Als das Wasser noch in Holzrohrleitungen floss

Lauf (jo) – Bald 100 Jahre ist es her, dass „Deutschlands erste große Holzrohrleitung“ in Lauf verlegt wurde, 1,9 Kilometer lang entlang eines felsigen Hangs durch den Wald. Der hölzerne Kanal diente der Wasserkraftgewinnung. An diese Pionierleistung der Ingenieurskunst von 1923 erinnert heute der „Energiepfad Lauf“ – ein knapp sieben Kilometer langer Wanderweg für Technik- wie Naturbegeisterte, der zu einem 214 Meter höher liegenden kleinen Stausee führt.

Wasserspeicher für den Strombedarf von etwa 400 Haushalten: Der Stausee im Ortsteil Glashütte. Fotos: Eiermann

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Wasserspeicher für den Strombedarf von etwa 400 Haushalten: Der Stausee im Ortsteil Glashütte. Fotos: Eiermann

Oberhalb der Schwarzwaldgemeinde erstreckt sich ein idyllisches Wiesental, durch das der Laufbach fließt. Rechts der nach ihm benannten Straße, die hoch zum Zinken Glashütte führt, liegt das Kraftwerksgebäude, Ausgangspunkt der zwei bis dreistündigen Wanderung. Ein stetiges Brummen zeugt davon, dass hier bis heute Strom durch Wasserkraft erzeugt wird. Das alte Holzrohr ist aber schon lange Geschichte, die derzeitige Leitung wurde 2003/2004 errichtet. Auch die alte Turbine wurde nach 80 Jahren Betrieb durch einen neuen, leistungsstärkeren Generator ersetzt, der „Saft“ für etwa 400 Haushalte erzeugt. Ein großes Schaufenster lässt ins Herzstück des Krafthauses, den Maschinenraum, blicken, der die Technik beider Generationen vereint.

Die Infotafeln des Energiepfads, der vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit Mitteln der Lotterie Glücksspirale und der Europäischen Union gefördert wurde, geben kurz und prägnant Einblicke in die Wasserkrafterzeugung von gestern und heute. Der Pfad führt über eine Brücke in den Wald; es folgt ein ständiges Auf und Ab entlang der Bachböschung. An einer Weide warnt das Schild eines humorigen Viehhalters: „Vorsicht freilaufende Bullen!“ Nach etwa einem Kilometer, an der Wegstation „Eiserne Brücke“, weist ein Schild zum „Wasserschloss“, das wir uns jedoch für den Schluss aufsparen, um die Sonne auszunutzen. Da die Talsenke zu dieser Jahreszeit bereits früh am Nachmittag in den Schatten fällt, empfiehlt es sich, möglichst bis 12 Uhr aufzubrechen.

Wir halten uns nach dem Waldparkplatz weiterhin rechts der Straße, gehen am Gebüsch rechts vorbei. Nach einem Unwetter ist der schmale Pfad in diesem Abschnitt nur schwer auszumachen, er führt in den Wald und alsbald weg vom Taleinschnitt. In Serpentinen geht es jetzt stetig nach oben. Ein asphaltierter Fahrweg wird erreicht, dem wir ein kurzes Stück weiter bergauf folgen, bis sich links unser Pfad fortsetzt. Bald ist eine pittoreske, grün bemooste Felsenlandschaft erreicht. Hier folgen wir der im Boden verlegten alten Wasserleitung, deren Holz- später durch Betonrohre ersetzt wurden. Aber auch diese haben ausgedient; die heutige Wasserführung verläuft in einem Kanal parallel zur Laufbachstraße. Nach entspanntem Schlendern auf dem ebenen, kerzengeraden Waldpfad ist der Ortsteil Glashütte rasch erreicht und damit auch der Stausee, ein Energiespeicher mit 5500 Kubikmeter Fassungsvermögen. Die nach außen gewölbte Staumauer gilt als bautechnische Besonderheit. Auf der gegenüberliegenden Seite des künstlich angelegten Weihers, der an der Rückseite umgangen werden kann, beginnt der Rückweg, als Laufbachpfad gekennzeichnet. Der landschaftlich schönste Teil der Route wird begleitet vom Plätschern des Bachs und dem Gesang der Vögel. Infotafeln erläutern andere Formen erneuerbarer Energien von der Biomasse bis zur Solarthermie. Nach etwa einem Kilometer entfernt sich der Weg allmählich vom Bach. An einer Abzweigung gehen wir nach links hinunter zur „Eisernen Brücke“ und queren die Straße.

Relikt aus Urzeiten des Kraftwerksbaus: Wasserschloss und Steigleitung hoch oben im Gemeindewald von Lauf.

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Relikt aus Urzeiten des Kraftwerksbaus: Wasserschloss und Steigleitung hoch oben im Gemeindewald von Lauf.

Wer genug gesehen hat, geht von hier auf dem bekannten Weg zum Kraftwerk zurück. Auf alle anderen wartet noch ein außerordentliches Relikt: das Wasserschloss. Dem Schild folgend führt ein breiter Forstweg, vorbei an einem vom Unwetter überspülten Hang, in den Wald. Mehrere Kehren (immer auf dem Hauptweg bleiben) führen rasch etwa hundert Höhenmeter hinauf. Aufgepasst: An der Infotafel, die die Funktionsweise der alten Hangleitung erklärt, nicht weiter hochgehen, sondern dem Fußweg nach Westen folgen. Kurz darauf ist eine imposante freiliegende Steigleitung zu sehen: 80 Zentimeter dick, von Moosen und Flechten vereinnahmt. Sie führt 25 Meter steil hinauf zu einem offenen Schacht, dem sogenannten Wasserschloss. Einen erkennbaren Pfad bis ganz nach oben gibt es nicht, aber auf der Westseite kann man durch den Wald zur Spitze dieses historischen Bauwerks auf 505 Metern Höhe kraxeln. Es war errichtet worden, um Druckstöße im Fallrohr zum Kraftwerk auszugleichen. Es lohnt sich, an diesem abgelegenen und doch erhabenen Abschnitt etwas zu verweilen. Der jetzt noch lichte Wald lässt bis ins Tal blicken. Anschließend geht es auf gleichem Weg zum Krafthaus zurück.

Die kürzeste Anfahrt führt von Ottersweier über die L86a via Haft nach Lauf. Im Ortskern bei der Rechtskurve der Hauptstraße (Höhe Schloss-Apotheke) nach links in Richtung Glashütte abbiegen und dem Straßenverlauf nach rechts folgen. Nach 1,5 Kilometern führt eine Abzweigung nach rechts zum Krafthaus mit nur wenigen Pkw-Stellplätzen; ein größerer Parkplatz liegt etwas unterhalb auf der anderen Seite der Laufbachstraße. Barfußpfad, Wasser-Erlebnisplatz und alle Spielplätze sind virusbedingt geschlossen. Zum Abschluss bietet sich ein Spaziergang zur Burgruine Neuwindeck an, die in etwa zehn Minuten über die Abzweigung der Neuwindeckstraße leicht zu erreichen ist.

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Erstellt:
8. April 2020, 14:00 Uhr
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