„Als Künstler muss man kreativ und mutig sein“

Gernsbach (ham) – Mit einer virtuellen Ausstellung trotzt der Gernsbacher Arturo Laime dem Corona-Lockdown. Mit seinen Schwarzwald-Bildern fand der Peruaner so begeisterte Käufer aus aller Welt.

Der peruanische Künstler Arturo Laime nahm für „Neue Horizonte“ auch ein Interview auf.  Fotos: Arturo Laime

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Der peruanische Künstler Arturo Laime nahm für „Neue Horizonte“ auch ein Interview auf. Fotos: Arturo Laime

„Wie ich immer sage: Künstler zu sein, bedeutet nicht nur, kreativ zu sein, sondern auch mutig zu sein!“, betont Arturo Laime. Der Peruaner beweist derzeit besonders viel Mut, obwohl ihm die Corona-Pandemie erneut einen Strich durch die Rechnung macht.

Am 4. und 5. April 2020 wollte der damals 44-Jährige in seiner neuen Heimat Gernsbach zum Tag der offenen Tür in der Mozartstraße einladen. Doch wegen Corona wurde nichts daraus, seine farbenfrohen Bilder den Murgtälern zu präsentieren. Im Herbst versetzte Laime der Lockdown wie vielen Kollegen einen weiteren Schlag. Der Künstler aus Lima blieb „jedoch positiv, arbeitete weiter“ und präsentiert nun seine erste Online-Kunstausstellung.

Rund drei Wochen investierte Laime in Fotografie, Programmierung, Webdesign, Videos und Virtuelle Reality (VR), um seine Ausstellung „Neue Horizonte“ unter dem Link https://arturolaime.de/ aktuell/neue-horizonte/ zu erstellen. Die Besucher, für die es auch eine englische Version gibt, können dabei durch die virtuelle Galerie schreiten und ganz nah an die 35 Ölbilder im Mittelformat heranrücken. Für den vollen Schaugenuss empfiehlt der Peruaner einen „großen Bildschirm“, um die zwischen 2020 und 2021 in der Heimwerkstatt des Künstlers entstandenen Arbeiten genießen zu können.

Die grünen Füße (MItte, unten) dienen zur Orientierung des Betrachters, wo er während des virtuellen Rundgangs durch die Ausstellung steht.

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Die grünen Füße (MItte, unten) dienen zur Orientierung des Betrachters, wo er während des virtuellen Rundgangs durch die Ausstellung steht.

Laime, der bis vor acht Jahren in einem Loft im tiefen Amazonas-Regenwald Touristen Umweltschutz und Kunst näherbrachte, zeigt diesmal nicht seine Tierserie aus dem Paradies, sondern ließ sich von „seinen ersten Eindrücken aus dem Schwarzwald“ inspirieren. „Das zentrale Thema ist das Leben und die Artenvielfalt des Waldes“, erläutert das Mitglied im Frankfurter Kunstverein „Eulengasse“ und erinnert sich an seinen Umzug im Vorjahr, „ich kam etwa zur gleichen Zeit im Schwarzwald an, als die erste Quarantäne begann. Die Einschränkung vieler Aktivitäten führte dazu, dass ich mehr Zeit damit verbrachte, im Wald spazieren zu gehen und die schönen Orte hier kennenzulernen, die voller Geschichte, Artenvielfalt und Sagen sind. Diese Erfahrungen haben meine Arbeit beeinflusst“, erzählt der Lateinamerikaner – und er griff nicht nur in der Zeit zum Pinsel, sondern arbeitete auch im Forst als „Holzfäller“.

Käufer aus Beirut und Miami Beach

Das gleichnamige Bild ist bereits wie vier andere verkauft. Preise zwischen 150 und 900 Euro rief Laime dafür in seiner „Online-Kunsthandlung“ auf und fand Ankäufer aus Hamburg, Frankfurt, Beirut und sogar in Florida (Miami Beach). Gernsbacher dürften sich vor allem für „Flößer Party“ begeistern, das noch zu haben ist. Die sehenswerte Arbeit mit Ölschichten auf Acryl zeigt, wie das Floß der Gernsbacher Murgflößer „Leute zu einer schwimmenden Party bringt“. 980 Euro kostet das Werk. Wer ein deutlich günstigeres Bild mit Gernsbacher Altstadt-Motiv wünscht, kann für 200 Euro beim kleinformatigen Mittelaltermarkt (25 auf 25 Zentimeter) zum Schnäppchenpreis zuschlagen.

Ansonsten zeigt Laime auch Sehenswertes aus der nahen Kurstadt, etwa die Geroldsauer Wasserfälle oder sein persönliches Lieblingswerk: „Die Frau auf dem Felsen“. Dieses stellt eine neue Interpretation des Freskos „Die Felsen“ von Jakob Götzenberger dar, der einst mit seinen Sagenbildern anno 1844 die Trinkhalle in Baden-Baden verschönerte.

„Der digitale Aufbau meiner Ausstellung war genauso komplex wie der einer realen Ausstellung, da ich mit dem Computer alle virtuellen Elemente wie Wände, Tür, Boden und Decke bauen musste. Es gibt sogar die Möglichkeit, sich mit einer VR-Brille im Inneren der Galerie zu bewegen“, berichtet Arturo Laime über die Präsentation von „Neue Horizonte“. Diese ging er mangels Alternativen mit viel Elan an, denn der Lockdown hat „Künstlern aus allen Bereichen viele Schwierigkeiten bereitet, weil die meisten von ihnen ihre Arbeiten nicht auf die übliche Art und Weise teilen können. Dies hat die Künstler wie mich auch dazu gebracht, neue Technologien zu nutzen, um ihr Publikum wenigstens virtuell zu erreichen“.

Live-Malerei via Instagram

Wer sich für die Ausstellung begeistert, der kann überdies engeren Kontakt zu Laime knüpfen. Der 45-Jährige will Aktivitäten wie Online-Live-Malerei via Instagram, eine virtuelle Ausstellungsführung und ein Gespräch mit dem Künstler per Zoom anbieten, zu dem man sich auf der Webseite anmelden kann.

Die weltweit neu erschlossenen Fans zeigten sich jedenfalls begeistert: „Es ist ein wunderbares Kunstwerk und wird sehr geliebt werden“ oder „dieses Bild hat sein endgültiges Zuhause in unserem Waldhaus gefunden“, teilten ihm zwei Käufer mit.

Arturo Laime hat dieses für Gernsbach typische Bild in den Maßen 50 mal 70 Zentimeter „Flößer Party“ genannt.

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Arturo Laime hat dieses für Gernsbach typische Bild in den Maßen 50 mal 70 Zentimeter „Flößer Party“ genannt.

Insofern hat Laime den Umzug nach Gernsbach trotz der Verkettung unglücklicher Umstände durch Corona nicht bereut! „Es gibt zwei Ereignisse in meinem Leben, die meine Arbeit stark beeinflusst haben. Das eine war mein ökosoziales Projekt im Amazonasgebiet, das zweite meine Ankunft im Schwarzwald. Wieder in der Nähe des Waldes zu leben, ist eine wunderbare Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin. Die Farben der Region, neue Orte, Menschen und Traditionen faszinieren mich und bringen neue Ideen für meine Arbeit“, konstatiert der Optimist und hält an seinem im Vorjahr bereits formulierten Projekt fest: „eine Amazonas-Ausstellung, vielleicht in Karlsruhe oder Freiburg. Das ist sehr wichtig“, betont er mit seiner ansteckenden südamerikanischen Heiterkeit und schließt mit einer Bemerkung, die auch für die Corona-Pandemie gilt, aber ein noch dramatischeres Dauerthema anschneidet: „Über den Klimawandel zu lamentieren – das bringt nichts. Man darf nicht resignieren!“

Die Online-Ausstellung „Neue Horizonte“ kann virtuell betrachtet werden unter dem Link:

https://arturolaime.de/aktuell/neue-horizonte/


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