Alte Schmiede Malsch: Verein vermisst Rückhalt der Gemeinde

Malsch (ar) – Der Verein K15 hat ein Nutzungs-, Betreiber- und Finanzierungskonzept für das historische Ensemble im Ortskern vorgelegt. Doch das Projekt stockt nach wie vor.

Gut erhalten ist die Schmiedewerkstatt, die der Verein als Museum ausbauen möchte. Foto: Anne-Rose Gangl

© ar

Gut erhalten ist die Schmiedewerkstatt, die der Verein als Museum ausbauen möchte. Foto: Anne-Rose Gangl

Würden Sanierung und Ausbau der Alten Schmiede in der Malscher Kreuzstraße ebenso gedeihen wie die Gräser im Garten, hätte die Gemeinde Malsch bereits ein wahres Schmuckstück. Doch während der vor einem Jahr gegründete Verein K15 zum Erhalt der alten Schmiede ein detailliertes, 23 Seiten umfassendes Nutzungs- und Betreiberkonzept mit Finanzierung und vorläufigen Baukosten vorlegte, scheint das politische Interesse, den Verein und das Engagement der Bürger zu unterstützen, eher gering zu sein.

„Leider haben wir den Umstand, dass sich gar nichts tut“, sagt Burgl Rademacher, Vorsitzende des Vereins K15. Am 4. Juni 2020 wurde der Verein gegründet, nachdem im Herbst 2019 der Malscher Gemeinderat entschieden hatte, das gesamte denkmalgeschützte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert zu verkaufen. Vorausgegangen waren jahrelange Diskussionen im Gemeinderat, ja sogar bereits konkrete Planungen, die jedoch in Anbetracht der Kosten vom Tisch gefegt worden sind. Ziel des jungen Vereins ist es, die alte Schmiede mit ihrer noch gut erhaltenen Einrichtung zu retten und den Gebäudekomplex als Museum, Begegnungsstätte und Veranstaltungsort zu nutzen.

Bieterverfahren ruht im Moment

Das Bieterverfahren der Gemeinde zum Verkauf ruht zwischenzeitlich. Die Forderung des Gemeinderats an den Verein, einen Finanzierungsplan für die Baukosten und ein nachhaltiges Betreiberkonzept vorzulegen, wurde erfüllt. Wie Rademacher im BT-Gespräch sagt, habe der Verein verschiedene Vorschläge auf den Tisch gelegt, zuletzt Anfang 2021. „Anfang Februar haben wir zudem alle Gemeinderäte und den Bürgermeister zu einer Online-Sitzung eingeladen, doch gemeldet hat sich nur ein einziger Gemeinderat“, zeigt sich die Vereinsvorsitzende enttäuscht. „Wir warten seit Monaten ab und fragen uns, auf was warten wir; wir vermissen den Rückhalt der Gemeinde“, fügte sie hinzu.

Der Verein K15 zählt aktuell 35 Mitglieder, die in der Mitgliederversammlung im November vergangenen Jahres beschlossen haben, sich zunächst auf ein Museumskonzept zu konzentrieren. „Wir möchten mit der Schmiedewerkstatt starten und dann Schritt für Schritt abhängig vom Geld weiterplanen“, so Rademacher. Die Ideen für weitere Themen in den anderen Räumen wie ein Heimatmuseum mit wechselnden Ausstellungen, ein Scheunenmuseum zum Landleben mit Platz für Sonderausstellungen, eine Schuster-, eine Puppen- und eine Künstlerstube wurden im Nutzungskonzept definiert. In den zwei Scheunen könnten Kunstausstellungen, Basare, Lesungen, Filmabende und vieles mehr stattfinden, im Hof Sommerfeste für Vereine, im Bauerngarten ein Ernährungsworkshop, Gartentipps oder Vermarktung. Nutzer könnten die Gemeinde, örtliche Vereine, Schulen, kommerzielle Veranstalter und Private sein.

Mehr als 380.000 Euro wären nötig

In der ausgearbeiteten Projektbeschreibung, die in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt Karlsruhe und mit Unterstützung des Freiburger Architekten Willi Sutter erarbeitet wurde, werden die am und im Gebäude erforderlichen Arbeiten aufgeführt. Auch die fünf Bauabschnitte sind dargestellt, in denen die Renovierung des Gebäudes stattfinden könnte. Die Gesamtbaukosten für die ersten drei Bauabschnitte der Gesamtsanierung einschließlich Schmiederaum und Ausstattung werden nach aktuellem Stand auf rund 381.000 Euro geschätzt. Zum Erwerb des Gebäudes haben die Mitglieder einen Erbbaurechtsvertrag vorgeschlagen.

Privatleute und Firmen spenden

Bis jetzt konnte der Verein 28 Finanzierungsquellen vom Bund, Land oder privaten Institutionen aufspüren, doch oftmals sei die Antragstellung nur für den Eigentümer möglich, erläutert die Vereinsvorsitzende. Auch von Privatleuten und einigen Malscher Firmen seien schon Spenden eingegangen. Der Verein selbst hat beim Spendenmarathon mitgemacht, sich beim Fundraising Portal betterplace.de gelistet, die Aktion „Hufeisen“ ins Leben gerufen und sich um Aufnahme in das EU-Programm Leader beworben.

„Wir warten jetzt erst einmal die Bürgermeisterwahl ab“, sagt Rademacher, die die verloren gegangene Zeit bedauert, in der Fördermöglichkeiten entgangen seien und an der Alten Schmiede weitere Schäden entstanden seien.

Zum Artikel

Erstellt:
12. Juni 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.