Angespannte Situation im Klinikum Mittelbaden

Baden-Baden (kie) – Die Corona-Infektionen nehmen zu, damit steigen auch die Belegungszahlen im Klinikum Mittelbaden. Warum das auch für nicht an Corona erkrankte Patienten zum Problem werden könnte.

Weniger Betten durch mehr Corona-Patienten: Im Klinikum Mittelbaden hofft man darauf, weiterhin planbare Operationen durchführen zu können. Foto: Andrea Fabry/KMB

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Weniger Betten durch mehr Corona-Patienten: Im Klinikum Mittelbaden hofft man darauf, weiterhin planbare Operationen durchführen zu können. Foto: Andrea Fabry/KMB

Die Corona-Lage spitzt sich weiter zu: Mit der kontinuierlich steigenden Anzahl an Infektionen nimmt die Zahl von Krankenhauspatienten zu – auch das Klinikum Mittelbaden (KMB) verzeichnet zunehmende Belegungen. Das sei derzeit noch kein Problem für die Behandlung von Covid-Patienten, sagt Klinikum-Sprecherin Sybille Müller-Zuber. Doch für Patienten, die nicht an Corona erkrankt sind, könnte es negative Folgen haben.

Mit Stand von Mittwoch werden im KMB 31 Covid-Patienten stationär, zwei intensiv behandelt – womit sich die Anzahl der im Klinikum behandelten Covid-Patienten in den vergangenen Tagen auf einem relativ stabilen Niveau eingependelt hat. Doch warnt Müller-Zuber vor zu viel Zuversicht: „Aufgrund der allgemein steigenden Inzidenzen befürchten wir, dass die Zahlen nicht so bleiben, sondern eher nach oben gehen“. Sei dies der Fall, habe das vermutlich zunächst Auswirkungen auf Patienten, die nicht an Corona erkrankt seien: „Im Moment können wir die Corona-Patienten gut behandeln, aber wir müssen schauen, dass die anderen Patienten nicht durchs Raster fallen“, so Müller-Zuber. So sei etwa nicht auszuschließen, dass auch im KMB mit steigenden Belegungszahlen wieder planbare Eingriffe abgesagt werden müssen, wie dies derzeit an der Charité in Berlin der Fall ist.

Überlastung des medizinischen Personals spürbar

Hinzu kommt die Überlastung des medizinischen Personals, die auch am KMB zu spüren ist. Zusätzlich erschwert werde die Situation auch in den Arztpraxen durch derzeit grassierende Erkrankungen, etwa Grippe oder Magen-Darm-Infekte, die keinen Aufschub in der Behandlung duldeten, wie Dr. Ingo Wiedenlübbert von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Baden im Rahmen eines Pressetermins erläutert: „Dass die Kollegen nicht mehr können, ist ein landesweites Phänomen“, sagt er.

In einem offenen Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn und die Mitglieder der Gesundheitskonferenz der Länder wenden sich nun der Berufsverband Deutscher Anästhesisten und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin aufgrund der angespannten Lage im medizinischen Bereich an die Politik und fordern Maßnahmen zur Eindämmung der vierten Corona-Welle, wie etwa eine 2G-Regelung für alle Bereiche des öffentlichen Lebens, niedrigschwellige Impfangebote, strikte Kontakteinschränkungen oder eine Entbürokratisierung der Impfpraxis.

In dem Schreiben, das laut Müller-Zuber die Meinung des Medizinischen Geschäftsführers des KMB, Dr. Thomas Iber, widerspiegele, heißt es: „In vielen Landkreisen ist die Akutversorgung der Bevölkerung gefährdet“ – vor allem sei dies der Fall mit Blick auf Herzinfarkt-, Tumor- und Schlaganfallpatienten oder Schwerverletzte. „Weiterhin droht auch mittelfristig ein massives Problem im Bereich der Intensivmedizin, welches unsere Gesundheitsversorgung auf Jahre hinaus schwächen wird“, heißt es weiter. Grund dafür sei auch, dass viele Mitarbeitende diesen „High Care“-Bereich wegen der enormen Belastung der vergangenen zwei Jahre verließen: „Die noch da sind, steuern sehenden Auges auf eine massive Überlastungssituation zu“.

Derzeit werden laut Oberbürgermeisterin Margret Mergen vor allem ungeimpfte Personen auf der Corona-Station des KMB behandelt; ihren Anteil beziffert sie auf rund 80 bis 90 Prozent. Auch seien die Covid-Patienten nun jünger und blieben teilweise länger in Behandlung.


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