Angehende Altenpfleger starten in Prüfungsphase

Baden-Baden (for) – Aufatmen, der erste Teil ist geschafft: Für die angehenden Altenpfleger in Baden-Württemberg standen im Laufe dieser Woche die schriftlichen Prüfungen an. In diesem Jahr war das aber nicht nur für die Schüler selbst eine große Herausforderung, sondern auch für das Lehrpersonal.

Um die Menschen in Alten- und Pflegeheimen nicht zu gefährden, müssen die Azubis den praktischen Teil ihrer Prüfung an Simulationspuppen durchführen. Foto: Gercke/dpa/Archiv

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Um die Menschen in Alten- und Pflegeheimen nicht zu gefährden, müssen die Azubis den praktischen Teil ihrer Prüfung an Simulationspuppen durchführen. Foto: Gercke/dpa/Archiv

Dass bei den schriftlichen Prüfungen weniger Schüler in einem Raum sitzen durften als sonst, um den Mindestabstand einzuhalten, war nur eine von vielen Neuerungen. Schon auf die Prüfungsvorbereitung hatte das Coronavirus starke Auswirkungen, über Wochen fand der Unterricht nur digital statt. Seit dem 4. Mai gibt es für zahlreiche Schüler der Prüfungsklassen unter strengen Vorgaben des Hygieneschutzgesetztes zwar wieder Präsenzunterricht. Für die angehenden Altenpfleger an den öffentlichen Schulen gilt das allerdings nicht: „Bis zum Ende des Schuljahrs dürfen die Altenpflegeschüler laut einer Regelung des Kultusministeriums nicht am Unterricht teilnehmen, weil sie zur Risikogruppe zählen“, teilt die Anne-Frank-Schule in Rastatt mit. „Die Schüler dürfen ausschließlich nur zu den schriftlichen, praktischen und mündlichen Prüfungen in das Schulhaus kommen“, heißt es in einer Mitteilung. Zwar hätten sich alle beruflichen Schulen gut der aktuellen Situation angepasst, betont Bernhard Marzluf, geschäftsführender Schulleiter der beruflichen Schulen und Schulleiter der Handelslehranstalt Rastatt.

Sprachbarrieren beim digitalen Unterricht


Dennoch stelle das digitale Unterrichten eine Herausforderung dar. „Insbesondere in der Altenpflege kommt es vermehrt zu Sprachbarrieren, da wir hier viele Schüler mit Migrationshintergrund haben“, teilt Christine Sieg, Abteilungsleiterin Altenpflege an der Anne-Frank-Schule, mit. Außerdem könnten nicht alle Ausbildungsziele – etwa soziale und praktische Kompetenzen – digitalisiert werden, meint Gabriele Krämer, Schulleiterin der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Bühl.

An der privaten Pflegefachschule Sancta Maria in Bühl ist die Situation derzeit etwas anders, wie Schulleiter Manuel Benz auf BT-Anfrage mitteilt. Während das Kultusministerium, das für die öffentlichen Schulen zuständig ist, den Präsenzunterricht für angehende Altenpflegekräfte derzeit noch untersagt, übergibt das Sozialministerium, zuständig für Ersatzschulen, die Verantwortung den Schulleitungen.

Andere Regelungen für Ersatzschulen

„Das bedeutet, wir müssen selbst entscheiden, ob wir die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten können, um Infektionen weitgehend zu vermeiden“, sagt Benz. Er sieht diese Regelung kritisch: „Ich persönlich halte das für zu früh. Ich würde mir wirklich eine feinere Abstimmung zwischen Sozial- und Kultusministerium wünschen.“ Die meisten angehenden Altenpfleger strömten nach dem Unterricht in den Klassenzimmern wieder in die verschiedenen Pflegeeinrichtungen, um dort „mit der höchsten Risikogruppe“ zu arbeiten. „Ich trage die komplette Verantwortung dafür. Deshalb möchte ich das Ganze langsam angehen“, meint Benz.

Gleichzeitig fühle er sich aber auch unter Druck gesetzt, möglichst schnell wieder Präsenzunterricht zu gewährleisten, weil andere Ersatzschulen schon seit einigen Wochen wieder im Schulhaus unterrichteten. Da die schriftlichen Prüfungen an den Ersatzschulen erst im Juli anstehen, habe Benz vor, nach Pfingsten den Oberkurs wieder schrittweise in die Schule zurückzuführen.

Praktische Fähigkeiten an Simulationspuppen beweisen

Für die angehenden Altenpfleger an den öffentlichen Schulen stehen in diesem Zeitraum dann schon die praktischen Prüfungen an – ebenfalls in einer abgeänderten Form. Aus Schutzgründen dürfen die Praxisprüfungen in diesem Jahr nicht in den Einrichtungshäusern und nicht direkt am menschlichen Körper durchgeführt werden. „Stattdessen müssen die Azubis ihre praktischen Kompetenzen an Puppen unter Beweis stellen“, erklärt Sieg. Beispielsweise könne die Aufgabenstellung lauten, eine Injektion an der Puppe durchzuführen, nennt Benz ein Beispiel. Das Problem dabei sei allerdings, dass das Gegenüber keinerlei Reaktion zeige. „Das ist zum einen eine ganz neue Situation für die Azubis, es macht aber auch die Bewertung für uns Prüfer schwieriger“, meint Benz. Dennoch begrüßen er und Sieg die Simulationsprüfung. „Das ist weitaus besser als nur ein Fachgespräch, weil so auch die Handlungskompetenz abgebildet wird“, meint Sieg. Mündliche Prüfungen fänden aufgrund der besonderen Situation in der Altenpflegehilfe nur freiwillig und auf Antrag statt.

Auf den letzten Teil ihrer Ausbildung – der Abschlussfeier – müssten die Azubis 2020 höchstwahrscheinlich verzichten, bedauert Benz. „Aber vielleicht finden wir dafür ja auch noch eine Alternative – wir könnten ja per Videokonferenz auf den Erfolg anstoßen“, schlägt Benz mit einem Schmunzeln vor.

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Erstellt:
22. Mai 2020, 23:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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