Andenbewohner werden im Murgtal heimisch

Weisenbach (vgk) – Als tierischer Schutz vor dem Wolf stellen Lamas eine Alternative zu Hunden und teuren, arbeitsaufwendigen Zäunen dar.

Sven Strobel aus Weisenbach mit einem der Lamas. Links unter dem Busch grast eine Ziegenherde. Foto: Gareus-Kugel

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Sven Strobel aus Weisenbach mit einem der Lamas. Links unter dem Busch grast eine Ziegenherde. Foto: Gareus-Kugel

Etwas unwillig zeigt sich das Lama gegenüber der Besucherin mit der Kamera in der Hand. Der Tag war auch anstrengend für die drei dreijährigen Lama-Damen und den 18-monatigen Hengst. Das Fernsehen hatte sich am Vormittag in Weisenbach auf der Ziegenweide von Sven Strobel ausgebreitet, um die besten Bilder für die SWR-Zuschauer einzufangen. Danach hat man sich schon ein Nickerchen verdient. Schließlich ist man nicht irgendein Lama, sondern Teil des Herdenschutzes.

An die Andentiere aus der Familie der Kamele, als Wanderbegleitung oder im therapeutischen Einsatz, hat man sich hierzulande schon gewöhnt. Doch als Schutz gegen Luchs und Wolf, das ist noch nicht so geläufig.

In der Schweiz und verschiedenen Ländern sind die Paarhufer bereits als Herdenschutztiere gegen Kleinraubtiere im Einsatz. Dabei machen sich Tierhalter die Angewohnheit dieser Gattung zu eigen, nicht gleich bei Gefahr davon zu rennen. Im Gegenteil, das Angriffsrepertoire eines Lamas ist vielseitig und darauf ausgerichtet, den Angreifer zu vertreiben. Es reicht vom Ausstoßen sehr hoher Töne, heftigem Stampfen, Ausschlagen mit den Hufen bis hin zum Beißen. Wenn alles nichts hilft, dann stellt sich das Tier dem Aggressor entgegen. Was bei Wölfen offensichtlich Wirkung zeigt. Für sie nicht einschätzbare Situationen werden in der Regel gemieden.

Ein 2012 in der Schweiz angestoßenes und noch aktuell laufendes Projekt gibt diesbezügliche Hinweise. Gleichwohl ist sich Strobel völlig im Klaren darüber, dass dies nur funktioniert, wie Studien ergaben, wenn es sich um kleine Herden und einzelne Wölfe handelt.

Nach Wolfsriss begann Suche nach adäquatem Herdenschutz

Vor einem Jahr hatte Strobel einen Wolfsriss zu beklagen, ebenso wie Ziegenhalter Christian Striebich. Die Suche nach einem adäquaten Herdenschutz begann.

Was nicht infrage kam, waren Herdenschutzhunde. Deren Ausbildung ist kostenintensiv und teuer, so der Tierhalter. Zudem könnte es Probleme mit Wanderern und Spaziergängern geben. Die Lärmbelästigung käme noch obendrauf.

Auch ein Wolfschutzzaun bringt für die im Murgtal vorherrschende Topografie nicht die benötigten Eigenschaften mit, um für einen effektiven Schutz zu sorgen. Einen Zaun in dieser Ausführung aufzustellen ist teuer und sehr arbeitsintensiv. Das gilt auch für einen mobilen Elektrozaun oder eine feste Zauninstallation. Das Land bezuschusst mit 90 Prozent aber nur die Materialkosten, aber nicht die Arbeit, die man damit hat, erläutert Strobel.

Nach ausführlichen Recherchen im Internet stieß der im Hauptberuf tätige Schreiner auf das Lama-Projekt in der Schweiz als eine kostengünstige Alternative.

Die noch namenlosen Tiere stammen aus einem Bestand in Kaiserslautern. Seit März haben die Andenbewohner ihre Heimat im Murgtal. Der lange Hals und die großen dunklen Augen unter einem dichten Wimpernkranz machen die Herdenschützer besonders anziehend. Auch ist ihre weiche Wolle nutzbar.

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Erstellt:
1. Juli 2020, 17:00 Uhr
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