Amateurmusik darf wieder loslegen

Baden-Baden/Sinzheim (kos) – Auch Musikvereine dürfen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Anders als der Musikunterricht erfordert das Proben und Auftreten aber einen deutlich größeren Verwaltungsaufwand.

Bis Blasmusikverbände wieder ,normal‘ proben und auftreten können, wird es noch etwas dauern. Erste Schritte zurück zur Normalität sind aber wieder möglich.  Foto: Annerose Gangl

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Bis Blasmusikverbände wieder ,normal‘ proben und auftreten können, wird es noch etwas dauern. Erste Schritte zurück zur Normalität sind aber wieder möglich. Foto: Annerose Gangl

Nach und nach sinken die Inzidenzen. Das ermöglicht immer mehr Lockerungen. Während Musikschulen ihren Präsenzunterricht wieder anbieten dürfen, stehen auch die Musikvereine in den Startlöchern. Für den Neustart gibt es mittlerweile Vorschläge, wie Ausbildung, Proben und Konzerte unter Hygienevorschriften stattfinden können.

Seit Blasmusikvereine ohne Weiteres musizieren, auftreten und unterrichten durften, ist einige Zeit vergangenen. Corona hat auch die Amateurmusik seit März vergangenen Jahres fast vollständig zum Stillstand gebracht. Das betrifft sowohl die Konzerte als auch die Ausbildung der Nachwuchsmusiker gleichermaßen. Mittlerweile sind die Inzidenzen so weit gesunken, dass ein Musizieren unter Pandemiebedingungen wieder möglich ist. Mit einem Musterhygienekonzept bietet der Bund Deutscher Blasmusikverbände (BDB) dafür die formalen Umstände. Das umfasst unter anderem Vorgaben für Verantwortungsklauseln, Proberaumgrößen, Stuhlanordnungspläne und Teststrategien. Auf Nachfrage bei örtlichen Musikvereinen wird deutlich: Ein Neustart ist zunächst ein enormer Verwaltungsakt. Nichtsdestotrotz planen einige Vereine wieder Proben und Unterricht – auch wenn sie dafür unter freiem Himmel spielen müssen.

Konzepte müssen individuell angepasst werden

Christian Riese, erster Vorsitzender des Musikvereins Baden-Lichtenthal, gab sich zunächst noch zurückhaltend. Er stellte sich die Frage, ob man „jeden Strohhalm greifen“ müsse, der sich bietet. Das Ganze brauche einen zeitlichen Vorlauf, erklärte er. Man könne nicht von einem Tag auf den nächsten wieder beginnen, so der Vorsitzende. Damit der Wiedereinstieg bestmöglich gelingt, gelte es, diesen gründlich vorzubereiten und nichts zu übereilen: „Sinnvoll, aber langsamer“ sei seine Devise.

Für den Kurstadtverein bestehe noch keine Freigabe, wieder proben zu dürfen. Diese werde einzeln vom Bundesmusikverband erteilt. Riese geht allerdings davon aus, dass am Donnerstag der kommenden Woche erste Proben wieder stattfinden können. Dafür weiche man behelfsmäßig in den Löwensaal aus, da die eigenen Räume gemäß Hygienekonzept zu klein sind. Proben unter freiem Himmel seien in Lichtental kaum durchführbar, sagte Riese diesbezüglich.

Der Instrumentalunterricht hingegen, die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses, läuft mittlerweile wieder. Hierbei seien die Hygienevorgaben einfacher umsetzbar. So zum Beispiel in Lichtental und Sinzheim. Als sperrig erweist sich allerdings das Dauerthema der Testungen. Ein Musterhygienekonzept des BDB sieht diverse Möglichkeiten vor, Negativ-Tests nachzuweisen, beziehungsweise von den Eltern garantieren zu lassen. Das trägt jedoch mehr zur allgemeinen Verwirrung und zum Hin und Her bei. „Es ist schwierig“, resümierte Riese.

Testregelungen sorgen weiter für Verwirrung

Das sieht Ralf Schmidt, Vorstand des Sinzheimer Musikvereins, ähnlich: Die vielen verschiedenen Bescheinigungen sollten ursprünglich als Aufwandsreduzierung dienen, scheinen allerdings das Gegenteil zu bewirken. Seine Sicht sah er zudem in der Entscheidung der Gemeinde bestätigt, die das nicht akzeptiert habe. Für die Amateurmusik halte man es in Sinzheim daher simpel: Für Schüler gelte die Regel, dass Tests nicht älter als 60 Stunden sein dürfen, während sich alle anderen 24 Stunden im Voraus testen lassen müssen. In Sinzheim wird ebenfalls wieder unterrichtet; proben wolle der Verein bei gutem Wetter unter freiem Himmel, teilte Schmidt auf Nachfrage mit. Auftritte sind bis dato noch nicht geplant, das solle in den kommenden Tagen und Wochen sukzessive geschehen, informierte Schmidt. In Sandweier wartet man noch offizielle Mitteilungen ab. Dort soll der Betrieb aber auch in der kommenden Zeit wieder losgehen.

Trotz des neuen Planungsaufwands überwog die Freude darüber, nach langem Lockdown die Instrumente wieder gemeinsam in die Hand nehmen zu dürfen. Bis zu den ersten Konzerten, wird es aber noch weiter dauern.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
17. Juni 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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