An der Geroldsauer Mühle wird Wasserkraft genutzt

Baden-Baden (hez) – Bei genügend Regen gibt das Wasserrad „Vollgas“: Wasserkraft spielt für die Geroldsauer Mühle in Baden-Baden eine große Rolle. Das war jetzt Thema bei einem Pressegespräch.

Das riesige Wasserrad aus Lärchenholz läuft bislang rund um die Uhr. Foto: Henning Zorn

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Das riesige Wasserrad aus Lärchenholz läuft bislang rund um die Uhr. Foto: Henning Zorn

Die Geroldsauer Mühle ist nicht nur das größte Weißtannengebäude Deutschlands. Hier sorgt die Betreiber-Familie Weingärtner auch für besondere ökologische Akzente bei der energetischen Versorgung. Dies war am Mittwoch Thema bei der Übergabe eines Zertifikats durch die Stadtwerke.

Mit der Nutzung erneuerbarer Energien habe man von Anfang an ein Zeichen setzen wollen, und dies sei inzwischen alles wie geplant umgesetzt worden. Darauf verweist der Geroldsauer Unternehmer Martin Weingärtner, der mit der Mühle eine ehrgeizige Vision verwirklicht hat.

Am Mittwoch betonte er, dass dabei ein „schonender Umgang mit Ressourcen“ und die Wertschöpfung aus regionalen Produkten besonders im Mittelpunkt stehen. So produziert die Geroldsauer Mühle ein Drittel ihres Strombedarfs selbst durch ein Wasserrad und über eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Die restliche Energie bekommt man von den Stadtwerken in Form von Ökostrom, der zu 100 Prozent aus Wasserkraft gewonnen wird.

Mühle hat lange Tradition

Die energetische Nutzung des Wassers am Standort der heutigen Mühle geht wohl noch auf die Zeit vor 1800 zurück. Die erste urkundliche Erwähnung datiert von 1859, als ein Müller namens Martin Weingand bei der Stadt den Antrag stellte, hier eine Mahlmühle zu errichten.

Die heutige Wasserkraftanlage wurde im vergangenen Jahr fertiggestellt. Das Wasser wird etwa 300 Meter oberhalb des Standorts des Wasserrades, das sich am Rande des Restaurationsbereichs der Geroldsauer Mühle befindet, durch eine Wehranlage vom Grobbach abgeführt. Dort befindet sich auch ein Fischpass, der den Tieren ein Durchkommen ermöglicht. Über den Fischpass wird auch sichergestellt, dass immer genügend Restwasser im Bachbett bleibt.

Über einen offenen Mühlgraben, der teilweise aus Steinen der alten Geroldsauer Mühle gebaut wurde, gelangt das Wasser nach rund 250 Metern in ein Einlaufbauwerk und fließt dann unterirdisch bis zum turmartigen Steigeschacht. Die letzten Meter legt es dann wieder offen in einem Holzkanal zurück, ehe es von oben auf die Schaufeln des Wasserrades trifft. Dessen mechanische Welle treibt über ein Getriebe einen Generator an, der den Strom für die Mühle erzeugt.

Stadtwerke-Chef Helmut Oehler übergibt das Zertifikat über den Wasserkraft-Strom an Martin, Renate, Felix und Peter Weingärtner (von links). Foto: Henning Zorn

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Stadtwerke-Chef Helmut Oehler übergibt das Zertifikat über den Wasserkraft-Strom an Martin, Renate, Felix und Peter Weingärtner (von links). Foto: Henning Zorn

Dies funktioniert ganzjährig, denn auch bei geringem Wasserstand im Grobbach dreht sich das Rad. „Mit Vollgas“, so Weingärtner, lief es in diesem Jahr in den niederschlagsreichen Monaten von Januar bis August. Das 2,5 Tonnen schwere Wasserrad besteht aus Lärchenholz mit 37 Schaufeln aus Stahlblech.

Die Stadtwerke liefern der Mühle das Ökostromprodukt „aqua 100“. Dass dieses wirklich nur aus Wasserkraft gewonnen wird, bescheinigt jetzt ein Zertifikat, das Stadtwerke-Chef Helmut Oehler am Mittwoch an Weingärtner übergab. Erzeugt werde dieser Strom in diversen Anlagen in ganz Europa – wie zum Beispiel in Norwegen. Dieser Ökostrom versorgt auch die beiden E-Ladestationen am Parkplatz der Mühle, die von den Stadtwerken installiert wurden.

Über die jeweils momentane eigene Stromerzeugung durch Wasserkraft und Fotovoltaik informiert jetzt ein Bildschirm im Eingangsbereich der Mühle. Darüber hinaus werden hier auch die aktuellen Abfahrtszeiten der Stadtwerke-Busse angegeben.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
28. Oktober 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 28sec

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