„An uns kommt keiner vorbei“

Rastatt (sl) – Bei der Telefonvermittlung des Klinikums Mittelbaden in Rastatt laufen die Drähte heiß. Gerade in Corona-Zeiten kein leichter Job.

Birgit Götzmann, Gabi Uibel, Bianca Schreiber und Nicole Bittmann haben selten Zeit, den Blick auf die Rastatter Skyline zu genießen. Mehr als 100 Anrufer hat jede von ihnen täglich an der Strippe. Auf dem Bild fehlt Nicole Damm. Foto: Frank Vetter

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Birgit Götzmann, Gabi Uibel, Bianca Schreiber und Nicole Bittmann haben selten Zeit, den Blick auf die Rastatter Skyline zu genießen. Mehr als 100 Anrufer hat jede von ihnen täglich an der Strippe. Auf dem Bild fehlt Nicole Damm. Foto: Frank Vetter

Eigentlich sollen sie „nur“ dafür sorgen, dass Anrufer beim Klinikum Mittelbaden mit der richtigen Stelle verbunden werden, um ihr jeweiliges Anliegen zu klären. Bei der Vielzahl von Häusern und Stationen im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden ist das an sich schon eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe. Doch in Zeiten von Corona kommen sich die fünf Damen der telefonischen Vermittlung zunehmend vor wie Seelsorger, und mitunter auch wie Fußabtreter.
Im fünften Stock des blauen Hochhauses auf dem Rastatter Klinikgelände teilen sich die fünf Frauen zwei Büros. Dort laufen die Anrufe aus ganz Mittelbaden zusammen, auch die für die Klinikumstandorte in Baden-Baden und vertretungsweise Bühl. Hinzu kommen die Senioreneinrichtungen und Medizinischen Versorgungszentren zwischen Rastatt, Forbach und Ottersweier. Seit September 2019 gibt es die Telefonvermittlung in dieser Form. Zuvor war dies Aufgabe des jeweiligen Empfangs.

„An uns kommt keiner vorbei“, schmunzelt Nicole Bittmann. Das gleiche könnten die Sicherheitsleute vor dem Klinikportal sagen, mit denen man gut zusammenarbeite und viele Informationen austausche. Bittmann meint natürlich die Anrufer. Das können Patienten oder Besucher sein, Angehörige von teils Schwerkranken, niedergelassene Ärzte, das Rote Kreuz, aber auch Behörden wie Landrats- oder Gesundheitsamt oder aber die Polizei. Regelmäßig auch Bestatter, denn im Krankenhaus wird natürlich auch gestorben.

Schon ohne Corona belastend

Schon ohne Corona, ist das manchmal belastend. Bittmann berichtet jedoch von einem bereits gut eingespielten Team, das sich aber – so lange gibt es ja die Vermittlung noch nicht – auch noch weiterentwickeln möchte. Allerdings werde seit Beginn der Pandemie viel Kraft gebraucht, weil Corona den Alltag tüchtig durcheinanderwirbelt. Im Durchschnitt um die 100 Anrufe kämen jeden Tag auf eine Kollegin in normalen Zeiten, jetzt seien es deutlich mehr. Als das BT zu Besuch ist, ist gerade ein ruhiger Tag. Trotzdem klingelt das Telefon fast im Minutentakt.

Fragen rund um Corona haben zurzeit viele Anrufer auf dem Herzen. Und nicht für alle ist das Klinikum eigentlich der richtige Ansprechpartner. „Trotzdem wollen wir sachlich und richtig informieren“, macht Bittmann klar. Gabi Uibel berichtet davon, wie sie und ihre vier Kolleginnen sich die nötigen Informationen über die jeweils neuesten Maßnahmen und Regelungen selbst zusammensuchen. Aus der Zeitung zum Beispiel. Etwas nerve es schon, dass behördliche Verfügungen oft kurz vor knapp erlassen würden und die, die sie umsetzen müssen, dann aus der Presse davon erfahren. Eine Kritik, die im Lauf der Pandemie schon mehrfach zu hören war.

Fragen zu Corona-Tests sind besonders häufig, weil Besucher des Klinikums seit vergangener Woche nur mit einem negativen Ergebnis eingelassen werden, das längstens 48 Stunden alt sein darf. Ab heute, 8. Februar, können sich Besucher aller Klinikstandorte von Montag bis Freitag in der Zeit von 12 bis 18 Uhr im Testzentrum an der Balger Klinik kostenlos testen lassen. Der Weg ist ausgeschildert. In Rastatt und Bühl werden keine Tests vorgenommen. Außerdem ist das Tragen einer FFP2-Maske ohne Ausatemventil Pflicht.

Bei der Jagd nach Impfterminen kann auch die Telefonvermittlung nur auf die einschlägige Rufnummer und aufs Internet verweisen. Verständnis für diese seniorenunfreundliche Art der Terminvergabe haben die Frauen nicht. Anders sieht es mit dem Leid vieler Anrufer aus. Da fühlen sich die Mitarbeiterinnen persönlich angefasst: Der werdende Papa, der vor der Kliniktür warten muss, die Enkelin, die ihren sterbenden Opa nicht mehr besuchen darf, oder chronisch Kranke, die ihre Wohnung nicht verlassen können, aber dringend ärztliche Hilfe brauchen. „Das beschäftigt mich zum Beispiel länger als die Beschimpfungen, die wir auch zu hören kriegen“, erzählt Gabi Uibel. Als Schlampe und blöde Kuh habe sie sich schon betiteln lassen müssen, sagt Nicole Bittmann. Die Corona-Maßnahmen sorgen eben nicht nur für Frust – auch bei den Damen von der Telefonvermittlung übrigens – sondern auch für Zorn.

Es gibt auch schöne Momente

Auch wenn die Kolleginnen den manchmal zu spüren gekommen, erleben sie auch schöne Momente, wenn sie etwa einen besorgten Senior am Telefon beruhigen konnten, weil er gar keine der typischen Corona-Symptome hat und auch stets mit Maske unterwegs war, oder wenn ein junger Mann dankbar ist, dass ihm endlich mal genau erklärt wurde, wie er sich als Rückkehrer aus einem Risikogebiet verhalten soll. Weil so etwas immer ein paar Minuten dauern kann, müssen andere Anrufer etwas länger in der Schleife warten. Dass das bald anders wird, hoffen alle fünf: Wenn wieder normale Zeiten zurückgekehrt sein werden.


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