Amtsgericht Bühl stellt Verfahren wegen Bedrohung ein

Bühl (bgt) – Das Durcheinander einer vermeintlichen Bedrohung in einer Asylantenunterkunft konnte auch am zweiten Verhandlungstag am Amtsgericht in Bühl nicht entwirrt werden.

Das Amtsgericht stellt das Verfahren wegen des Vorwurfs der Bedrohung ein.  Foto: Uli Deck/dpa

© dpa-avis

Das Amtsgericht stellt das Verfahren wegen des Vorwurfs der Bedrohung ein. Foto: Uli Deck/dpa

Die Aussage eines weiteren Zeugen hätte eigentlich Aufschluss darüber geben sollen, ob der Angeklagte tatsächlich ein Messer in der Hand gehalten, oder wer eigentlich wen bedroht hatte. Der angeklagte Asylsuchende aus Kamerun (über dessen Asylgesuch nach acht Jahren Deutschlandaufenthalt noch immer nicht entschieden ist) war jedenfalls von seinen Mitbewohnern, einem bulgarischen Ehepaar, bezichtigt worden, sie mit einem großen Küchenmesser in der Gemeinschaftsküche bedroht zu haben. „Ich schneide euch allen den Kopf ab“, soll er im betrunkenen Zustand gewütet haben. Es komme des Öfteren vor, hatte das bulgarische Paar ausgesagt, dass man den Angeklagten betrunken in der Küche antreffe und er regelmäßig ausfallend werde. „Wir seien alle Rassisten, hat er immer behauptet. Dabei haben wir ihm schon oft geholfen, wenn er mal nichts zu essen hatte“. Und an diesem Tag sei es besonders schlimm gewesen. Auf die Beleidigungen habe man zuerst gar nicht reagiert, doch dann habe der Angeklagte plötzlich das Messer in der Hand gehalten und gefährlich mit ihm herumgefuchtelt.

Angeklagter will das Messer nicht angerührt haben

Das hatte der Kameruner freilich heftig bestritten und behauptet, dass man etwas gegen „Leute mit meiner Hautfarbe“ habe. Ohnehin habe man sich in der Unterkunft gegen ihn verschworen. Sie hätten sich zusammengeschossen und wollten ihn aus dem Haus vertreiben. Als er in die Küche gekommen sei, hätten die Bulgaren und noch ein anderer schon ganz bedrohlich dagestanden. Doch von einem Messer wollte er absolut nichts wissen. „Ich habe dieses Messer nicht angerührt“, hatte er immer wieder lautstark betont. Die Aussage des neuen Zeugen, ebenfalls Bulgare, war nun leider doch nicht der Weisheit letzter Schluss, denn allzu viel mitbekommen hatte er von dem Streit in der Gemeinschaftsküche nicht. Ganz abgesehen davon, dass er kaum ein Wort Deutsch versteht – er wurde ebenfalls wie die anderen von einer Dolmetscherin übersetzt –, hatte er lediglich die lautstarke Auseinandersetzung schlichten wollen, die von den anderen auf Deutsch und Französisch geführt worden war.

Dürftige Beweislage

Er sei Kraftfahrer und brauche seine Nachtruhe, erklärte er der Richterin, die selbst nach mehrmaligen Nachfragen nicht viel mehr erfuhr als durch die Aussage des bulgarischen Ehepaares am ersten Verhandlungstag. Ausschlaggebend war jedenfalls, dass der Zeuge vom alles entscheidenden Indiz, dem Messer, weder etwas gesehen noch von einem anderen etwas berichtet bekommen hatte. Und wer wen bedroht haben sollte, war im allgemeinen Durcheinander von ihm auch nicht eindeutig auszumachen. So zerstob die Anklage der Bedrohung gegen den Kameruner dann letztlich in den Niederungen einer allzu dürftigen Beweislage, und die Staatsanwältin kam zu dem Schluss, das Verfahren nach § 153 einzustellen. Das entsprach auch dem Verständnis der Richterin, denn selbst der Ausruf „Ich schneide euch allen den Kopf ab“ verlor ohne nachgewiesenes Messer eindeutig an Bedrohungspotenzial.

Zum Artikel

Erstellt:
3. November 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.