Andrang bei Lernbrücke an Realschule Durmersheim

Durmersheim (as) – Freiwillige Nachhilfe: Die landesweiten Lernbrücke-Kurse zur Aufarbeitung von Wissenslücken durch coronabedingten Schulausfall finden in der Realschule Durmersheim regen Anklang.

Daniel Schunke mit einem Lernbrücke-Kurs an der Realschule Durmersheim. Foto: Frank Vetter

© fuv

Daniel Schunke mit einem Lernbrücke-Kurs an der Realschule Durmersheim. Foto: Frank Vetter

In den Ferien jeden Vormittag zur Nachhilfe in die Schule: Seit Montag ist das auch für rund 50 Fünft- bis Achtklässler der Realschule Durmersheim und drei Lehrkräfte Realität: Sie nutzen die sogenannte Lernbrücke, ein landesweites freiwilliges Angebot mit dem Ziel, in den letzten beiden Ferienwochen Wissenslücken durch den coronabedingten Schulausfall in Mathe und Deutsch aufzuarbeiten.
Auch drei Lehrer haben sich freiwillig gemeldet, um die Kurse auf die Beine zu stellen, erzählt Konrektorin Petra Kohla. „Die haben vor den Ferien mit den Fachlehrern abgestimmt, was nachgeholt werden soll“, berichtet sie, und das vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) zur Verfügung gestellte Lernmaterial darauf angepasst. Da auch in Englisch von großen Lücken berichtet wurde, pauken die Durmersheimer Realschüler in den jahrgangssortierten Kleingruppen neben Mathe und Deutsch nun auch die Fremdsprache.

Drei Gruppen treffen sich seit Montag also jeden Vormittag von 9 bis 12 Uhr im Schulhaus zur freiwilligen Nachhilfe auf Landeskosten – mit Abstand, versteht sich, sortiert nach Fünftklässlern, Sechst- und Siebtklässlern sowie Achtklässlern. In Rastatt nutzen insgesamt 250 Schülerinnen und Schüler von der Grundschule bis zum Gymnasium die Lernbrücken, hatte die Stadt dieser Tage mitgeteilt. Landesweit waren laut Kultusministerium 61000 Kinder und Jugendliche angemeldet.

Die Teilnahme ist freiwillig. Allerdings wurden vor den Ferien alle Eltern angeschrieben und auf das Angebot aufmerksam gemacht, berichtet Kohla. Es seien auch Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten gezielt angesprochen worden. Das alles kurzfristig vor den Ferien noch zusätzlich zum sowieso ungewohnten Corona-Schulalltag zu organisieren, sei ein Kraftakt gewesen, schildert sie.

Deshalb freut sich Kohla, dass die Lernbrücken bei den Schülern gut ankommen. „Für sich allein zu Hause lernt man doch nicht“, äußert ein Achtklässler. Vor allem in Mathematik hapere es, sagt sein Banknachbar – und die meisten nicken zur Bestätigung.

Deutschlehrer Daniel Schunke ist positiv überrascht von der großen Motivation der Gruppe. „Sie sehen den Lernerfolg, der sich natürlich in den Kleingruppen mit maximal 15 Schülern schneller einstellt“, vermutet er, die angenehme Lernatmosphäre in der Kleingruppe tue ein Übriges.

Ähnliche Rückmeldungen habe er auch aus anderen Schulen, bestätigt Schulamtsdirektor Franz Veith vom Staatlichen Schulamt Rastatt, der an diesem Tag die Realschule besucht.

„Keiner ist total auf der Strecke geblieben“, lautet Kohlas Corona-Bilanz für die Realschule. Allerdings sei es illusorisch zu denken, mit zwei Wochen Ferienkurs werde es gelingen, alle Defizite auszugleichen. „Das wird uns mit Sicherheit noch das ganze Schuljahr beschäftigen“, prophezeit sie. Die früh ausgesprochene Maßgabe des Kultusministeriums, dass niemand das Schuljahr wiederholen muss, sieht sie dabei als zusätzliche Herausforderung für die Lehrkräfte im neuen Schuljahr. Denn dass Schülerinnen oder Schüler mit großen Defiziten sich in den ersten 14 Tagen nach Schulbeginn für eine freiwillige „Ehrenrunde“ entscheiden, wie es sich das Kultusministerium vorstellt, hält sie für unwahrscheinlich. An der Realschule wird die Maßgabe an die Fachlehrer deshalb lauten, den Stoffverteilungsplan so umzusetzen, dass bestehende Lücken aus dem Corona-Halbjahr aufgefüllt werden können. Für diesen Ansatz plädiert auch Franz Veith und sieht dafür durchaus Spielraum. Und er nährt die Hoffnung, dass es machbar ist, entstandene Defizite im nächsten Schuljahr aufzuarbeiten. Petra Kohla beispielsweise plant aus diesem Grund nach Möglichkeit ohne Klassenlehrerwechsel. „Die Klassenlehrer wissen am besten, was aufgeholt werden muss“, erklärt sie, da solle es keine Reibungsverluste geben.

Sorgen bereitet ihr mit Blick auf das Infektionsgeschehen der geplante Schulstart mit rund 600 Schülern. Sie spricht sich deshalb für eine Maskenpflicht im Unterricht die ersten 14 Tage nach Schulbeginn aus. Denn weitere Defizite durch eventuellen Unterrichtsausfall infolge von Quarantänefällen möchte sie möglichst vermeiden. An Normalbetrieb glaubt sie mit Blick auf Sport- oder Musikunterricht eh noch nicht.

Ebenfalls interessant:

Experte: Aus Lernbrücken lernen

Nachhilfe auf Staatskosten: Lernbrücken beginnen

Freiwillige Nachhilfe an Gymnasien in der Region


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.