„Als hätte es dauerhaft geregnet“

Gernsbach (ham) – Die Besucherzahlen in den vier Gernsbacher Freibädern sind 2020 dramatisch eingebrochen. Der Rückgang beträgt im Vergleich zur Saison 2019 mehr als 70 Prozent.

Der Einbruch fällt im Schwimmbad in Lautenbach noch am niedrigsten aus. Hier halbierten sich die Besucherzahlen in dieser Saison nicht ganz im Vergleich zum Vorjahr. Foto: Stadt Gernsbach/BT-Archiv

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Der Einbruch fällt im Schwimmbad in Lautenbach noch am niedrigsten aus. Hier halbierten sich die Besucherzahlen in dieser Saison nicht ganz im Vergleich zum Vorjahr. Foto: Stadt Gernsbach/BT-Archiv

Urlaub daheim statt auf „Malle“ oder am Sonnenstrand in Bulgarien: Auch wenn mehr Murgtäler als sonst in der Heimat blieben und die Hitze der letzten Monate sie eigentlich vermehrt in die Freibäder hätte treiben müssen – Corona hat selbst dies verhindert. Die Beschränkungen haben die Besucherzahlen in allen vier Freibädern der Stadt Gernsbach dramatisch einbrechen lassen.

Die einen fürchteten sich vor Ansteckung und blieben fern. Die anderen wären gerne im kühlen Nass auf ein paar andere Gedanken abseits der Pandemie gekommen – doch weil an heißen Tagen oft rasch das Maximum an exakt registrierten Besuchern erreicht wurde, brachen die Zahlen allerorten merklich ein. Vor allem im Igelbachbad passierte nicht einmal mehr ein Fünftel des Vorjahres die Eingangsschranken. Nur 5.514 Eintrittskarten wurden im größten Bad der Stadt ausgegeben, ermittelte die Rathausverwaltung bis zum Stichtag 10. September (zwei Tage vor Ende der Badesaison).

2019 waren es noch 29.564 Bade-Fans. Das bedeutet einen Einbruch um 81,35 Prozent. Daran änderte auch die Zwei-Zeitzonen-Regelung nichts, die jedem ermöglichen sollte, wenigstens morgens bis nachmittags oder danach bis in den Abend die Einrichtung zu nutzen. Die Aufteilung könnte sogar kontraproduktiv gewesen sein, genauso wie die nur im Igelbachbad geltende Online-Vorabbuchung, die ältere Gäste womöglich als zusätzliche Hürde empfanden.

„Finanziell hat sich der Aufwand nicht gelohnt“

„Finanziell hat sich der Aufwand sicherlich nicht gelohnt“, sagt Sean Allen Brent mit Blick auf die Bilanz der Freibadsaison in Zeiten von Corona. Der Werkleiter der Stadtwerke Gernsbach betont jedoch: „Es war uns aber wichtig, gerade in Zeiten der Pandemie den Bürgern ein kleines Stück Normalität bereitstellen zu können. Gerade auch für die Gernsbacher Familien, die dieses Jahr nicht wie sonst verreisen konnten.“

Mit diesem dramatischen Rückgang steht Gernsbach bundesweit natürlich nicht alleine. Überall rauschten die Zahlen in den Keller, „als hätte es dauerhaft geregnet“, wie es etwa in Niedersachsen treffend zur Situation hieß.

Nicht gut, aber prozentual gesehen besser fallen die Besucherzahlen in den Teilorten aus: In Obertsrot nutzte gerade einmal ein knappes Drittel die Liegewiesen und das Becken: Mehr als 11.000 Gäste kamen weniger. Die 5.046 Zahlenden ergeben im Vergleich zu den 16.348 im Vorjahr ein Minus von 69,13 Prozent – dennoch war Obertsrot nah dran, die Spitze des Besucher-Rankings in Gernsbach zu erobern.

In den noch kleineren Freibädern in Reichental und Lautenbach hielten mehr Besucher den Einrichtungen, die auch soziale Funktionen erfüllen, die Treue. Ins idyllische Reichentaler Bad zog es heuer bis 10. September 4.300 Gäste. Anno 2019 kamen noch 9.719. Ein Schwund um 55,76 Prozent. Allein das ebenfalls durch hohes ehrenamtliches Engagement am Leben gehaltene kleinste Bad in Lautenbach lockte wenigstens mehr als die Hälfte des Vorjahres an: 2.900 ließen sich durch Registrierung und Abstandsregeln nicht vom Schwimmen abhalten. Dennoch ein Einbruch um 48,87 Prozent gegenüber den 5.672 Besuchern von 2019.

71 Prozent weniger Badelustige

Die Gesamtbilanz der vier Freibäder fällt entsprechend bescheiden aus: Die Zahl der im Vorjahr registrierten 61.303 Kartenkäufer sank um rekordverdächtige 71,02 Prozent. Lediglich 17.760 passierten damit die vier Kassenhäuschen. Ungeachtet dessen laufen die Vorbereitungen für die neue Saison bereits an: Die Stadt sucht für 2021 einen neuen Fachangestellten für Bäderwesen.

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Erstellt:
9. Oktober 2020, 14:00 Uhr
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