolge sichtbar. Das freut mich riesig“, verweist er auf Architekturpreise für die beiden Kindertagesstätten im Keltenweg und in Steinbach. Klar sei die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und auch mit der OB nicht immer leicht. „Das eine oder andere Ziel mit weniger Aufwand zu erreichen, das wäre ökonomischer“, sagt er. „Aber Kämpfen ist mir nicht unbekannt.“ Die Arbeit mache ihm dennoch Freude. „Und Baden-Baden ist doch der Wahnsinn“, macht er deutlich, dass er gerne hier lebt.

Alexander Uhlig, geboren und aufgewachsen in Regensburg, steht seit 2016 in der Verantwortung für Stadtwerke, Stadtbaugesellschaft GSE sowie die Bereiche Planen, Bauen, Forst und Grünflächen in der Kurstadt. Bis dahin war er 16 Jahre lang Bau- und Planungsdezernent in Pforzheim gewesen. Zuvor hatte er in der Finanzverwaltung des Landes und im baden-württembergischen Staatsministerium als Referent gearbeitet.

Die Amtszeit von Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU, 60) endet am 9. Juni 2022. Die OB-Wahl findet am Sonntag, 13. März, statt. Ein eventueller zweiter Wahlgang, der nötig wird, wenn am ersten Termin keiner der Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt, ist für 27. März terminiert. Die Stellenausschreibung soll Anfang Dezember erfolgen. Offizielle Bewerbungen können frühestens am Tag nach dieser Stellenausschreibung und spätestens am Montag, 14. Februar 2022, 18Uhr eingereicht werden. Mergen hat ihre erneute Kandidatur bereits angekündigt.

Kommentar von BT-Redakteur Harald Holzmann

Freiheit gewonnen

Dass eine Nicht-Kandidatur Anlass für ein Pressegespräch ist, das dürfte auch nicht so oft vorkommen. Doch im Fall von Alexander Uhlig war eine öffentliche Erklärung nötig. Bürger, Gemeinderat und auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung wissen nun, woran sie sind. Und Oberbürgermeisterin Margret Mergen wird aufatmen, denn die Konkurrenz durch den Baudezernenten hätte ihre Chancen auf eine Wiederwahl mit Sicherheit geschmälert. Bleibt noch die nicht minder spannende Frage, was der Sozialdezernent vorhat. Bürgermeister Roland Kaiser tut nämlich zurzeit das, was seine Parteikollegen von den Grünen auch in Berlin tun: Er sondiert, so ist zu hören. Zu welchem Ergebnis er kommen wird, wenn er in sich reinhört, so wie es Uhlig getan hat? Man wird sehen. Der streitbare Baudezernent jedenfalls hat mit seiner gestrigen Erklärung ein Stück persönliche Freiheit gewonnen. Zwar hat er es sich in den zurückliegenden Monaten mit seiner ehemaligen Partei, der CDU, schwer verscherzt. Bei politischen Auseinandersetzungen in den kommenden Monaten wird ihm aber trotzdem niemand unterstellen können, dass er Wahlkampf macht. Er wird stets mit reinem Gewissen sagen können, dass es ihm immer nur um die Sache gehe. Und das ist doch eine Menge wert.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
7. Oktober 2021, 16:05 Uhr
Lesedauer:
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