Alter Diaprojektor hat eine Zukunft

Rastatt (sb) – Das Repair-Café in Rastatt ist eröffnet. Ehrenamtliche reparieren Altgeräte, um Ressourcen zu schonen und Müll zu vermeiden.

Auf eine sehr gute Resonanz stößt die Premiere des Rastatter Repair-Cafés im Naturfreundehaus. Foto: Stephan Friedrich

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Auf eine sehr gute Resonanz stößt die Premiere des Rastatter Repair-Cafés im Naturfreundehaus. Foto: Stephan Friedrich

Der Diaprojektor, der vor Markus Baumeister liegt, hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Eigentlich funktioniert er auch noch ganz gut, doch der automatische Einzug der einzelnen Dias klappt seit einiger Zeit nicht mehr. Zum Wegwerfen ist das Teil viel zu schade, zu gebrauchen mit dem Einzugsproblem aber eigentlich auch nicht mehr. Ein Fall für das Rastatter Repair-Café im Naturfreundehaus, das am Donnerstag Premiere feierte.
Markus Baumeister schaut sich das Gerät genau an und schraubt es dann vorsichtig auf: „Der Blick dahinter lohnt sich immer“, sagt er und fügt mit einem Lachen im Gesicht hinzu: „Manchmal machen es die Hersteller einem aber nicht gerade einfach“. So auch dieses Mal. Doch bald sind alle Schrauben gefunden. Weitere neugierige Blicke helfen, das Problem zu finden. Das ist am Ende ein kleiner Zahnriemen, der gebrochen ist. Alle am Tisch sind nun glücklich und nach einer kurzen Recherche im Internet ist klar: Das Ersatzteil lässt sich für kleines Geld besorgen. Bald also können die Familiendias wieder zusammen angeschaut werden. „Ich freue mich, dass ich hier helfen konnte“, sagt Markus Baumeister. Er ist einer von rund einem Dutzend Helfer, die sich ehrenamtlich im Rastatter Repair Café engagieren.

Einmal im Monat

Bereits um kurz nach 17 Uhr stehen zahlreiche Menschen Schlange. Dabei haben sie defekte CD-Player, Tonbandgeräte oder einen Super 8-Projektor. Der gehört Reinhard Oleksiuk. „Der Ton funktioniert leider nicht mehr“, berichtet er und freut sich, dass es ein Repair-Café nun endlich auch in Rastatt gibt. Initiiert wurde es von den Naturfreunden. Bereits im Oktober 2020 hatten sich Interessenten das erste Mal getroffen. „Danach waren uns aufgrund der Corona-Pandemie leider die Hände gebunden“, berichtet Jutta Eckert-Schirmer vom Organisationsteam. Sie freut sich, dass sich zahlreiche handwerklich begabte Männer und Frauen gefunden haben, die sich die defekten Geräte anschauen. Am Donnerstagabend waren es fast ausschließlich Elektronikgeräte. „Wir freuen uns aber auch auf Fahrräder, Holzgegenstände oder Kleidung, die repariert werden muss“, berichtet Jutta Eckert-Schirmer.

Eine Anmeldung für das jeden ersten Donnerstag im Monat von 17 bis 20 Uhr geöffnete Repair-Café (nächster Termin ist der 5. August) ist generell nicht notwendig. Aber hilfreich, wie die Organisatoren betonen. Denn eine kurze Beschreibung des Fehlers erlaubt es den Reparateuren, bereits vorab Schaltpläne zu studieren, passendes Werkzeug mitzubringen und sich vorzubereiten. Denn wie sich am Donnerstag herausstellt, sind manche Geräte nicht ganz einfach zu reparieren. Die engagierten Ehrenamtlichen stecken dann die Köpfe zusammen und suchen gemeinsam nach einer Lösung. Oft mit Erfolg. So wie bei Sebastian Heitz, der einen defekten Flachbildfernseher mitgebracht hat. „Das Gerät ist acht Jahre als und mit einem lauten Knall kaputt gegangen“, berichtet er. Am Ende finden die Experten einen kaputten Kondensator, ersetzen diesen und bringen das Gerät wieder zum Laufen. Nicht nur Sebastian Heitz Vater Jürgen strahlt: „Das ist wirklich super“, sagt er und freut sich besonders, dass durch den Einsatz der Helfer Elektroschrott vermieden wurde. Gerne spendet die Iffezheimer Familie für das Repair- Café. Gegen eine kleine Spende gibt es auch Kuchen, belegte Brote und Getränke. Schließlich soll sich bei den monatlichen Treffen jeder in lockerer Runde wohlfühlen. Da darf gerne gefachsimpelt werden und schon bei der Premiere erweist sich das Repair-Café als Eldorado für Bastler. Diese freuen sich auf weitere Kunden, die sich über die Homepage www.repair-cafe-rastatt.de anmelden dürfen. Wer kommt, sollte, soweit vorhanden, eine Anleitung des zu reparierenden Geräts mitbringen und auch an alle Zusatzteile denken. Dazu gehört bei einem CD-Player auch eine CD. „Sonst können wir nicht testen, warum das Gerät nicht funktioniert“, sagt Markus Baumeister und freut sich, den Fehler beim Dia-Projektor gefunden zu haben. Sobald das fehlende Ersatzteil eintrifft, wird er wohl wieder laufen.


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