Amtsgericht Gernsbach verurteilt Trainer

Gernsbach (uj) – Der Vorwurf lautete sexuelle Belästigung einer Minderjährigen. Das Amtsgericht Gernsbach verurteilte wegen dieses Delikts den früheren Trainer einer Mädchenfußballmannschaft.

Am zweiten Verhandlungstag wird im Amtsgericht Gernsbach ein ehemaliger Fußballtrainer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Foto: Ulrich Jahn

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Am zweiten Verhandlungstag wird im Amtsgericht Gernsbach ein ehemaliger Fußballtrainer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Foto: Ulrich Jahn

Wegen sexueller Belästigung einer 14-Jährigen in drei Fällen sprach das Gericht am Dienstag nach zwei Verhandlungstagen einen mittlerweile 62-Jährigen schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten. Die Strafe wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Ein weiterer Fall konnte in der Verhandlung nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Als Auflage muss der Beschuldigte dem evangelischen Mädchenheim Gernsbach in Raten insgesamt 5.000 Euro zahlen. Richter Ekkart Koch führte in seiner Urteilsbegründung aus, dass der erste Anklagepunkt, in dem es um ein Vorkommnis am 23. August 2020 gegangen war, ziemlich vage sei. Wegen diverser Zweifel werde dieser Punkt fallengelassen. Dagegen habe der 62-Jährige am 26. September 2020 gleich drei Taten begangen. In allen Fällen hatte der Trainer der Mädchenfußballmannschaft mit der 14-Jährigen Einzeltrainings durchgeführt. Er habe ihre Oberschenkel mit einem entsprechenden Gerät massiert. Dabei sei es dreimal zu sexuellen Belästigungen gekommen.

Richter: „Er steht vor seinen Trümmern“

„Es gibt keine Zweifel, dass es so war“, meinte der Richter in der Urteilsbegründung. Die 14-Jährige hätte zwar jederzeit sagen können, dass sie das nicht wolle. Aber so eine Aussage falle ihr schwer, wie auch eine Schulsozialarbeiterin der Realschule Gernsbach darlegte. An diese hatte sich das Mädchen gewandt. Der ehemalige Trainer sei bei der Mädchenmannschaft beliebt gewesen und habe auch viel Geld und Zeit in das Hobby investiert. „Das wird alles nicht mehr sein, er steht vor seinen Trümmern“, betonte Koch.

Die 14-Jährige habe einst sehr gerne Fußball gespielt – jetzt aber, nach den Vorkommnissen, nicht mehr. Der damalige Rektor der Realschule zeichnete ein durchaus positives Bild von dem damals 61-Jährigen, der seinerzeit als Hausmeister an der Schule tätig war, jetzt aber von seinem Arbeitgeber, der Stadt Gernsbach, in anderer Funktion woanders eingesetzt wird.

Auch am zweiten Tag der Verhandlung war die Öffentlichkeit bei mehreren Zeugenbefragungen ausgeschlossen. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung wurden ebenfalls hinter verschlossenen Türen gehalten, weil dabei zum Teil sehr intime Dinge erörtert wurden und der Schutz der 14-Jährigen Priorität hat. So sagte die Schulsozialarbeiterin der Realschule unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus, ein Arbeitskollege, der einigen Gesprächen beigewohnt hatte, dagegen öffentlich.

Nach dem Vorkommnis am 29. September 2020 hatte sich die 14-Jährige, unterstützt von einer Freundin, an die Schulsozialarbeit gewandt. Die Freundin habe in dem Gespräch gemeint, es „ist was passiert“. Erst danach habe die 14-Jährige Details geschildert.

Bezüglich der Vorwürfe vom 23. August 2020 legte der Verteidiger des Beschuldigten Ausdrucke von SMS-Kontakten zwischen seinem Mandanten und der 14-Jährigen vor, in denen es um Nachrichten unter anderem bezüglich Einzeltraining gegangen sei. Diese SMS seien, wenn an diesem Tag trainiert worden sei, hinfällig gewesen, so der Verteidiger.

Ihr Autor

BT-Redakteur Ulrich Jahn

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Erstellt:
17. August 2021, 19:49 Uhr
Lesedauer:
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