Als der Unimog aus Gaggenau kam

Gaggenau/Frankfurt (wess) – Besondere Premiere: Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) 1951 in Frankfurt wird bekannt gegeben, dass der Unimog ab sofort in Gaggenau hergestellt wird.

Vorstandsvorsitzender Dr. Wilhelm Haspel zeigt am 26. April 1951 auf der IAA in Frankfurt Bundeskanzler Konrad Adenauer das Fahrgestell eines Unimog. Foto: Daimler/Sammlung Wessel

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Vorstandsvorsitzender Dr. Wilhelm Haspel zeigt am 26. April 1951 auf der IAA in Frankfurt Bundeskanzler Konrad Adenauer das Fahrgestell eines Unimog. Foto: Daimler/Sammlung Wessel

Zwei Jahre nach der Währungsreform und zu Beginn des Wirtschaftswunders erfreute sich die erste IAA nach dem Zweiten Weltkrieg eines besonderen Publikumsinteresses: 570.000 Besucher pilgerten vom 19. bis 29. April 1951 nach Frankfurt, obwohl den meisten klar war, dass sie sich in den nächsten Jahren kein Auto werden leisten können.

Viele Hersteller zeigten lediglich Modelle, die bereits vor dem Krieg entworfen waren. So kritisierte Bundespräsident Theodor Heuss in seiner Eröffnungsrede, dass die deutschen Autos vom Exportschlager weit entfernt seien. Eine geniale Neuentwicklung war allerdings der Unimog, von dem Daimler-Benz auf seinem Messestand das erste Gaggenauer Fahrgestell zeigte. Zu Fahrten im Gelände wurden zudem ausgewählte Besucher eingeladen. Hierfür standen allerdings Unimog zur Verfügung, die noch bei der Maschinenfabrik Boehringer in Göppingen montiert worden waren.

Mercedes 300 als Neuentwicklung

Zu den wenigen Neuentwicklungen, die auf der Messe vorgestellt wurden, gehörte der Mercedes 300, den Bundeskanzler Konrad Adenauer beim Rundgang in der Halle von Daimler-Benz vom Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Haspel vorgestellt bekam. Insbesondere von der komfortablen Innenausstattung war Adenauer beeindruckt. Er soll jedoch nachgefragt haben: „Ham Se eijentlich nich wat Jrösseres?“. Und obwohl ihm Haspel dies nicht anbieten konnte, orderte Adenauer noch auf der Messe seinen ersten 300er, dem in der Folgezeit weitere fünf folgten. Daher erhielt das repräsentative Modell auch den Beinamen „Adenauer“.

Der Vorstandsvorsitzende stellte dem Bundeskanzler aber auch eine revolutionäre Nachkriegsentwicklung vor: den Unimog, von dem bis dahin 602 Exemplare bei Boehringer in Göppingen gefertigt worden waren. Und er erklärte dem Kanzler, dass der Unimog nun ein Erzeugnis der Daimler-Benz AG sei und ab Ende Mai in Gaggenau in Serie geht.

„Die Mitfahrer waren begeistert“

Der heute 93-jährige Roland Feix gehörte zu einer kleinen Vorführmannschaft am Stand, im Außengelände und bei Geländefahrten. Für Letztere stand außerhalb von Frankfurt ein Trümmerfeld mit Schutt früherer Ruinen zur Verfügung. „Da konnten wir den Besuchern zeigen, wie dank hoher Bodenfreiheit, Allrad und Differenzialsperre mit dem Unimog problemlos Hindernisse überwunden werden. Dies gelegentlich auch in Schräglage. Die Mitfahrer waren begeistert und wir Vorführer natürlich stolz auf unsere Fahrzeuge!“, erinnert sich Feix und ergänzt: „Mit dabei war auch einmal mein neuer Gaggenauer kaufmännischer Chef, Dr. Alfred Rummel. Er kannte die Geländegängigkeit des Unimog von Einsatzdemonstrationen auf dem Ottenauer Testgelände Sauberg. Die Fahrt durch die Trümmer war für ihn aber noch eindrucksvoller.“

Für den damals 23-jährigen Roland Feix war die IAA 1951 ein besonderes Erlebnis. Rückschauend stellt er fest: „Überall war eine enorme Aufbruchstimmung zu spüren. Da entdeckte ich beim Messerundgang auch viel Neues. Gezeigt wurden damals noch Personenwagen und Nutzfahrzeuge auf einer Messe. Und eigentlich hätte unser Unimog nicht so optimal dazu gepasst. Aber wir konnten argumentieren, dass er durch seine verschiedenen Anbaumöglichkeiten und seine hohe Geländegängigkeit auch außerhalb der Landwirtschaft vielfältig einsetzbar ist. So beispielsweise bei der Schneeräumung, der Wegeinstandsetzung oder im Baugewerbe – unter anderem mit einem Frontlader oder Bagger. Ebenso kam er als Zugmaschine für schwere Anhänger zum Einsatz. So gab es für die anschließende Auswertung einiges zu notieren, und es wurden wertvolle Kontakte geknüpft. Voller Stolz konnten wir wieder nach Gaggenau zurückfahren und hier den Kollegen von unserem erfolgreichen Messeauftritt berichten.“

In Gaggenau galt es, in Regie des für die Versuchswerkstatt verantwortlichen Meisters Hans Esenwein die Fahrzeuge und Geräte für die Messe der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft vorzubereiten, die vom 27. Mai bis 3. Juni 1951 in Hamburg stattfand. Hier wurden die ersten beiden in Gaggenau vom Band gelaufenen Serien-Unimog gezeigt.

Roland Feix fährt 1951 mit Dr. Alfred Rummel anlässlich der IAA Frankfurt durchs Gelände. Repro: Michael Wessel

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Roland Feix fährt 1951 mit Dr. Alfred Rummel anlässlich der IAA Frankfurt durchs Gelände. Repro: Michael Wessel

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Erstellt:
18. April 2021, 14:43 Uhr
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