Angst vor Geflügelpest geht um: Lockdown für Federvieh droht

Rastatt/Muggensturm/Malsch (sl) – Die Kleintierzüchter in der Region machen sich Sorgen um die Ausbreitung des Vogelgrippe-Virus. Bisher gibt es noch keine Fälle im Landkreis.

Glückliche Hühner: Freilandgeflügel darf noch umherspazieren, allerdings wäre ein mit Volierendraht oder Netzen abgeschirmter Auslauf derzeit sicherer. Foto: Daniel Karmann/dpa

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Glückliche Hühner: Freilandgeflügel darf noch umherspazieren, allerdings wäre ein mit Volierendraht oder Netzen abgeschirmter Auslauf derzeit sicherer. Foto: Daniel Karmann/dpa

Mancher gibt sich viele Müh’ mit dem lieben Federvieh. Doch jetzt geht unter den Haltern von Hühnern, Enten und Gänsen in Mittelbaden die Angst um. Die Geflügelpest bedroht die Region von Norden her. Der Karlsruher Zoo, wo einige Tiere verendet sind, ist bereits vorsorglich geschlossen worden. In den Landkreisen Rastatt und Karlsruhe gab es bis Mittwochnachmittag jedoch noch keine Verdachtsfälle.

Unruhe macht sich breit

Beim Kleintierzuchtverein Malsch, dessen Gehege mit teils seltenem Ziergeflügel ein Ausflugsziel sind, bemerkt man die Unruhe unter Züchtern. „Wir sind schon etliche Male von besorgten Haltern angerufen und um Rat gefragt worden“, erzählt Kassiererin Ashley Gally. Ihr Mann Jan Gally ist der Vorsitzende. Bis jetzt haben die Landratsämter Rastatt und Karlsruhe allerdings noch keine sogenannte Aufstallungspflicht verfügt, denn es gab noch keine Verdachtsfälle, bestätigen die Sprecher der Kreisbehörden. Das könne sich aber täglich ändern, sagt Martin Zawichowski vom Landratsamt in Karlsruhe.

Hinter dem Begriff Aufstallungspflicht verbirgt sich die Verpflichtung, Tiere die bisher im Freigehege herumspazieren durften, zu ihrem eigenen Schutz dauerhaft in den Stall zu sperren. Quasi ein Lockdown für Vögel. Wenn er ausgesprochen wird, gilt er generell für alle Geflügelhalter, unabhängig von der Anzahl der Tiere, erklärt Michael Janke, Sprecher des Landkreises Rastatt. Ausnahmen seien allenfalls möglich, wenn aufgrund von tierartspezifischen Eigenschaften eine längere „Aufstallung“ nicht möglich wäre. Als Beispiel nennt er die Straußenfarm in Rheinmünster.

Tierarzt rät zur Vorsicht

Tierarzt Dr. Michael Götz aus Wintersdorf, zugleich Tier- und Artenschutzbeauftragter des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) und Mitglied im Ottersdorfer Kleintierzuchtverein, rät jetzt zur Vorsicht. Ähnlich wie bei Corona sei bei der Geflügelpest, die auch Vogelgrippe genannt wird, eine Unterbrechung von Infektionsketten entscheidend für den Verlauf der Epidemie. Das Virus werde vor allem von wild lebenden Wasservögeln wie Enten, Gänsen oder auch Reihern verbreitet. Aber Krähen könnten ebenfalls infektiös sein. Kaum eine Rolle bei der Ansteckung würden Singvögel und Tauben spielen.

Nutzvögel von Wildvögeln trennen

Geflügelhalter sollten jetzt darauf achten, dass keine Kontakte zwischen dem Nutzgeflügel und den Wildvögeln stattfinden. Der Tierarzt rät, die Tiere also zum Beispiel nur im Stall oder in einer geschlossenen Voliere zu füttern und zu tränken. Auch sollte das Futter so gelagert werden, dass es Wildvögel nicht anlockt. Zudem sollten Stall- und Straßenkleidung streng getrennt werden. Das gelte besonders auch für Schuhwerk. Daran haftender Vogelkot könne hochansteckend sein. Ashley Gally rät Hühnerhaltern noch, auf das Aufstellen eines Vogelhäuschens lieber zu verzichten.

Schnell kann der ganze Bestand gefährdet sein

Das Nutz- und Ziergeflügel müsse derzeit (noch) nicht zwingend im allseitig geschlossenen Stall bleiben, aber eine Voliere mit engmaschigem Draht oder ein Auslauf unter einem Netz wären schon angebracht, gibt Gally zu bedenken. Denn sollte es zur Infektion kommen, müsse das Veterinäramt einschreiten und die infizierten Tiere keulen lassen. Da die Vogelseuche sehr ansteckend sei, könne schnell der ganze Bestand gefährdet sein, bestätigt Götz: „Wir haben es hier in der Region jetzt mit der hochpathogenen Virusvariante zu tun.“ Sie sei aber für den Menschen ungefährlich.

Enten und Gänse als Überträger

Besonders Hühner, Fasane und Puten sind gefährdet, da für sie die Krankheit meistens tödlich endet, sagt Tierarzt Götz. Dagegen würden Enten und Gänse kaum krank, seien aber Überträger des Virus. Halter, die vermehrt tote Tiere in ihren Beständen feststellen, sollten sich ohne Zögern ans Landratsamt wenden. Die Kadaver sollten ins Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Karlsruhe eingeschickt und untersucht werden. Falls sich der Verdacht auf Geflügelpest bestätigt, müsse in der Regel der ganze Bestand getötet werden, um eine Weiterverbreitung zu verhindern.

„Da blutet jedem Halter natürlich das Herz“

„Da blutet jedem Halter natürlich das Herz“, sagt Gally. Und nicht nur das: Manch ein Züchter sei sehr stolz auf seine seltenen Exemplare, die gar nicht so leicht zu ersetzen sind, gehe es doch gerade auch um den Erhalt besonderer Rassen. Dennoch rät auch sie, nicht zu zögern und sich beim zuständigen Landratsamt zu melden. Das gelte auch für Spaziergänger, die auf tote Vögel stoßen.

Auf dem Gelände des Kleintierzuchtvereins in Malsch hat man die Lehre aus früheren Vogelgrippe-Epidemien gezogen: Alles Geflügel auf den Parzellen wird in Volieren gehalten und ist somit vor den potenziell ansteckenden wild lebenden Artverwandten geschützt. Einzig der See auf dem Areal könnte ein Einfallstor für das Virus sein, denn dort drehen mitunter auch Wildenten schwimmend ihre Runden. Daher darf das Gehege, in dem sich der See befindet, bis auf Weiteres nur noch von einem Pfleger betreten werden.

Kükenmarktin Gefahr

Mit großer Sorge beobachtet auch Uwe Neidhardt, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Muggensturm, die Entwicklung: „Das macht uns schon Angst.“ Der Kleintiermarkt am vergangenen Sonntag konnte zwar noch stattfinden, allerdings steht der für 19. März geplante Kükenmarkt eventuell auf der Kippe. „Wir haben 1.200 Küken bestellt, die kosten einen Haufen Geld“, befürchtet Neidhardt im schlimmsten Fall auch einen finanziellen Schaden für den rund 100 Mitglieder starken Verein: „Es wird wirklich immer toller: Erst haut uns Corona ins Kontor und jetzt womöglich noch die Vogelgrippe – dann bekommen wir ein Riesenproblem.“


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