Amt für Naturschutz sieht Zaun am Schertle-See kritisch

Bietigheim (mak) – Das Amt für Naturschutz sieht die geplante Umzäunung des Bietigheimer Schertle-Sees kritisch. Der Zaun trenne Biotopflächen von der Umgebung ab.

Der Zugang zum Schertle-See soll aus haftungstechnischen Gründen durch einen Zaun unterbunden werden. Foto: Heiner Wirbser/Archiv

© ser

Der Zugang zum Schertle-See soll aus haftungstechnischen Gründen durch einen Zaun unterbunden werden. Foto: Heiner Wirbser/Archiv

Der Bietigheimer Gemeinderat hat in seiner Sitzung Anfang Juni der geplanten Umzäunung des Schertle-Sees zugestimmt – vorbehaltlich der Zustimmung der Forst- und Naturschutz-Fachbehörden. Das Amt für Naturschutz hat nun in einem vorläufigen Bescheid das Vorhaben abgelehnt, auch von forstlicher Seite gibt es Kritik. Damit ist das Zaun-Thema aber noch nicht vom Tisch. Der geplante Zaun tangiere mehrere gesetzlich geschützte Landschaftsteile im Sinne des Bundes- und Landesnaturschutzgesetzes, verdeutlicht das Amt für Naturschutz auf Anfrage des Badischen Tagblatts. Darüber hinaus sei auch das FFH-Gebiet „Hardtwald zwischen Karlsruhe und Muggensturm“ betroffen. Im gesamten Nord-, Ost- und Südbereich des Sees sei der Abbau von Kies abgeschlossen. In der rekultivierten Ufer- und Randböschung haben sich vielfältige Biotope entwickelt: „Diese Entwicklung wurde auch zusätzlich durch Maßnahmen der Besucherberuhigung unterstützt“, schreibt das Amt. Der Seeteil sei als konsolidierter Landschaftssee mit Angelnutzung einzustufen. Der großflächige und hermetisch dichte Zaunbau „umfährt und durchfährt die vorhandenen Biotopflächen und trennt diese von der Umgebung ab“, lautet die Kritik. Als konsolidierter Landschaftssee weise der Bereich „keine atypischen Gefahren eines Abbaugeländes“ mehr auf. Die Einzäunung wäre ein Verstoß gegen das allgemeine Benutzungsrecht der freien Landschaft. „Sie riegelt Wanderungskorridore für die Tierwelt ab und schließt viele Tierarten vom Wasserzugang in Trockenzeiten aus.“ Deshalb sehe man das Vorhaben „in der jetzigen Form kritisch“.

Gemeinderat hat unter Vorbehalt zugestimmt

Die Gemeinde Bietigheim ist Eigentümerin des Schertle-Sees und hat diesen zum Kiesabbau an die Grötz-Unternehmensgruppe verpachtet. Aufgrund der aktuellen Rechtssprechung sei die Gemeinde gezwungen, einen Zaun am See aufzustellen, erläutert Bürgermeister Constantin Braun im BT-Gespräch. Deshalb habe der Gemeinderat auch dem Zaun unter Vorbehalt zugestimmt. „Wir haben die Haftung zwar an den Betreiber weitergegeben und ihn zu Sicherungsmaßnahmen aufgefordert. Dennoch sind wir als Eigentümer damit nicht aus der Haftung, wenn etwas passiert. Denn Schilder reichen mittlerweile nicht mehr aus“, betont Braun. Grötz müsse mit den Fachbehörden noch einmal ins Gespräch gehen und einen Bauantrag in abgewandelter Form einreichen. Grötz-Justiziar Magnus Schiele möchte zunächst den endgültigen Bescheid des Landratsamts abwarten. „Dann müssen wir uns die Begründung ansehen und überlegen, ob wir Rechtsmittel einlegen oder nicht“, erläutert er.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.