Ampelsystem gegen Corona: Bei Gelb ist Handeln angesagt

Stuttgart (bjhw) – In der ersten Kabinettssitzung nach der Sommerpause will das baden-württembergische Landesparlament eine Ampel-Lösung beraten, deren Grundlage die Sieben-Tage-Inzidenzen sind.

Wenn die Ampel auf Gelb springt, ist Handeln angesagt. Die Ampel springt um von Grün auf Gelb, wenn in der Hälfte aller Stadt- und Landkreise eine Inzidenz über fünf gemeldet wird oder die Inzidenz sich in zwei aufeinanderfolgenden Wochen verdoppelt.  Daniel Melcher

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Wenn die Ampel auf Gelb springt, ist Handeln angesagt. Die Ampel springt um von Grün auf Gelb, wenn in der Hälfte aller Stadt- und Landkreise eine Inzidenz über fünf gemeldet wird oder die Inzidenz sich in zwei aufeinanderfolgenden Wochen verdoppelt. Daniel Melcher

Mit einem ausgefeilten Konzept will die baden-württembergische Landesregierung einer möglicherweise kritischen Corona-Entwicklung im Herbst begegnen. In der ersten Kabinettssitzung nach der Sommerpause am kommenden Dienstag wird eine Ampel-Lösung beraten, deren Grundlage die Sieben-Tage-Inzidenzen sind, also alle regionalen Infektionszahlen binnen einer Woche, bezogen auf 100000 Einwohner.
Den Farben Grün, Gelb und Orange werden einzelne Pandemiestufen zugeordnet. Rot ist ausgespart in der Hoffnung, dass es dank eines detaillierten Maßnahmenbündels und einer neuen Info-Kampagne so weit gar nicht kommt.

Welche Zuwachsraten will die Koalition zum Maßstab für die Ampelschaltung machen?
Grün steht für die Pandemiestufe eins, wenn in allen Landkreisen Baden-Württembergs weniger als zehn bekannte Neuinfektionen innerhalb einer Woche bezogen auf 100000 Einwohner aufgetreten sind. Gelb signalisiert die Pandemiestufe zwei und eine diffuse Lage. Die Ampel springt um von Grün auf Gelb, wenn in der Hälfte aller Stadt- und Landkreise eine Inzidenz über fünf gemeldet wird oder die Inzidenz sich in zwei aufeinanderfolgenden Wochen verdoppelt. Orange als dritte Stufe gilt bei einer Inzidenz von 35 landesweit. Die Lage wird dann als kritisch bezeichnet. Nicht mehr alle Infektionsketten sind nachvollziehbar. Die Zahl 35 war Anfang Mai bundesweit als Warnwert beschlossen worden.

Wie würde der aktuelle Stand in Baden-Württemberg auf der neuen Corona-Ampel ausgedrückt?

Die Landesregierung verspricht sich von der Farbzuordnung eine transparente Lösung. Über den Ampelstand wird auf allen einschlägigen Internetseiten immer aktuell informiert. Das Landesgesundheitsamt gibt ohnehin seit Ausbruch der Pandemie täglich alle neuen Daten aus den Kreisen bekannt. Stand gestern, 16 Uhr, lag der landesweite Wert bei 12,8, nach 13,3 am Montag und 13,9 am Wochenende. Es ist also ein leichter Rückgang der bekannten Infektionen zu verzeichnen. Allerdings wiesen 36 der 44 Stadt- und Landkreise Zahlen höher als fünf aus. Die Ampel würde also landesweit, wäre sie schon beschlossene Sache, auf Gelb stehen. Fürs ganze Land könnte sie erst auf Grün schalten, wenn sich der Trend der vergangenen Tage bestätigt und die Inzidenz unter zehn sinkt.

Welche Maßnahmen müssen gegebenenfalls ergriffen werden?

Ab Gelb ist Handeln angesagt. Grundlage wird der bundesweite Handlungsleitfaden zu regionalen Beschränkungen sein. Wenn der Wert von 35 erreicht sei, heißt es darin, „werden die in ihren örtlichen Zuständigkeitsbereich betroffenen Ortspolizeibehörden über die aktuelle Lageeinschätzung informiert und Optionen für das weitere Vorgehen besprochen“ mit dem Ziel, mögliche Infektionsketten zu unterbrechen und Ausbrüche schnellstmöglich lokal oder zumindest regional einzudämmen. In Heilbronn waren am vergangenen Wochenende wegen eines Werts von 45,2 zahlreiche Maßnahmen wie eine Ausweitung der Maskenpflicht vorbereitet worden. Seither sinkt die Zahl der Infektionen aber wieder.

Was geschieht nach diesen Handlungsempfehlungen, wenn doch die Zahl 50 erreicht wird und die Ampel auf Rot springt?

Einer der zentralen Einschnitte, die dann vorgesehen sind, ist die Beschränkung „der nicht erforderlichen Mobilität in die betroffenen Gebiete hinein und aus ihnen heraus“. Damit soll das Überspringen des Virus auf andere Kreise unterbunden werden. Auch Besuche oder Feiern könnten eingeschränkt werden.

Wie will die Landesregierung die rote Ampel verhindern?

Es wird eindringlich für die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln geworben und für die Umsetzung neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse, etwa regelmäßiges Lüften von Räumen und Klassenzimmern. In Kooperation mit der Akademie für Bildende Künste, der Hochschule der Medien und der Filmakademie wird zudem eine Info-Kampagne entwickelt. Auch der SWR-Jugendsender „Das Ding“ könnte eingebunden werden. Zielgruppe sind Menschen unter 40, weil sie derzeit besonders betroffen sind. Ein eigenes Logo soll in Bälde vorgelegt werden. Geplant sind ferner Infos im Netz. Steigen die Zahlen der Infektionen, soll noch breiter für Eigenverantwortung und Verzicht auf nicht notwendige Kontakte geworben werden.

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Erstellt:
2. September 2020, 20:00 Uhr
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