Alohra: OB warnt vor zweitem Bad Reichenhall

Rastatt (ema) – Die Schäden im Hallenbad Alohra sind so gravierend, dass OB Hans Jürgen Pürtsch von einer Wiedereröffnung abrät.

Der eine Stahlträger hat eine Stütze, der andere nicht und ist obendrein von Korrosion angegriffen.Foto: Frank Vetter

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Der eine Stahlträger hat eine Stütze, der andere nicht und ist obendrein von Korrosion angegriffen.Foto: Frank Vetter

Ausgerechnet zum 50-Jahr-Jubiläum des Alohra droht dem Rastatter Hallenbad das vorzeitige endgültige Aus. Zumindest wenn es nach dem Willen von OB Hans Jürgen Pütsch geht, wird die Freizeiteinrichtung wohl nicht mehr öffnen, nachdem vergangene Woche bei Wartungsarbeiten ein massiver Schaden am Hauptträger der südlichen Giebelwand der Schwimmhalle entdeckt worden war.

Pütsch und Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk präsentierten am Montag Vertretern des Gemeinderats und der Presse die böse Überraschung, die dazu führte, dass das Baurechtsamt jetzt die Nutzung des Schwimmbads untersagte.

Pütsch zufolge ist der Schaden zutage getreten, als man über dem Nichtschwimmerbecken die Lamellenverkleidung abgebaut hatte, um eine darunter liegende Dampfsperre und Dämmung zu erneuern. Dabei sei bei einem langen Betonstrahlträger erkennbar geworden, dass der Stahl „komplett zerfressen“ sei und sich teilweise biegt. Nach Bewertung eines Sachverständigen ist die Eisenbewehrung durch Korrosion so stark geschädigt, dass die erforderliche Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet werden könne. Pütsch erinnerte in diesem Zusammenhang sogar an die Katastrophe von Bad Reichenhall, als 2006 in der bayerischen Kurstadt das Dach der Eislauf- und Schwimmhalle unter Schneelasten einbrach und 15 Menschen starben.

Konstruktion gibt Rätsel auf

Nicht nur die Korrosion an der Decke bereitet den Verantwortlichen Sorgen. Das Problem setzt sich im Keller fort, wo Betonstützpfeiler ebenfalls angegriffen sind. Die Konstruktion gibt Rätsel auf, weil die unterirdischen Stützen nicht 1:1 in der Schwimmhalle eine Fortsetzung finden. Pütsch lässt nun nach den Bauakten fahnden, um Klarheit zu erlangen, wie die Konstruktion zu erklären ist und was im Jahr 1999 während der damals elf Millionen D-Mark teuren Sanierung umgesetzt wurde.

Für den Oberbürgermeister ist klar: Mit „irgendwelcher Kosmetik“ ist jetzt nichts getan. Zwar liegt mittlerweile das vom Gemeinderat beschlossene Gutachten vor, mit dem der Aufwand ermittelt wird, um das Alohra und Freibad Natura so weit zu ertüchtigen, dass beide Bäder bis zur Eröffnung des neuen Kombibads durchhalten. Doch die Expertise müsse jetzt im Lichte des neuen Befunds überarbeitet werden, sagt Stadtwerke-Chef Kaspryk. Wie teuer eine Behebung des aktuellen Schadens wäre, lässt sich nach Darstellung der Verantwortlichen noch nicht beziffern. Weitere Fragezeichen bestehen, weil man nicht weiß, ob und wo noch weitere Schäden schlummern. In Absprache mit den Fraktionsvertretern sei man übereingekommen, dass man keine weiteren Öffnungen an der Decke vornehme. Nach Einschätzung des OB macht es keinen Sinn, das „marode“ Alohra unter den Bedingungen überhaupt noch mal zu öffnen. Pütsch: „Das wird ein Millionengrab.“

Der OB wird nun im Mai den Gemeinderat zu einer Klausursitzung zusammenrufen. Dann wird man sich mit der jetzigen Schadensanalyse sowie dem Ertüchtigungsgutachten befassen und nach dem Willen des OB das Planungsverfahren für das Kombibad fortsetzen. Pütsch zufolge soll nicht unnötig Geld ins Alohra gesteckt werden, wenn das Bad später eh abgerissen wird. Dass am Standort an der Bastion ein neues Alohra entstehen könnte, halten Pütsch und Kaspryk aufgrund der Einschätzung von Gutachtern für „sinnlos“. Der OB könnte sich vorstellen, dass das Kombibad zumindest mit dem Hallenmodul im Jahr 2027 öffnen könnte. Für die knapp dreijährige Bauphase davor müsste dann auch das Freibad schließen.

Völlig offen ist, wie es jetzt mit dem Vereins- und Schulsport sowie Schwimmkursen weitergeht, wenn das Alohra vorübergehend oder für immer geschlossen bleibt. Der OB nennt spontan Ausweichlösungen in Nachbarstädten oder im Schwimmbad der Augusta-Sibylla-Schule. Zur Debatte steht außerdem das Freibad Natura, das nach bisherigem Stand am 22. Mai öffnen soll.


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