Als man noch mehrere Eisen im Feuer hatte

Rastatt (stn) – Das Stadtmuseum Rastatt inventarisiert derzeit eine historische Bügeleisensammlung, die von einer Privatperson gestiftet wurde. Die ältesten Exemplare stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Für die Inventarisierung bestimmt Luisa Kösterke die Funktionsweise, Maße, Beschaffenheit, Firmennamen und den Zustand der historischen Bügeleisen. Foto: Nora Strupp

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Für die Inventarisierung bestimmt Luisa Kösterke die Funktionsweise, Maße, Beschaffenheit, Firmennamen und den Zustand der historischen Bügeleisen. Foto: Nora Strupp

Moderne Geräte machen das Bügeln heutzutage zu einer unkomplizierten, wenn auch eher ungeliebten Haushaltstätigkeit: Wasser in den dafür vorgesehenen Behälter füllen, den Temperaturregler einstellen, das Netzkabel in die Steckdose stecken und schon gleitet das heiße Eisen fast wie von selbst über Hosen, Hemden und T-Shirts. Dass das jedoch nicht immer so einfach war, zeigt die beeindruckende Sammlung historischer Bügeleisen, die derzeit im Stadtmuseum Rastatt inventarisiert wird.

Es sind rund 75 Stück an der Zahl, aus unterschiedlichen Epochen, von verschiedenen Marken, Größen und Funktionsarten, die dem Museum von einer Privatperson gestiftet wurden und nun dessen Bestände bereichern. Um die Sichtung und Inventarisierung jedes einzelnen Geräts kümmert sich Luisa Kösterke (22), die im Rahmen ihres Kunstgeschichtsstudiums gerade ein Praktikum im Stadtmuseum absolviert.

„Die Sammlung besteht unter anderem aus elektrischen Bügeleisen mit und ohne Temperaturregler, Reisebügeleisen, Kindereisen, die als Spielzeug dienten, aber auch aus Kohle- und Satzbügeleisen“, erläutert Kösterke. Reisebügeleisen sind kleiner und leichter und waren somit besser zu transportieren.

Funktionsweise gibt Aufschluss über Alter

Beschwerlich hingegen war früher das Glätten der Wäsche mit antiken Kohle- und Satzbügeleisen. Bei Ersteren musste das Eisen zunächst mit Kohlen befüllt werden, um damit arbeiten zu können. Satzbügeleisen hingegen verfügten über einen abnehmbaren Wechselgriff, sodass nach dem Erkalten des einen Eisens ein neues, heißes Eisen angebracht und sofort weitergebügelt werden konnte. „Daher stammt auch die Redewendung ,Mehrere Eisen im Feuer haben‘“, erläutert die 22-Jährige.

Für die Inventarisierung der Geräte nimmt sie sich jedes einzeln vor. „Zuerst sortiere ich die Bügeleisen nach ihrer Funktionsweise. Anhand dessen kann man nämlich das Alter bestimmen. Die ältesten stammen aus dem 19. Jahrhundert“, weiß Kösterke. „Andere Bügeleisen sind aus den 1940er- bis 1970er-Jahren. Solche mit Temperaturregler hat man zwar auch schon früh hergestellt, aber sie waren teuer.“

Anschließend versieht sie die Bügeleisen mit einer Inventarnummer und schaut nach, von welchem Hersteller sie stammen. „Die meisten sind von Rowenta, also einer Firma, die man auch heute noch kennt“, schildert die gebürtige Kuppenheimerin. Viele hätten allerdings kein Schildchen oder Etikett mehr, dann ließen sie sich kaum noch zuordnen.

Darüber hinaus nimmt Kösterke die Maße der Bügeleisen und versucht, sie näher zu beschreiben, also aus welchen Materialien und Farben sie bestehen, wie und wo der Griff und das Etikett angebracht sind. „Am Ende gucke ich mir den Erhaltungszustand genauer an. Ist das Bügeleisen verrostet? Oder der Lack abgeblättert?“

Blick in beschwerlichere Zeiten: Dieses Bügeleisen musste noch mit Kohlen befüllt werden. Foto: Nora Strupp

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Blick in beschwerlichere Zeiten: Dieses Bügeleisen musste noch mit Kohlen befüllt werden. Foto: Nora Strupp

Richtige Lagerung wichtig für lange Haltbarkeit

Einige der Exemplare sind bereits stark in Mitleidenschaft gezogen – hier ist ein Stück vom Holzgriff abgeplatzt, dort sind die Kabel brüchig. Umso wichtiger ist die korrekte Lagerung. „Wir überlegen, wie wir die Bügeleisen langfristig verpacken, damit es nicht noch schlimmer wird“, berichtet die Studentin. Die noch nicht inventarisierten Haushaltsgeräte befinden sich deshalb in einer großen Kiste, gebettet auf Luftpolsterfolie und eingepackt in Seidenpapier,

Die Dokumentation und Inventarisierung macht Kösterke große Freude. „Dort Ordnung reinzubringen, hat viel Spaß gemacht. Außerdem geben die Bügeleisen einen Einblick in das Leben der Leute, die diese Geräte früher benutzt haben. Dadurch merkt man, wie beschwerlich das damals war. Seitdem ich damit arbeite, erzählt mir jeder eine Geschichte dazu, weil jeder eine Verbindung zu solchen Bügeleisen hat. Das ist schön.“

Zum Einsatz kommen sollen die „alten Eisen“ in den nächsten Ausstellungen. So ist etwa voraussichtlich im Spätjahr eine Ausstellung im Stadtmuseum zum Thema „Textil und Mode“ geplant.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
19. April 2021, 11:09 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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