Als das kleine Gaggenau eine Stadt wurde

Gaggenau (wess) – Ein Monatskalender erinnert an die Verleihung der Stadtrechte an Gaggenau vor 100 Jahren.

Vor der Zerstörung im Bombenhagel: Die Innenstadt von Gaggenau um 1912 mit Rathaus (links) und Josefskirche. Foto: Stadt Gaggenau (Repro: Michael Wessel)

© bt

Vor der Zerstörung im Bombenhagel: Die Innenstadt von Gaggenau um 1912 mit Rathaus (links) und Josefskirche. Foto: Stadt Gaggenau (Repro: Michael Wessel)

In diesem Jahr feiert Gaggenau am 15. September mit einem Festakt die Erhebung zur Stadt vor 100 Jahren. Im Vorfeld des Jubiläumsjahrs hat die Stadtverwaltung einen Monatskalender aufgelegt mit historischen Aufnahmen und Hinweisen zu den Festivitäten unter dem Motto „Wir sind 100 Jahre Stadt Gaggenau“. In monatlicher Reihenfolge stellt Michael Wessel die historischen Bilder vor und erläuterte deren Inhalt.

Wessel kennt sich in der Geschichte der Automobilstadt bestens aus – so ist es auch bei Slobodan Mandic. Den historischen Ansichten stellt der BT-Fotograf eine aktuelle Aufnahme aus möglichst der gleichen Perspektive gegenüber.

Das Januar-Motiv geht ausnahmsweise zeitlich noch etwas weiter zurück als das Jahr 1922. Es zeigt um 1912 einen Teil des im Jahr 1908 bezogenen repräsentativen Rathauses. Davor sieht man das Denkmal für die Gefallenen des Krieges 1870/71, das heute auf dem Waldfriedhof steht. In dem kleinen Häuschen auf der anderen Seite der Friedrich-Ebert-Straße war damals wohl die Sattlerei Rigsinger.

Einst das größte Industriedorf Badens

Dem schloss sich das mächtige „Beamtenhaus“ der Eisenwerke an, das insbesondere leitenden Angestellten des damals mit 2.000 Mitarbeitern größten Industriebetriebs Wohnraum bot. Im Hintergrund links ist das Türmchen des prachtvollen Kaufhauses Guggenheim – ab 1938 Kaufhaus Bracht – zu erkennen. Es stand im Herzen der Stadt bei der 1901 fertiggestellten Kirche St. Josef. Beide Gebäude dominierten das Zentrum des damals größten Industriedorfs Badens, in dessen Hauptstraße sich noch Hühner aufhielten.

Blick auf das heutige Rathaus. Im Hintergrund der Turm von St. Josef mit einem deutlich niedrigeren Turm.  Foto: Slobodan Mandic

© slma

Blick auf das heutige Rathaus. Im Hintergrund der Turm von St. Josef mit einem deutlich niedrigeren Turm. Foto: Slobodan Mandic

Heute, mehr als 100 Jahr später, bietet sich dem Betrachter ein völlig anderes Bild: An die Stelle des 1944 bei den Luftangriffen auf Gaggenau zerstörten Rathauses ist 1958 das heutige teilweise mit hellem Marmor verkleidete Gebäude getreten.

Statt des Kriegerdenkmals hat inzwischen in der Friedrich-Ebert-Straße in der Fußgängerzone das Denkmal für den Gaggenauer Oberschultheißen Anton Rindeschwender seinen dritten Standort gefunden. Im Eckgebäude, in dem 1950 Oskar Peterli seine Gaggenauer Lichtspiele – kurz: GALI – eröffnete, befinden sich nach gründlicher Sanierung einschließlich des Anbaus von Balkonen und einer Aufstockung oberhalb des früheren Kinosaals Filialen von „Delker Optik“ und „Peter’s gute Backstube“.

Der einst nur provisorisch mit einem flach geneigten Dach gedeckte Turm der Kirche von St. Josef lässt erkennen, wo sich diese befindet – Provisorien halten manchmal etwas länger.

Den Gaggenau-Kalender gibt es im Bürgerbüro im Rathaus und im Geschäft „To Bee“ in der Hauptstraße.

Ihr Autor

Michael Wessel

Zum Artikel

Erstellt:
11. Januar 2022, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.