Altes Handwerk wird in Reichental aktuell

Gernsbach (vgk) – Deutlich erweitert wurde im Waldmuseum Reichental die Ausstellungsfläche. Neu ist das Thema Wagnerei, das ab sofort in dem Gernsbacher Stadtteil präsentiert wird.

Benedikt Knapp erzählt im Waldmuseum Reichental den Besuchern die Geschichte der Wagnerei. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Benedikt Knapp erzählt im Waldmuseum Reichental den Besuchern die Geschichte der Wagnerei. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Im Rahmen des Jubiläumsfests 2015 anlässlich 675 Jahre Reichental zählte die Wagnerei von Benedikt Knapp zu den Besuchermagneten. Im Anschluss daran versank die Werkstatt zur Herstellung hölzerner Wagenräder wieder im Dornröschenschlaf. Seit Sonntag bereichern als private Schenkung die Werkzeuge und Maschinen des Handwerks offiziell das Waldmuseum Reichental.

Sein Großvater habe großen Anteil an seiner Berufswahl. „Dieser versprach mir die Übernahme der Wagnerei, wenn ich diesen Beruf erlerne“, blickte Stifter Knapp im BT-Gespräch zurück. Die Ausbildung zum Wagner absolvierte der junge Mann in einem Wagnereibetrieb in Obertsrot. 1956 war damit wieder Schluss. Knapp wechselte in die Papierindustrie. Der Beruf wurde für den Reichentäler zur Freizeitbeschäftigung.

Kurzfilm stößt auf großes Interesse

Auf reges Interesse bei der Vorstellung der Exponate stieß bei den Besuchern der gemeinsam mit Benedikt Knapp konzipierte Kurzfilm, in dem der 83-Jährige das Handwerk vorstellt. Zudem erschließt den Besuchern jetzt eine Holztreppe das Untergeschoss der ehemaligen alten Sägemühle und deren Antrieb, einer in früheren Zeiten wasserbetriebenen Transmission.

Rund 180 Arbeitsstunden investierten Mitglieder des Arbeitskreises Waldmuseum und freiwillige Helfer in die Neugestaltung der Ausstellung. Das seit 1990 bestehende Museum dokumentiert und gibt Auskunft über die das Dorf umgebende Topografie, den Wald, die für das Dorf früher wichtige Waldarbeit und Waldnutzung sowie „Wild und Jagd“.

Zeitgemäße Neukonzeption

Erste Überlegungen für eine Erweiterung und einer zeitgemäßen Neukonzeption des Museums fanden bereits 2016 statt, resümierte Ortsvorsteher Guido Wieland am Sonntagnachmittag bei der Wiedereröffnung und vor großer Besucherkulisse den für den Museumsbetrieb erstellten Modernisierungsfahrplan. Mit den eigentlichen Arbeiten wurde dann im Juni des vergangenen Jahres begonnen.

Wieland dankte, ebenso wie Bürgermeister Julian Christ, allen an dem Gesamtprojekt beteiligten Unternehmen: der Firma Wegweiser von Michael Welsch in Sinzheim, der Zimmerei Ferdinand Wieland (Reichental) und der Schreinerei Marco Wieland (Gernsbach) sowie allen Personen und den unterstützenden Mitarbeitern der Stadtverwaltung.

Zu dem großartigen Projekt und tollem Engagement über viele Jahre hinweg gratulierte die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Regionalentwicklung Mittelbaden Schwarzwaldhochstraße, Walburga Eckert. „Die Exponate gehörten dem letzten Wagner Reichentals, der sie seit der Aufgabe des Wagnerhandwerks Mitte der 1950er-Jahre pflegte. Zudem leistet das Museumskonzept einen wichtigen Beitrag zur Förderung der regionalen Identität und Kulturpflege“, führte Eckert aus. Leader förderte ihren Angaben zufolge das rund 12.000 Euro teure Projekt in Reichental mit 80 Prozent (8.040 Euro) der förderbaren Summe.

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Erstellt:
16. August 2021, 19:00 Uhr
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