Alzheimer-Gesellschaft Baden-Baden als Unterstützung

Baden-Baden (vr) – Wie ein Geschenk des Himmels: Die Alzheimer-Gesellschaft Baden-Baden hat ihren Besuchsdienst vorgestellt. Dadurch sollen auch Angehörige entlastet werden.

Gern gesehene Gäste: Beate Ringer-Rauch (links) und Ilona Zehe (rechts) mit dem Ehepaar Gisela und Klaus Zimmermann. Foto: Veruschka Rechel

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Gern gesehene Gäste: Beate Ringer-Rauch (links) und Ilona Zehe (rechts) mit dem Ehepaar Gisela und Klaus Zimmermann. Foto: Veruschka Rechel

Die Pflege von Angehörigen mit Demenz ist eine körperliche und seelische Herausforderung. Mit wachsender Dauer der Pflege haben die Betreuer immer weniger freie Zeit zur Verfügung. Da werden Notwendigkeiten wie ein Arztbesuch zum Problem und kleine Glücksmomente wie ein Einkaufsbummel mit der Freundin zu vagen Erinnerungen.

In solchen Fällen wird Zeit für sich selbst zu einem kostbaren Geschenk, und genau das möchte die Alzheimer-Gesellschaft Baden-Baden mit ihrem ehrenamtlichen, häuslichen Besuchsdienst machen. Die Idee dazu hatte Ilona Zehe, zweite Vorsitzende des Vereins. „Wir möchten den pflegenden Angehörigen von Demenzkranken Zeit schenken“, betont die Sozialpädagogin. Sie sei schon viele Jahre mit der Idee des Besuchsdienstes schwanger gegangen, deren Realisation durch die Corona-Krise immer dringender geworden sei. Deshalb machte die Vorstandschaft kurzentschlossen Nägel mit Köpfen und suchte eine geringfügig Beschäftigte, die einen Besuchsdienst auf die Beine stellt und anschließend koordiniert. Durch die Kooperation mit dem Ambulanten Hospizdienst wurde man in Beate Ringer-Rauch fündig, die dort bereits eine Ausbildung als Sterbebegleiterin absolviert hatte.

„Jetzt kann ich wenigstens mal in Ruhe einkaufen“

Schon nach kurzer Zeit konnte Ringer-Rauch 15 Ehrenamtliche gewinnen. Die gemeinnützigen Helfer werden gut auf ihre Aufgabe vorbereitet. Sie erhalten im Vorfeld unter anderem eine Grundschulung aus den Bereichen Basiswissen und Verlauf zum Krankheitsbild sowie Umgang mit Demenzkranken durch spezielle Kommunikationstechniken. Außerdem ist die Handhabung mit Krisen und Notfallsituationen ein Bestandteil der regelmäßigen Reflexionsgespräche mit der Koordinatorin Beate Ringer-Rauch.

„Für mich ist dieser Besuchsdienst wie ein Geschenk des Himmels“, sagt Ursula Schirpenbach aus Baden-Baden, die ihren 70-jährigen Ehemann pflegt. Er leidet an Frontotemporaler Demenz (FTD), einer selteneren Form der Demenz. Vor Corona war er zwei Tage die Woche in der Tagespflege. Dort nimmt man ihn nicht mehr zurück. „FTD geht oft mit Aggressivität einher, und davor haben sie alle Angst“, so die 66-Jährige. Jetzt kommt zweieinhalb Stunden pro Woche ein Helfer von der AWO, das war’s. Das jetzt einmal pro Woche eine ehrenamtliche Helferin der Alzheimer Gesellschaft für zwei Stunden kommt, findet Ursula Schirpenbach einfach himmlisch. „Sie kommt prima mit meinem Mann klar, und jetzt kann ich wenigstens mal in Ruhe einkaufen oder zum Arzt gehen.“

Besuchsdienst entlastet Berufstätige

Einkäufe oder Arztbesuche sind bei Gisela Zimmermann aus Geroldsau nicht das Problem. Ihr demenzkranker und mittlerweile völlig orientierungsloser Mann ist drei Tage pro Woche in der Tagesstätte, und drei Stunden pro Woche kommt die AWO. „Trotzdem kann ich mich nicht ruhigen Gewissens mal mit einer Freundin zum Kaffee treffen“, erklärt sie. Dank des Besuchsdienstes wird sie sich diesen Luxus jetzt leisten können.

Silke Rönspies aus Sinzheim ist ebenfalls froh über den Besuchsdienst, obwohl ihre von Alzheimer betroffene Mutter rund um die Uhr von einer Pflegerin betreut wird. „Ich bin voll berufstätig und kann nicht jedes Mal einspringen, wenn die Pflegerin einen Termin wahrnehmen muss“, erklärt sie. Der Unterstützungsbedarf im Bereich Demenz wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Deshalb ist die Alzheimer-Gesellschaft froh um jeden Ehrenamtlichen, der sich im Verein oder bei dem Besuchsdienst einbringt. Zum Beispiel Alois Nau, seit 2015 Kassierer der Alzheimer-Gesellschaft und dort Mitbetreuer des regelmäßigen Stammtisches. Bis zum Tode seiner an Alzheimer erkrankten Frau vor rund zehn Jahren hatte er sie gepflegt. „Man kommt nicht mehr dazu, an sich selbst zu denken. Es wäre eine große Hilfe für mich gewesen, wenn es damals schon so einen Besuchsdienst gegeben hätte“, sagt der 74-Jährige.

Wer sich für das Ehrenamt beim Besuchsdienst interessiert, kann sich per E-Mail an besuche@alzheimer-baden-baden.de an Koordinatorin Beate Ringer-Rauch wenden.

Zum Thema

Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland sind daran erkrankt, über 200.000 von ihnen leben in Baden-Württemberg. Der Verein Alzheimer Gesellschaft Baden-Baden wurde 2004 gegründet, um vor Ort Netzwerke zu unterstützen und selbst regelmäßig Programme und Projekte zu entwickeln, die den Betroffenen und ihren Angehörigen das Leben mit Demenz erleichtern sollen. Nach der Corona-Pause findet der Demenzstammtisch wieder jeden ersten Donnerstag im Monat in der Geroldsauer Mühle statt. Infos unter info@alzheimer-baden-baden.de

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Erstellt:
13. März 2022, 10:00 Uhr
Lesedauer:
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