Alles größer, höher, lauter im neuen SC-Stadion

Freiburg (mi) – Neuer Freiburger Fußball-Tempel im Wolfswinkel bietet Fans und Medienleuten jede Menge Annehmlichkeiten.

34.700 Zuschauer fasst das piekfeine Europa-Park-Stadion. Die Stimmung im ersten Bundesliga-Heimspiel gegen Leipzig war bereits verheißungsvoll. Foto: Tom Weller/dpa

© dpa-avis

34.700 Zuschauer fasst das piekfeine Europa-Park-Stadion. Die Stimmung im ersten Bundesliga-Heimspiel gegen Leipzig war bereits verheißungsvoll. Foto: Tom Weller/dpa

Der spezielle Wunsch von Christian Streich, „dass wir hören, dass wir ein Heimspiel haben, und die Zuschauer bei uns sind von der ersten Minute an, so wie es im Dreisamstadion immer gebrummt hat“, wurde ihm bei der Bundesliga-Premiere des Sport-Clubs Freiburg gegen Leipzig erfüllt: Die 20.000 Zuschauer haben im neuen Fußball-Tempel beim 1:1 einen Heidenkrach veranstaltet. Und die Dezibelgrade gehen noch höher, wenn beim nächsten Mal Greuther Fürth unter 2 G-Corona-Bedingungen anrückt. Streich: „Wenn nochmal 15.000 mehr kommen, wird es brutal laut.“

Es würde nicht wundern, wenn die sechs streitlustigen Anwohner im Mooswald, die seit Jahren das neue Domizil im Wolfswinkel mit allen juristischen Winkelzügen zu verhindern versuchten, ihre erste Protestnote an den Oberbürgermeister schicken. Als bekennender SC-Fan wird Martin Horn mit stolzgeschwellter Brust vor dem mächtigen Stadionbau stehen, wenn er selbst, sehr umweltbewusst, sein Velo auf einem der 3.700 Fahrradparkplätze abstellt.

Das „Leuchtturmprojekt für Stadt, Region und Verein“, wie es SC-Finanzvorstand Oliver Leki nennt, macht schon von außen mächtig was her. Dass die Arena, die 34.700 Zuschauer fasst, Europa-Park-Stadion heißt, verwundert nicht. Die in die Höhe ragenden Stahlstelzen als Fassade findet man auch 25 Kilometer entfernt nahe Rust, dort rauscht man dann mit der Achterbahn zu Tal.

Keine 20 Meter vom Rasen entfernt

Höhenangst bekommt man innerhalb des Prunkbaus indes nicht, selbst als Medienschaffender braucht man kein Fernglas, um die Akteure auf dem Rasen ausmachen zu können. Im Gegenteil: Wie in England sind es keine 20 Meter Entfernung bis zum Rasen. Jede Anfeuerung und Kritik des Trainers an der Seitenlinie ist gut vernehmbar, für die heimischen Berichterstatter auch Streichs Markgräfler Dialekt.

Wie im Dreisamstadion sitzt die Journaille inmitten der Kundschaft, nur die Abstände sind jetzt größer. Es besteht also keine Gefahr mehr, dass beim Torjubel ein Schwall Bier auf dem Laptop landet oder jemand bei einem Niesanfall einem auf den Notizblock rotzt.

Der Presseraum ist nun doppelt so groß, selbst die Kaffeemaschine mit allem Schnickschnack ausgestattet, die Pressekonferenzen finden in einem angrenzenden Raum statt. Keiner fühlt sich mehr wie in der Londoner U-Bahn um 17 Uhr.

Für die VIP’s, die dem Verein mit 20 Logen mächtig Geld in die Kasse spülen, wurden gleich drei Etagen eingerichtet. Neben dem Traumblick aufs Spielfeld werden sie auch lukullisch verwöhnt. Fehlt nur noch, dass sie wie beim Einweihungs-Partner FC St. Pauli die Bratwurst – bitte das Senftöpfchen nicht vergessen – per Modelleisenbahn an ihren Platz serviert bekommen.

Freiburg ist dennoch nicht Wolfsburg

Doch genau, dass diese Demut, die den Verein in 360 Erstligaspielen an der Dreisam auszeichnete, nicht verloren geht, dafür stehen die sportlichen Macher. Streich: „Ich hoffe sehr, dass dieser Geist, auch dieses Ankämpfen gegen Größeres und nicht zu glauben, schon bei den Größeren zu sein, dass der bleibt und dass wir uns davon nicht blenden lassen.“ Freiburg ist nicht Wolfsburg, auch wenn das Schmuckkästchen jetzt größer ist als die Volkswagen-Arena.

Sportvorstand Jochen Saier wählte weise Worte: „Ein schönes Stadion schießt keine Tore – das Wichtigste ist, dass wir bei uns bleiben.“ Die Mannschaft hat sich jedenfalls mit einer Klasseleistung schnell ans neue Ambiente gewöhnt. Mancher Fan noch nicht ganz. Die eilige Suche nach Spielschluss nach der Toilette endete vor der Zäpflehütte. Dort wartete das nächste Bier.

Ihr Autor

BT-Redakteur Michael Ihringer

Zum Artikel

Erstellt:
19. Oktober 2021, 08:20 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.