„Alles sehr lecker“ in Hügelsheim

Hügelsheim (sawe) – Frauen verschiedener Nationen haben zusammen in Hügelsheim gekocht, die Sozialarbeit hat die Rezepte in ein Kochbuch gepackt. „Alles sehr lecker“, bestätigt eine Teilnehmerin.

Einfach lecker: Teilnehmerinnen des internationalen Kochtreffs präsentieren das neue Kochbuch mit ihren Lieblingsrezepten: (von links) Sozialarbeiterin Angelika Schlageter, Naffi Bojang, Helene Wulf und Asia Anwar. Foto: Sabine Wenzke

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Einfach lecker: Teilnehmerinnen des internationalen Kochtreffs präsentieren das neue Kochbuch mit ihren Lieblingsrezepten: (von links) Sozialarbeiterin Angelika Schlageter, Naffi Bojang, Helene Wulf und Asia Anwar. Foto: Sabine Wenzke

„Das schmeckt einfach fantastisch“, schwärmt Helene Wulf von Roten Beeten mit Feta im Blätterteig. Und von Zwiebelkuchen. Beide Speisen hat sie im internationalen Kochtreff der Gemeinde Hügelsheim kennengelernt und die Rezepte gleich mehrfach zu Hause noch mal ausprobiert, erzählt sie lachend. Die 37-Jährige stammt aus Kasachstan, lebt seit 32 Jahren in Deutschland und ist eine der Autorinnen des neu erschienenen „Hügelsheimer Kochbuchs“ mit „Gerichten aus aller Welt“, das die Sozialarbeit herausgegeben hat.

Kulinarische Reise durch viele Länder

60 Nationen leben in der Rheingemeinde, in der die Integrationsarbeit seit Jahrzehnten einen besonderen Stellenwert hat. Viele, meist geförderte Projekte haben die Integrationsbemühungen gelingend unterstützt, eines davon ist der internationale Kochtreff, der zwei Jahre lang einmal im Monat Frauen aus aller Herren Länder in der Schulküche zusammenführte. Jeden Monat haben 15 bis 20 Damen kulinarisch ein anderes Land besucht. Seit Corona mussten die Herde zwar kalt bleiben, doch Angelika Schlageter, Sozialarbeiterin der Gemeinde, hofft, dass das Angebot in diesem Jahr wieder aufgenommen werden kann.

Aus dem Kochtreff entstanden ist nun das Kochbuch mit einer Auswahl an Lieblingsrezepten der Teilnehmerinnen. Gefördert wird es aus dem Programm „Integration vor Ort – Stärkung kommunaler Strukturen“ des Ministeriums für Soziales und Integration in Baden-Württemberg. Das Werk ist 55 Seiten dick, reich bebildert und ansprechend gestaltet. Die Titelseite mit einem fröhlichen, kaffeetrinkenden Spargel hat Manuel Weingand illustriert, ein Künstler aus Hügelsheim, der in Köln lebt, erläutert Angelika Schlageter. Es ist das zweite Kochbuch der Sozialarbeit. Das erste erschien 2002. Titel: „So is(s)t man in Hügelsheim.“

20 Jahre später erfahren Feinschmecker nun, wie man auch woanders speisen kann. Das neue Buch entführt auf eine kulinarische Reise durch verschiedene Länder, Regionen und Töpfe. „Und es zeigt so viele liebenswürdige Beobachtungen unserer Nachbarn auf und so viel über die Ess- und Lebensgewohnheiten von uns allen in Hügelsheim“, freut sich Bürgermeisterin Kerstin Cee in ihrem Grußwort und ermuntert zum Nachkochen. Dabei verrät sie auch gleich ihr Lieblingsrezept: Linsen mit Spätzle.

Kochplausch in familiärer Atmosphäre

Suppen, Salate, Vorspeisen, Hauptgerichte vegetarisch oder mit Fleisch und Süßspeisen: 66 Rezepte für Gaumenfreuden und -kitzler bietet das Werk – ob Garnelen-Kokos-Suppe, Birne-Ziegenkäse-Salat, Spargel-Mousse mit Lachstatar, gefüllte Fladenbrote oder süßer Brotauflauf mit Vanillesoße: „Bisher war alles immer sehr lecker“, ist Helene Wulf von den Vorschlägen ihrer Mitköchinnen begeistert.

Naffi Bojang hat sich mit Domoda eingebracht, das ist ein gambischer Erdnusseintopf, erläutert die 27-Jährige, die in ihrem Heimatland als Köchin tätig war und auch in Deutschland schon in einem Gastronomiebetrieb gearbeitet hat. Sie würde gerne wieder zum Kochtreff gehen: „Wir reden dort nicht nur über Kochen und Essen, sondern auch über andere Dinge“, berichtet Asia Anwar aus dem Irak. So habe Helene etwa wissen wollen, warum die Irakerin kein Kopftuch trage. Sie sei sehr froh, dass sie hier frei in ihren persönlichen Entscheidungen sein könne, sagt Asia. Derzeit jobbt die 26-Jährige an drei Nachmittagen im Seniorenzentrum, dort will sie in diesem Jahr noch eine Ausbildung beginnen, erzählt sie glücklich. Aber auch viele andere Themen wie Land, Kultur, Religion und ganz alltägliche Dinge des Lebens seien bei dem Kochplausch in entspannter, familiärer Atmosphäre zur Sprache gekommen, ergänzt Helene Wulf: „Und es wurde immer viel gelacht.“

Die heutige Mutter und Ehefrau ist quasi mit der Sozialarbeit in Hügelsheim groß geworden. Sie hat schon als Kind den Jugendclub der Gemeinde besucht und schwelgt in Erinnerungen: „Das waren die schönsten Zeiten.“ Bevor Helene Wulf 1993 nach Hügelsheim kam, habe sie zwei Jahre in einer anderen Gemeinde gewohnt, sich dort aber nicht wohl gefühlt und keinen Anschluss gefunden. In Hügelsheim sei das ganz anders gewesen. Durch die Angebote der Sozialarbeit habe sie gleich Kontakt gehabt. „Mir gefällt es in Hügelsheim“, sagt Helene Wulf mit einem strahlenden Lächeln und fügt mit Bestimmtheit hinzu: „Hier gehe ich nie mehr weg.“

Service: „Das Hügelsheimer Kochbuch – Gerichte aus aller Welt“ ist in einer Auflage von 300 Exemplaren erschienen und kostet zehn Euro. Erhältlich ist es dienstags nachmittags ab 14.30 Uhr im Büro der Sozialarbeit in Hügelsheim, Ontariostraße 16.


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