Amalienberg-Parkplatz: Ausbau soll für weniger Lärm sorgen

Gaggenau (hu) – Es klingt paradox: Weil die Lärmbelastung auf dem Lkw-Parkplatz Amalienberg an der B462 bei Ottenau nicht ausreicht, um für mehr Lärmschutz zu sorgen, soll der Parkplatz größer werden.

Fühlen sich im Regen stehengelassen: Mitglieder der Lärmschutz-Initiative Ottenau auf dem Parkplatz Amalienberg. Er soll ausgebaut werden und mehr Lastwagen Platz zum Parken bieten. Foto: Swantje Huse

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Fühlen sich im Regen stehengelassen: Mitglieder der Lärmschutz-Initiative Ottenau auf dem Parkplatz Amalienberg. Er soll ausgebaut werden und mehr Lastwagen Platz zum Parken bieten. Foto: Swantje Huse

Die Anwohner glauben allerdings nicht, dass sie dann nachts ruhiger schlafen können. Sie fordern deshalb einen Autohof an der Autobahn.

Es ist Abend. Auf Höhe des Sportplatzes in Ottenau ist die B 462 nicht mehr als ein entferntes Rauschen. Nur die dann und wann aufblitzenden Scheinwerfer lassen erahnen, dass es sich nicht um die Idylle eines Meeres handelt, sondern um vorbeifahrende Autos. Und Lastwagen. Und genau die sind das Problem; zumindest in den Augen – oder besser Ohren – der Lärmschutz-Initiative, einer Gruppierung innerhalb der Siedlergemeinschaft Ottenau.

Vor allem der geplante Ausbau des Parkplatzes Amalienberg treibt den Mitgliedern die Sorgenfalten ins Gesicht. „Hier ist dafür der völlig falsche Platz“, betont Manfred Striebich. Zwar hätten der Einbau von Flüsterasphalt und der Betonleitwand für die Anlieger hörbare Erleichterungen beim Autoverkehr gebracht. „Die Lastwagen hört man aber immer noch.“ Die Befürchtung von Striebich und seinen Mitstreitern: Wenn der Parkplatz Amalienberg von aktuell acht Stellplätzen auf dann 15 ausgebaut wird, ist an Nachtschlaf nicht mehr zu denken. Bereits jetzt sei der Platz zugeparkt.

„In der Innenstadt war es ruhiger“

„Die kommen zwischen 22 und 1 Uhr nachts und fahren spätestens ab 5 Uhr in der Früh wieder los“, sagt Striebichs Lebensgefährtin Martina Meisel. Sie ist erst vor wenigen Jahren nach Ottenau gezogen, hat vorher immer in der Innenstadt gewohnt. „Dort war es ruhiger“, betont sie.

Nicht allein die Größe beunruhigt die Siedler. Insbesondere die Pläne, die neuen Parkplätze für Laster schräg und zum Rückwärtsparken anzulegen, macht ihnen Sorgen. Schon jetzt brummten im Sommer die Kühlaggregate und im Winter die Standheizungen. „Und dann kommen noch die Rückwärtspiepser sowie der Anfahrts- und Abfahrtslärm dazu“, zählt Striebich auf. Die Forderung der Initiative ist deutlich: „Wenn schon der massive Ausbau, dann erwarten wir, dass der Lärmschutz an der Böschung installiert wird und höher ausfällt.“

Am liebsten aber wäre ihnen gar kein Ausbau und stattdessen ein Autohof in der Nähe des Autobahnanschlusses. „Die Lastwagenfahrer müssen ja irgendwo stehen, das verstehen wir ja.“ Auch der Parkplatzmangel sei kein Geheimnis. Allerdings bezweifeln Striebich und seine Mitstreiter, dass der Parkplatz am Amalienberg der richtige Standort ist. Sie haben auf eine vor Jahren vom Land versprochene Standortanalyse gesetzt. Striebich enttäuscht: „Aber passiert ist nichts.“

Ansinnen: Ottenauern etwas Gutes tun

Das wird sich jetzt ändern. „Das Verkehrsministerium plant eine Nachterhebung, die auch die B 462 betrifft“, erklärt Axel Speer, leitender Baudirektor beim Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe. In der Studie soll untersucht werden, wo wie viele Lastwagen stehen, um die Defizite zu erkennen und mit konkreten Konzepten beheben zu können.

Auswirkungen auf den Ausbau am Amalienberg hat die Nachterhebung aber keine. Die Planungen sind insgesamt weit fortgeschritten, so Speer, und sollen bis nach den Sommerferien spätestens endgültig stehen. Klar ist: Es gibt Betonleitwände und lärmmildernden Asphalt. Außerdem wird die Lärmschutzwand zwischen Parkplatz und B 462 entstehen und „beidseitig absorbierend“ sein. Damit ein solches Bauwerk aber überhaupt begründbar ist, ist der Ausbau des Parkplatzes nötig. Fertig wird das Ganze aber frühestens Ende 2024. Speer betont: „Unser Ansinnen ist durchaus, den Ottenauern etwas Gutes zu tun.“

Das sieht auch Gaggenaus Bürgermeister Michael Pfeiffer so. Er stellt fest: „Der Parkplatz ist da und wird auch bleiben.“ Dass von ihm eine Lärmbelästigung ausgeht, bestreitet er nicht. Deshalb habe die Stadt auch versucht, mit einem Parkverbot für Laster für mehr Ruhe zu sorgen. Dies sei aber vom RP als nicht haltbar kassiert worden. Der Lärmschutz habe als Begründung nicht ausgereicht. Und: „Die Grenzwerte, die es für eine Lärmsanierung braucht, werden nicht erreicht.“ So komme es letztlich zu dem Paradox, dass der Ausbau des Parkplatzes die einzige Lösung bringe. „Über die Details müssen wir dann noch sprechen.“

Der Idee eines Autohofs in Autobahnnähe kann auch Pfeiffer einiges abgewinnen. Die Frage sei nur, wo. Letztlich würden aber auch durch einen Autohof die „kleinräumigen Parkplätze“ wie am Amalienberg nicht überflüssig. Derzeit wichen viele Lastwagenfahrer auf die Stellflächen in den Industriegebieten aus: „Das ist auch nicht das Ideale.“

Mögliche Standorte für einen Autohof

Ideen für Standorte eines Autohofs haben Striebich und seine Mitstreiter einige: Der Campingplatz an der B 462 (ins Murgtal verlagern), Kronospan (ist bereits versiegelt) oder auf den Freiflächen gegenüber. Die Antwort von Bischweiers Bürgermeister Robert Wein, auf dessen Gemarkung das ehemalige Kronospan-Werk liegt, ist eindeutig: „Bischweier ist ein Top-Standort. Für Wohnen und Gewerbe. Unsere Gemarkung ist klein. Wir gehen sorgfältig damit um. Autohof? Nein! Danke.“

Auch Axel Speer findet den Autohof-Gedanken nicht verkehrt. Seine Behörde sei hier aber schlichtweg nicht zuständig: „Autohöfe werden privat betrieben und fallen unter die geltenden Flächennutzungs- und Bebauungspläne.“ Betreiber seien meist dort angesiedelte Hotels oder Tankstellen. Zwar gibt es eine OMV-Tankstelle an der B 462 nahe der Autobahn, doch wird deren Tankstellennetz aktuell von der EG-Group übernommen, die auch Esso gekauft hat. Dort heißt es, erst nach der Übernahme könne man genauere Aussagen zu Planungen für einzelne Standorte machen.

Nachtstudie:Was ist das?

Mit der Nachtstudie will das Land Baden Württemberg ermitteln, wo der Lkw-Parkdruck besonders hoch ist. Oder mit anderen Worten: Wo es entlang der Autobahnen und Bundesstraßen an Parkplätzen für Lastwagen fehlt. Laut Verkehrsministerium werden in einem ersten Schritt die Bundesstraßen-Abschnitte untersucht, die ein durchschnittliches tägliches Schwerverkehrsaufkommen von mindestens 2.000 Fahrzeugen pro Tag aufweisen. Im Bereich der B 462 ist dies der Abschnitt vom Anschluss an die B 3 bis nach Gaggenau. Der Amalienberg ist laut Regierungspräsidium bei der Studie dabei. Die Erhebung soll in drei aufeinander folgenden Nächten außerhalb der Ferienzeit erfolgen, und das noch vor den Sommerferien. Die Strecken werden nachts abgefahren. So soll garantiert werden, dass auch die Lastwagen erfasst werden, die wegen fehlender Parkplätze oder, weil Ruhezeiten eingehalten werden müssen, an anderen Stellen der Streckenabschnitte stehen.

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