Alohra zu: „Das ist eine Katastrophe“

Rastatt (ema) – Die drei Vereine, die das Alohra nutzen, fürchten nach Schließung des Hallenbads massive Probleme.

Neujahrsschwimmen im Alohra: Das könnte endgültig Geschichte sein. Foto: av

© fuv

Neujahrsschwimmen im Alohra: Das könnte endgültig Geschichte sein. Foto: av

Die ersten Ankündigungen, aus dem Verein auszutreten, musste sich Werner Bartel schon anhören. Die Hiobsbotschaft von der Schließung des Alohra, da ist sich der Vorsitzende des Rastatter Turnvereins sicher, wird die rund 260 Mitglieder starke Schwimmabteilung des RTV ins Mark treffen. Auch der Vorsitzende der Rastatter DLRG, Horst Müller, spricht von einem tief greifenden Einschnitt. Was beide Funktionäre erschüttert: Wie Teile des Gemeinderats über Jahre die Warnungen vor dem prekären Zustand des Hallenbads in den Wind geschlagen hätten.

„Das war doch alles absehbar“, macht Bartel, ehemaliger FuR-Stadtrat, aus seiner Verärgerung keinen Hehl und richtet seinen Frust in erster Linie an die Adressen von SPD, Freie Wähler und AfD, die bei der Kombibad-Planung auf die Bremse getreten seien. „Das kostet die Gemeinschaft richtig Geld“, sieht der RTV-Vorsitzende nicht nur die Preissteigerungen, weil das Kombibad-Verfahren auf Eis liegt, sondern auch Belastungen für die Stadtwerke, weil das Unternehmen über die Finanzierung des defizitären Alohra durch den Querverbund nicht mehr profitieren könne. „Wir haben immer darauf hingewiesen, dass es so nicht bleiben kann. Das ist ein Drama“, zeigt sich auch Müller verärgert, der über Jahre im Arbeitskreis Bäder auf die Situation aufmerksam gemacht hat. Enttäuschung auch beim dritten Verein, der das Alohra nutzt. „Schade, dass man das Ganze so hat schleifen lassen“, sagt Max Wagner, Vorsitzender des rund 40 Mitglieder zählenden Tauchsportvereins Manta Rastatt.

Folgen für die Vereinswelt

„Das wird Folgen für die Vereinswelt haben“, ist sich RTV-Chef Bartel sicher. Mit rund 260 Mitgliedern zählt die Schwimmabteilung zu den aktivsten Gruppen unter dem RTV-Dach. Viele Sportler seien auch aus dem Umland gekommen, um für den RTV im Alohra aktiv zu sein. Horst Müller weiß aus anderen Ortsvereinen, dass bei einer Schließung des Hallenbads rund die Hälfte der Mitglieder der DLRG den Rücken gekehrt hätten. Die Lebensretter trifft die Schließung auch deshalb hart, weil viele Kursteilnehmer nach der Ausbildung dem Verein treu bleiben und sogar Ausbilder werden. Rund 300 Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind in der knapp über 600 Mitglieder starken Ortsgruppe Rastatt aktiv. Allein rund 200 Kinder werden übers Jahr ausgebildet. Vieles werde wegbrechen in den nächsten zwei bis drei Jahren. Müller: „Das ist eine Katastrophe.“ Die DLRG weist auch auf die gesamtgesellschaftliche Dimension hin. Noch mehr Kinder würden das Schwimmen nicht lernen, zumal auch in den Schulen das Angebot nicht gerade üppig aussieht. Dann würden die Jüngeren ungeübt auf Seen und Flüsse ausweichen – mit den bekannten Lebensgefahren.

Die drei Vereine hatten eigentlich gehofft, dass nach dem politischen Grundsatzbeschluss das Kombibad so schnell wie möglich angegangen wird, um möglichst nahtlos vom Alohra ins neue Hallenbad umziehen zu können. Eine Mehrheit des Gemeinderats hatte jedoch im vergangenen Jahr das Verfahren gestoppt, weil man erst das Gutachten für eine temporäre Ertüchtigung des Alohra und des Freibads abwarten wollte, obwohl die Verwaltung versichert hatte, dass man parallel weiterarbeiten könne, um keine Zeit zu verlieren.

Jetzt droht das Alohra für immer zu schließen. Allerdings hegt RTV-Chef Bartel noch einen „Funken Resthoffnung“. Er setzt darauf, dass die Statik noch mal für zwei bis drei Jahren gerichtet wird. Ob dauerhafte oder temporäre Schließung: So oder so müssen die Vereine gucken, wie sie die Durststrecke überbrücken. Der RTV will die Fühler etwa nach Kuppenheim (Cuppamare), Augusta-Sibylla-Schule Rastatt und Karlsruhe (Fächerbad) ausstrecken. Doch ob andernorts überhaupt Kapazitäten frei sind, daran hat Bartel Zweifel.

DLRG-Vorsitzender Müller erinnert sich noch an die Jahre um 1990, als das Alohra saniert wurde. Damals sei man ins Bertholdbad Baden-Baden und ins Gaggenauer Hallenbad ausgewichen. Doch so ohne Weiteres den Nachwuchs ins Umland zu befördern, sofern dort überhaupt Platz ist, hält Müller für nicht so einfach. Vordergründig am leichtesten haben es da die Taucher, die laut Vorsitzendem Wagner im Sommer erst mal an die Seen ausweichen können. Ansonsten „fehlt ein Bad, das für uns geeignet ist“. Und das Rastatter Freibad Natura halten die Verantwortlichen nur bedingt für geeignet aufgrund der Unwägbarkeiten durch Temperatur und Witterung. RTV-Chef Bartel bringt es so auf den Punkt: „Wir werden große Probleme bekommen und viel improvisieren müssen.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.