Alle Hoffnungen ruhen auf Gartner

Rheinmünster (rap) – Die BT-Aufsteigerserie geht weiter: Nach zwei spannenden Relegationsspielen setzte sich der FC Germania Schwarzach gegen den FC Obertsrot durch und durfte im vergangenen Sommer den Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga feiern. Nach einem starken Start rutschte der FCG, geplagt von Verletzungen, in der Tabelle immer weiter ab. Als Vorletzter kämpft der Liganeuling nun um den Klassenerhalt.

Meist nicht zu stoppen von nur einem Verteidiger: Schwarzachs Stürmer Manuel Gartner (rechts), hier im Duell mit Laufs Lukas Striebel. Foto: Seiter

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Meist nicht zu stoppen von nur einem Verteidiger: Schwarzachs Stürmer Manuel Gartner (rechts), hier im Duell mit Laufs Lukas Striebel. Foto: Seiter

Die Sonne brutzelte unerlässlich auf den Rasen im Schwarzacher Hohlerwald an diesem 23. Juni 2019, einem Sonntagmittag. Eine Obertsroter Angriffswelle nach der anderen brach in der Schlussphase der entscheidenden Relegationspartie in den Schwarzacher Strafraum hinein. Doch die Truppe von Trainer Carsten Stoß kämpfte aufopferungsvoll, schmiss sich in jeden Schuss, in jeden Zweikampf – so, als gäbe es kein Morgen mehr. An diesem Tag, so symbolisierten die Schwarzacher Kicker allein mit ihrer Körperhaltung, sollte der große Traum vom lang ersehnten Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga nicht enden.

Und der Traum sollte Wirklichkeit werden. Der FCG rettete nach dem 3:2-Hinspielsieg ein 2:2 über die Zeit. Was folgte, war ein Partymarathon – zunächst in Schwarzach, ein paar Tage später dann an Deutschlands längster Theke in Düsseldorf. „Wir waren in den vergangenen Jahren immer so nah dran, haben es aber nie gepackt. Jetzt genießen wir den Moment“, sagte FCG-Toptorjäger Manuel Gartner (31 Treffer in der Aufstiegssaison) überglücklich direkt nach dem Schlusspfiff – und verschwand in der Schwarzacher Jubeltraube.

Gute acht Monate später ist der Sahara-Sommer auch in Schwarzach längst Geschichte, die Temperaturen dümpeln knapp über dem Gefrierpunkt, Orkan „Sabine“ sorgte auch im Ortsteil von Rheinmünster für ordentlich Ungemach. Ungemach droht dem FCG auch in der neuen Heimat, der Bezirksliga. Nach einem starken Start (sieben Punkte aus den ersten vier Spielen) und Tabellenplatz drei schlitterte der Aufsteiger erst in einen Herbstblues (drei Niederlagen in Serie), gefolgt von einer ausgewachsenen Winterdepression mit fünf Pleiten am Stück – verbunden mit dem Absturz auf den 15. Rang (14 Punkte).

Ziel: Klassenerhalt zum 100-jährigen Vereinsjubiläum

Der FCG befindet sich somit in akuter Abstiegsgefahr, was nicht wirklich ungewöhnlich für einen Liganeuling ist. Zumal Mitaufsteiger SG Lauf/Obersasbach als Schlusslicht (sieben Zähler) das gleiche Schicksal teilt. „Man merkt schon einen großen Unterschied zur A-Klasse. Eigene Fehler bestraft der Gegner schneller und konsequenter“, sagt FCG-Coach Stoß, der aber von den Fähigkeiten seiner Mannschaft überzeugt ist: „Die Qualität ist absolut da, der Klassenerhalt ist machbar. Im Sommer feiern wir 100-jähriges Vereinsjubiläum, da zählt nur der Klassenerhalt.“

Die Niederlagenserie kam für den Übungsleiter aber keineswegs überraschend. „Das Tal war vorauszusehen. Schon in der Vorbereitung haben wir vier Langzeitverletzte zu beklagen gehabt. Mit unserem kleinen Kader war das irgendwann nicht mehr aufzufangen. Die Jungs waren Richtung Winterpause körperlich am Ende, die Batterien leer“, sagt Stoß und nennt als Beispiel den Rückrundenauftakt Anfang Dezember gegen Mit-Kellerkind FSV Kappelrodeck/Waldulm. „Wir gehen nach nicht mal zwei Minuten in Führung, verpassen dann das schnelle 2:0. Danach haben wir von Minute zu Minute abgebaut“, erinnert er sich. Am Ende stand eine heftige 1:6-Niederlage. „Ich hätte die Pause gerne zwei Wochen früher gehabt“, erklärt Stoß, der auch in der Saison 2020/21 die Geschicke in Schwarzach leiten und damit in seine fünfte Saison beim FCG gehen wird.

Gartner trifft wie ein Schweizer Chronometer

Während die Offensive dank Goalgetter Gartner, der auch in der Bezirksliga mit bereits 15 Toren zuverlässig wie ein Schweizer Chronometer trifft, keine Anpassungsschwierigkeiten hat, ist die Defensive die Achillesferse im Schwarzacher Spiel. 54 Gegentore nach 17 Spielen sind schlicht zu viel. „Mannschaftstaktisch haben wir gar nicht so viele eklatante Fehler gemacht, aber wir haben immer wieder individuelle Aussetzer drin gehabt, die uns Punkte gekostet haben“, sagt Stoß und verweist erneut auf den auf Kante genähten Kader. Wenn der Kopf müde wird, gehorchen eben auch die Füße nicht mehr – ein typisches Phänomen im Fußball.

Um den anvisierten Ligaverbleib zu erreichen, hofft Stoß vor allem auf eins: „Keine Verletzten mehr. Wir gehen jetzt schon auf dem Zahnfleisch.“ Zumal der Start in die Restrunde mit den Partien gegen Mitaufsteiger Muggensturm und Sasbach „eminent wichtig“ ist, wie der FCG-Coach erklärt. Neben der Rückkehr einiger Rekonvaleszenten ruhen die Schwarzacher Hoffnungen vor allem auf den Fähigkeiten ihres Vorzeigestürmers Manuel Gartner. Dessen klarer Auftrag: Tore, Tore, Tore für den Klassenerhalt.

„Dann machen wir eine große Sause“, verspricht Stoß. Zunächst in Schwarzach – und dann wohl wieder an Deutschlands längster Theke.

Mit Pauken und Trompeten in die Bezirksliga: Der FC Schwarzach feierte im vergangenen Juni den Aufstieg. Foto: Rapp

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Mit Pauken und Trompeten in die Bezirksliga: Der FC Schwarzach feierte im vergangenen Juni den Aufstieg. Foto: Rapp

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Erstellt:
12. Februar 2020, 16:45 Uhr
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