Als pragmatischer Problemlöser gefordert

Baden-Baden (vo) – Der angehende neue Vorstandsvorsitzende der Grenke AG, Michael Bücker, will eine neue Wachstumsphase einläuten.

Michael Bücker tritt den Vorstandsvorsitz bei Grenke zum 1. August an. Foto: Grenke AG

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Michael Bücker tritt den Vorstandsvorsitz bei Grenke zum 1. August an. Foto: Grenke AG

Von Aufbruchstimmung oder gar Euphorie war an der Börse gestern wenig zu spüren. Nachdem die Grenke AG am Montagabend den personellen Wechsel an der Spitze des Vorstands bekanntgegeben hatte, blieb die Aktie des Finanzdienstleisters den gesamten Handelstag über im Minus. Am Ende verlor sie rund ein Prozent. Auf den neuen Grenke-Chef Michael Bücker wartet – nicht nur des Aktienkurses wegen – eine Herkulesaufgabe.
Der künftige Lenker auf dem Kommandostand des krisengeschüttelten Leasingspezialisten kommt mit reichlich Erfahrung aus dem Finanz- und Leasinggeschäft an die Oos. Bücker (59) war unter anderem bei der Deutsche Immobilien Leasing GmbH in Frankfurt sowie der Commerz- und Industrie-Leasing GmbH in Hamburg tätig. Bei der Bayern-LB zeichnete er zuletzt im Vorstand verantwortlich für die Entwicklung und Anlaufphase der neuen Firmenkundenstrategie. Zuvor war er seit Februar 2013 im Vorstand der Landesbank für das Firmenkundengeschäft verantwortlich.

Verantwortlich für Firmenkundenstrategie

Neben seiner Zuständigkeit für das Geschäft mit Corporates und Mittelstandskunden übernahm Bücker im August 2019 zudem die Verantwortung für die Kapitalmarktaktivitäten der Bayern-LB und bündelte diese in seinem Geschäftsfeld Corporates & Markets. Die Bayern-LB verließ der glühende Anhänger des Bundesliga-Absteigers Schalke 04 schließlich zum 31. März auf eigenen Wunsch – mit Blick auf eine berufliche Neuorientierung, wie es damals in einer Mitteilung der Landesbank hieß.

Jetzt ist Bücker also in Baden-Baden gelandet und betritt dort nach eigenen Worten ein für ihn durchaus bekanntes Terrain. „Aus meiner Tätigkeit im Leasing und Corporate Finance kenne ich die Grenke AG schon seit vielen Jahren sehr gut. Die Historie und der starke Kern des Geschäftsmodells sind für mich absolut überzeugend. Auf dieser Basis mit dem gesamten Team das Unternehmen mit seinen internen Strukturen fit zu machen für die nächsten Wachstumsschritte: Das sehe ich als meine wichtigste Aufgabe an.“

Der neue Grenke-Chef beschreibt sich selbst als zielorientierter und ambitionierter Leader, der stetige Weiterentwicklung fordert und fördert und andere für seine Ideen begeistern kann, sowie als pragmatischer Problemlöser mit unternehmerischem Geist.

Abschied von den Mitarbeitern

Unterdessen hat sich Antje Leminsky (50) von ihren Mitarbeitern verabschiedet. „Mir ist bewusst, dass Sie der Umstand an sich und vor allem der Zeitpunkt überraschen werden“, schrieb sie in einem Brief an die Grenke-Belegschaft. „Nach all dem, was wir gemeinsam erreicht haben, ist ein solcher Schritt nicht selbstverständlich. Aber er ist richtig.“ Ihre persönliche Lebensplanung sei ausschlaggebend. Sie habe für Grenke den schwersten Kampf ihres Lebens gekämpft. Nachdem der Konzern nun ein uneingeschränktes Testat der Wirtschaftsprüfer erhalten habe, sei für sie der ideale Zeitpunkt, das Amt zu übergeben, so die scheidende Chefin. Ein offenes Geheimnis war allerdings auch das merklich abgekühlte Verhältnis zu Firmengründer Wolfgang Grenke. Für ihren Rückzug noch vor der Hauptversammlung des Konzerns am 6. August soll sie nach Medienberichten eine Abfindung erhalten haben.

Leminsky hatte zuletzt Ende Mai die Zahlen für das erste Geschäftsquartal des Konzerns vorgelegt und nach einem erneuten Gewinnrückgang Hoffnung auf eine positive Entwicklung nach dem Ende der Pandemie gemacht. Bereits im vergangenen Jahr war der Gewinn des Leasingspezialisten insbesondere wegen der Corona-Krise auf 88,4 Millionen Euro (2019: 142,1 Mio.) eingebrochen. Hinzu kamen die Turbulenzen im Zuge des Shortseller-Angriffs des britischen Leerverkäufers Fraser Perring, begleitet von Vorwürfen unter anderem der Bilanzfälschung, der Geldwäsche und des Betrugs. Davon hat sich das Baden-Badener Unternehmen bis heute nicht erholt und kämpft nach wie vor um seine Reputation. In diesem Zusammenhang gibt es aktuell noch keine veröffentlichten neuen Erkenntnisse aus den Prüfungsberichten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die dem Unternehmen vorliegen.

Ihr Autor

Jürgen Volz

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Erstellt:
15. Juni 2021, 18:21 Uhr
Lesedauer:
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