Angeklagter soll Mädchen sexuell missbraucht haben

Bühl (sga) – Ein 60-Jähriger soll in 32 Fällen drei Mädchen sexuell missbraucht haben. Ein mutmaßliches Opfer ist seine Nachbarin. Der Angeklagte wohnt in einer Gemeinde in der Nähe von Bühl.

Bleibt stumm: Während der Verhandlung äußert sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Foto: Sarah Gallenberger

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Bleibt stumm: Während der Verhandlung äußert sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Foto: Sarah Gallenberger

Er sitzt still da, und das über Stunden. Der Mann, der an diesem Montag im Landgericht auf der Anklagebank sitzt, wohnt in einer Gemeinde in der Nähe von Bühl und soll in insgesamt 32 Fällen drei Mädchen im Alter zwischen acht und 12 Jahren, teils schwer, sexuell missbraucht haben. Während der Vernehmung der Zeugen starrt er auf den Boden, zu den Vorwürfen schweigt er.

Neben Rechtsanwalt Gerhard Bräuer: ein junges Mädchen, lange Kleidung, Tuch über dem Haar. Nach nur wenigen Minuten verlässt sie den Gerichtssaal wieder. Später wird ihre Mutter erzählen, dass sie nicht immer so gekleidet gewesen ist.

Was ist im Mai 2020 in der Wohnung des Angeklagten geschehen? Es wird ein Video abgespielt, auf dem die Geschädigte zu dem Vorfall gerichtlich befragt wird. Sie sei alleine gewesen, als der heute 60-Jährige sie angerufen und nach einer Zutat für seinen Kuchen gebeten habe. In seiner Küche seien Komplimente gefallen, er habe ihr an die Brust gefasst. „Ich fand das komisch“, daraufhin kehrt die damals 12-Jährige in die eigene Wohnung zurück. Doch dann der zweite Anruf: Der Angeklagte fragt, ob sie ihm beim Backen helfen möchte.

Opfer wacht nackt auf

Als das Mädchen erneut zu ihrem Nachbarn geht, macht er ein Video von ihr, während sie eine Vibrationsplatte, wohl eine Art Sportgerät, ausprobiert. Sie habe ihn aufgefordert, die Aufnahme zu löschen, doch er habe nicht reagiert: „Ich weiß bis heute nicht, was da zu sehen ist.“ Während sie anschließend einen Film schauen, bietet er ihr Alkohol an. Sie wisse, dass sie das nicht darf. Aber sie habe es ausprobieren wollen.

Wie viel „Jacky Cola“ genau fließt, kann die Nebenklägerin nicht genau sagen: „Drei bis vier Gläser.“ Auch habe sie nicht gesehen, wie das Getränk gemischt wird. Generell könne sie sich danach nicht mehr an viel erinnern, „ich bin eingeschlafen“. Als sie aufwacht dann der Schock: Sie liegt komplett nackt auf der Couch und spürt, wie der Angeklagte etwas in sie einführt, das sich wie sein Finger anfühlt. Als sie das nächste Mal aufwacht, liegt sie in ihrem eigenen Bett. Hose und Oberteil trägt sie wieder an ihrem Körper, doch die Unterwäsche fehlt.

Als die Mutter des mutmaßlichen Opfers, die sich zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause befindet, in den frühen Morgenstunden einen Anruf ihrer Tochter erhält, fährt sie sofort in die Wohnung: „Sie roch unglaublich nach Alkohol“, erinnert sich die 39-Jährige. Das Mädchen habe ihr erzählt, dass der 60-Jährige, zu dem die Familie vorher „ein völlig normales, nachbarschaftliches Verhältnis“ gehabt habe, sie angefasst hat. Mutter und Tochter fahren zur Polizei.

„Ihr ganzes Leben hat sich verändert“

Doch das sind nicht die einzigen Vorwürfe, denen sich der Angeklagte stellen muss. Ein weiteres Mädchen, bei der Vernehmung 13 Jahre alt, berichtet von sexuellen Handlungen. Der 60-Jährige sei ihr Stiefopa. Dass er sie immer am Rücken gekrault habe, fand sie schön, „ich mochte das“. Nicht gewollt habe sie es jedoch, wenn er dabei mit den Händen nach vorne zu ihrer Brust gewandert sei und diese „geknetet“ habe. Immer wieder sagte sie ihm, dass er damit aufhören soll. Ihre Arme presst sie dabei aus Vorsicht eng an ihren Oberkörper: „Er hat es trotzdem immer wieder gemacht.“ Schließlich habe er sie einmal mit seiner Hand im Schambereich berührt. Gesagt habe sie nie etwas, bis sie schließlich in der Schule Sexualkunde gelehrt bekommt: „Da kam es mir komisch vor.“

Ein weiteres Mädchen, bei der Vernehmung 18 Jahre alt, erinnert sich an sexuelle Handlungen. Über mehrere Jahre habe der Angeklagte sie in verschiedenen Gelegenheiten, so zum Beispiel bei Familienfesten, an der Brust berührt: „Ich bin schüchtern, ich habe nichts gesagt.“ Einmal habe er, sie saß gerade auf dem Boden, sie heruntergedrückt und versucht, sie zu küssen.

Alle drei Mädchen berichten mit leiser Stimme von den Vorwürfen. Tränen fließen. „Ihr ganzes Leben hat sich verändert“, erzählt die Mutter der Nebenklägerin vor Gericht. Ihre langen Haare habe sie abgeschnitten und die Klamotten gegen lange Kleider und ein Kopftuch getauscht: „Damit man ihren Körper nicht sieht.“ Der Angeklagte selbst habe sich nie zu den Vorwürfen geäußert, im Gegenteil: „Wenn ich den Müll rausgebracht habe, hat er mir ins Gesicht gelacht.“ Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
10. Januar 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 15sec

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