Als Karl Hubbuch in der Barockstadt zeichnete

Rastatt (sl) – Skizzen des bedeutenden Karlsruher Malers und Grafikers sind im Rahmen der Ausstellung „Grafik! Grafik!“ im Rastatter Stadtmuseum zu sehen. Von 1944 bis 1946 wohnte er in Rastatt.

Rastatter Bismarckstraße 1945: Karl Hubbuchs eigene Wohnung in Karlsruhe war ebenfalls ausgebombt. Auch in Rastatt begegnete er den Folgen des Krieges.Foto: Stadtmuseum Rastatt

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Rastatter Bismarckstraße 1945: Karl Hubbuchs eigene Wohnung in Karlsruhe war ebenfalls ausgebombt. Auch in Rastatt begegnete er den Folgen des Krieges.Foto: Stadtmuseum Rastatt

Mit Barock bringt man den Namen Karl Hubbuch (1891-1979) eigentlich nicht in Verbindung. Als einer der Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit gehört der gebürtige Karlsruher in eine Reihe mit Max Beckmann, Otto Dix oder George Grosz. Und doch hat sich der Maler, Lithograf und begnadete Zeichner für Rastatts barocke Fassaden begeistert. In prachtvollen Rohrfederskizzen hat er sie auf eine neue künstlerische Ebene gehoben. Im Rahmen der laufenden Ausstellung „Grafik! Grafik!“ sind die großformatigen Blätter zurzeit im Rastatter Stadtmuseum zu sehen.

Künstler war mit Rastatterin verheiratet

Was wenige wissen: Von seiner Heimatstadt Karlsruhe aus besuchte Karl Hubbuch die Rastatter Sehenswürdigkeiten nicht nur gerne, er hat sogar einige Zeit in Rastatt gelebt, von Juli 1944 bis Ende 1946. In zweiter Ehe war Hubbuch mit einer Rastatterin verheiratet. Die gemeinsame Wohnung und sein Atelier in der Fächerstadt waren nach einem Luftangriff 1944 ausgebombt, und so kam das Ehepaar zunächst bei Ellen Hubbuchs Mutter Elsa Heid in der Rastatter Markgrafenstraße 21 unter. Das berichtet die Leiterin des Rastatter Stadtmuseums, Iris Baumgärtner, die Ellen Hubbuch noch persönlich kennenlernte.

Der damalige Stadtarchivar Wolfgang Reiß hatte in den 1980er-Jahren Kontakt zu der Witwe aufgenommen, um sie zu Hubbuchs Rastatter Zeit zu befragen. Nach dem Besuch entstand die Idee einer Ausstellung, die dann 1986 in der Pagodenburg stattfand. In diesem Zuge erhielt das Stadtmuseum die Zeichnungen aus dem Nachlass des Künstlers geschenkt.

Pagodenburg soll Hubbuch besonders gemocht haben

Die Pagodenburg soll Karl Hubbuch seiner Witwe zufolge besonders gemocht haben. Seine Zeichnung des barocken Gartenschlösschens, die nun im Stadtmuseum zu bewundern ist, scheint unfertig. Mit kühnem Strich ist die charakteristische Silhouette des zierlichen Gebäudes erfasst. Dass Hubbuch die Zeichnung in halbfertigem Zustand beließ, macht es möglich, ihren Aufbau zu studieren, dem Künstler bei der Arbeit gleichsam über die Schulter zu blicken: Zarte Bleistiftlinien akzentuiert er mit kraftvoll-satten Tuschekonturen aus der Rohrfeder. Die so betonten Architektur-Elemente erhalten auf diese Weise eine enorme Raumwirkung und Präsenz. Das gilt in ähnlicher Weise für die viel weitgehender ausgeführten Zeichnungen der Rastatter Residenz und des Lustschlosses Favorite. Die barocken Fassaden zeigt Hubbuch stets kühn angeschnitten, nie in ihrer Gesamtheit. Sein gekonnter Strich löst die herrschaftliche Monumentalität in einer grazilen Beschwingtheit auf, die an Italien oder Südfrankreich denken lässt.

Von den Nazis als „entartet“ verfemt

Insgesamt besitzt das Stadtmuseum 19 großformatige Zeichnungen dieser Art. Eine zeigt die in Schutt liegenden Villen der Bismarckstraße, eine weitere bildet Rastatter beim Holzsammeln in der Trümmerlandschaft ab. Schließlich sind Hubbuchs Rastatter Jahre vom Krieg überschattet. Die Nazis hatten ihn als „entarteten Künstler“ mit Malverbot belegt. Auch durfte er seit 1933 nicht mehr als Professor an der Kunstakademie Karlsruhe lehren. Welcher Beschäftigung er in Rastatt nachging, ist nicht bekannt, so Iris Baumgärtner. Möglicherweise hatte die barocke Architektur ihm ein politisch unverfängliches Motiv geboten. Was auffällt: Die Ansichten sind oft völlig menschenleer. In Hubbuchs Werk ist das die Ausnahme. Dafür schenkt er den Fassadenfiguren der Rastatter Schlösser eine fast menschliche Lebendigkeit.

Schloss Favorite, hier noch mit der spitzeren Turmhaube, und der exotischen Brunnenfigur. Anstelle von Menschen, die sonst in Hubbuchs Grafiken zahlreich auftreten, erhält der Mann aus Stein hier einen höchst lebendigen Ausdruck. Foto: Stadtmuseum Rastatt

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Schloss Favorite, hier noch mit der spitzeren Turmhaube, und der exotischen Brunnenfigur. Anstelle von Menschen, die sonst in Hubbuchs Grafiken zahlreich auftreten, erhält der Mann aus Stein hier einen höchst lebendigen Ausdruck. Foto: Stadtmuseum Rastatt

Hubbuch soll sogar Bürgermeister werden

Als die Franzosen Rastatt im April 1945 besetzen, wollen sie Hubbuch als kommissarischen Bürgermeister einsetzen, was dieser ablehnt. Er gehört aber dem ersten Rastatter Gemeinderat nach dem Krieg an und ist dort mit Denkmalpflege, Heimatkunde und dem Schloss und seiner Erhaltung betraut. Die Franzosen weisen ihm eine zuvor beschlagnahmte Wohnung im Haus Röhrigstraße 9 zu.

Hubbuch ist seit Mai 1945 auch Mitglied der Antifa. Die Alliierten haben die Antifaschistische Bewegung damit betraut, bei der Entnazifizierung zu helfen. Hierfür fertigt Hubbuch in Rastatt Zeichnungen und Plakate an, die zur Aufklärung und Belehrung der Bürger über die Nazigräuel dienen sollen. Sie sind damals im Rathaus und anderen öffentlichen Orten aufgehängt. Eines ist nun in der Dauerausstellung des Stadtmuseums zu sehen und bildet die 1959 abgebrochene Bastion 12 der Rastatter Festung ab. Das massive Sandsteingebäude diente während der Naziherrschaft zeitweise als Internierungslager. Hubbuch zeigt Nazischergen und die ihnen ausgelieferten Häftlinge – er ist wieder deutlich expressiver als vor Kriegsende. Inspiriert ist die Zeichnung eventuell von Zeugenaussagen bei den Kriegsverbrecherprozessen im Rastatter Schloss. Die Franzosen hatten Hubbuch mit dem Privileg ausgestattet, als Prozessbeobachter Zutritt zu haben.

Letztlich sei Rastatt aber auf Dauer nicht Hubbuchs Pflaster gewesen, schildert Baumgärtner. Ein Lehrauftrag an der Technischen Hochschule rief ihn schon Ende 1946 zurück in seine Heimatstadt Karlsruhe, wo er 1979 gestorben ist.


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