Algorithmen der Lebensrettung

Rheinmünster/Stuttgart (fk) – Rettungshubschrauber Christoph 43 bleibt bis Anfang 2021 in Rheinmünster. In Mittelbaden profitiert man davon und hofft nach der Rückverlegung des Helikopters nach Karlsruhe auf eine eigene Maschine.

Zu 1233 Einsätzen startete Rettungshelikopter Christoph 43 im Jahr 2019 vom Baden-Airpark aus. Das waren knapp 400 weniger als 2015 vom Standort Karlsruhe aus.Foto: DRF

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Zu 1233 Einsätzen startete Rettungshelikopter Christoph 43 im Jahr 2019 vom Baden-Airpark aus. Das waren knapp 400 weniger als 2015 vom Standort Karlsruhe aus.Foto: DRF

Es klingt kalt, aber nüchtern betrachtet hat Lebensrettung immer auch etwas mit Statistik zu tun. Und mit Geld. Zumindest hintergründig. Zwar wird ein Rettungshelikopter immer eingesetzt, wenn er schneller an einem Einsatzort sein kann als ein Rettungswagen – auch wenn eine Flugminute laut der DRF-Luftrettung mit 50 bis 75 Euro zu Buche schlägt –, aber dennoch sind die Basen der fliegenden Retter limitiert und festgelegt auf jene Orte, von denen aus sie am meisten Wirkung entfalten können.
Für den am Baden-Airpark interimsmäßig stationierten Helikopter Christoph 43 ist das bis dato sein eigentlicher Standort in Karlsruhe. Dennoch wünscht man sich in Mittelbaden weiter einen eigenen Rettungshelikopter.

Rettungsheli am Airpark verkürzt Hilfsfristen in Höhen- und Tallagen deutlich

Der könnte, so sind sich Politik und hiesige Rettungsdienste einig, die Hilfsfristen gerade in den Höhen- oder hinteren Tallagen wie Forbach oder Bühlertal deutlich verbessern und tut dies auch schon, obwohl statistisch gesehen beispielsweise in Rastatt der Rettungsdienst immer noch in etwa 82 Prozent der Fälle innerhalb von zehn Minuten eintrifft, in Bühlertal dagegen nur in 37 Prozent. Trotz Helikopter am Baden-Airpark. Dabei gilt es allerdings zu beachten, wie Bernd Ziegler vom DRK-Kreisverband Bühl-Achern erläutert, dass der Helikopter natürlich nur dann eingesetzt werden kann, wenn er nicht ohnehin schon unterwegs und somit außer Reichweite ist. Bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass ein zusätzlicher Rettungshelikopter am Baden-Airpark nach Rückverlegung von Christoph 43 nach Karlsruhe diese Fristen wohl noch mal verbessern würde.

Rettungshubschrauber kostet sechs Millionen Euro

Wie stark, und ob das Einsatzaufkommen die Anschaffung eines laut DRF knapp sechs Millionen Euro teuren Rettungshelikopters (Personalkosten und Unterhaltung des Standortes nicht mitgerechnet) rechtfertigen würde, klärt aktuell die TU München im Auftrag des baden-württembergischen Innenministeriums. Ergebnisse werden im Sommer 2020 erwartet. Sie sollen als weitere Diskussionsgrundlage im Landtag dienen, wie ein Sprecher des Ministeriums auf BT-Anfrage erläuterte. Im Zuge des Strukturgutachtens werden mittels eines Simulationsverfahrens unter Einbeziehung der Daten von Boden- und Luftrettung unter anderem geeignete Standorte für Rettungshubschrauber vorgeschlagen.

Denn bereits Ende 2018 hatte das Innenministerium verkündet, die Bedeutung der Luftrettung im Land stärken zu wollen. Damals hatte es in einer Mitteilung wörtlich geheißen: „Aufgrund steigender Einsatzzahlen und Veränderungen in der Krankenhauslandschaft gilt es, die Luftrettung mit neuer Bedeutung zu versehen und dabei die Standortwahl nach wirtschaftlichen und einsatztaktischen Gesichtspunkten zu überprüfen.“ Zum Vergleich: Der Einsatz eines Rettungshubschraubers kostet pro Minute wie erwähnt 50 bis 75 Euro, rechnet man den Notarzt hinzu sogar 80 bis 90 Euro. Ein Rettungswagen verursacht pro Fahrt laut AOK Mittlerer Oberrhein hingegen „nur“ Kosten von 420 Euro – allerdings ohne Einbeziehung des Entgelts für den Notarzt.

Mehr Einsätze von Karlsruhe aus

Dass der Karlsruher Christoph 43 dauerhaft am Airpark bleibt, scheint aktuell eher unwahrscheinlich, hatte er doch in seinem letzten Einsatzjahr in der Fächerstadt 2015 knapp 400 Einsätze mehr als 2019 vom Baden-Airpark aus (1233 Einsätze). Dennoch können die Mittelbadener länger als gedacht von der räumlichen Nähe dieser fliegenden Intensivstation profitieren. Wie BT-Recherchen ergaben, verschiebt sich nämlich die angedachte Rückverlegung an die Karlsruher St. Vincentius-Kliniken um ein ganzes Jahr auf den Beginn des kommenden Jahres. Das bestätigte die DRF. Grund sei, dass sich Neubau und Umzug der Vincentius-Kliniken verzögere. Ursprünglich war eine Rückverlegung von Christoph 43 nach Karlsruhe im Frühjahr dieses Jahres vorgesehen.

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Erstellt:
14. Februar 2020, 20:30 Uhr
Lesedauer:
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