Anima-Tierwelt: Hat Sasbachwalden endlich einen Investor gefunden?

Sasbachwalden (BNN) – Seit 1983 werden für das Breitenbrunnen-Areal immer wieder Nutzungen gesucht, gefunden und verworfen. Nach dem Aus für die Anima Tierwelt geht es nun in die nächste Runde.

Die ehemalige Kurklinik Breitenbrunnen steht seit Jahre leer – Pläne für eine neue Nutzung gab es schon mehrfach. Foto: Roland Spether

Die ehemalige Kurklinik Breitenbrunnen steht seit Jahre leer – Pläne für eine neue Nutzung gab es schon mehrfach. Foto: Roland Spether

In Sasbachwalden ist man gewohnt, dass immer mal wieder große Pläne scheitern. Man denke nur an die Pläne für eine Seilbahn oder die nie realisierte Skihalle. Zuletzt war es das Aus für die mit einem zweistelligen Millionenbetrag ausgestattete Anima-Tierwelt hoch über dem Ort auf dem Breitenbrunnen an der Schwarzwaldhochstraße. Übrig ist vom Abenteuer von Grundig-Erbin Maria Wruck eine schwärende Wunde im Wald, eine 8.500 Quadratmeter große Brache, auf der eigentlich ein Parkplatz entstehen sollte. Und ein halbfertiger Zaun, der die Wanderer nervt.

Kommt Bewegung in Angelegenheit?

Vor zwei Jahren, im Mai 2020, wollte Wruck eigentlich eine Lösung für das Areal mit seiner wechselvollen Geschichte haben. Unter Verweis auf Corona wurde daraus erst einmal nichts.

Jetzt scheint Bewegung in die Angelegenheit zu kommen. Wruck sei in Kontakt mit einem Investor, sagt Bürgermeisterin Sonja Schuchter (CDU). „Es ist noch nicht spruchreif, ich bin aber zuversichtlich“, so die Rathauschefin, die sich mit Details zurückhält.

Es gehe um „Tagungsmöglichkeiten“, zudem sollen auch Tiere auf dem Gelände leben, allerdings entgegen den ursprünglichen Planungen keine Räuber wie Wolf oder Bär.

Bürgermeisterin Sonja Schuchter ist derzeit zuversichtlich, das Projekt zu einem guten Ende zu führen. Foto: Roland Spether

Bürgermeisterin Sonja Schuchter ist derzeit zuversichtlich, das Projekt zu einem guten Ende zu führen. Foto: Roland Spether

Für das Publikum soll sich das Areal „nur auf Anfrage“ öffnen. Wie belastbar die Pläne sind – in Sasbachwalden ist man gewohnt, dass Investoren immer mal wieder absprangen – das steht in den Sternen.

Im Offenburger Landratsamt jedenfalls, wo baurechtlich die Fäden für das hochsensible Areal an der Bundesstraße 500 zusammenlaufen, will man sich erst einmal nicht aus der Deckung wagen.

Zwar ist der Erste Landesbeamte Nikolas Stoermer nach ABB-Informationen mit dem Thema betraut, doch die Pressestelle winkt ab: Es gebe „derzeit“ nichts Neues zu berichten, sagt Kai Hockenjos, Sprecher von Landrat Frank Scherer. Vielleicht bald.

Baurecht sorgt für Druck

Es scheint Gründe zu geben, dass nach zwei Jahren nun langsam wieder Bewegung in die Suche nach einem Investor kommt. „Die Baugenehmigungen sind ausgelaufen“, bestätigt Bürgermeisterin Schuchter.

Daraus entstehe „ein gewisser Druck“, andernfalls nämlich müsste beispielsweise der Zaun wieder rückgebaut werden. „Ein halbfertiger Zaun und ein halbfertiger Parkplatz, das wäre auf Dauer gegenüber den Bürgern nicht zu rechtfertigen.“

Es ist eine lange Geschichte des Scheiterns. 1983 schloss das ursprüngliche Sanatorium an der Schwarzwaldhochstraße, es folgten eine Schmerzklinik und ein „Gesundheitszentrum“ für Ayurvedische Medizin.

Fast 25 Jahre hatte die ehemalige Kurklinik Breitenbrunnen, ein weitläufiges Areal mit einem ganzen Gebäudeensemble darauf, danach leer gestanden. Bis Maria Wruck und Mit-Geschäftsführerin Davina Schmitz mit ihrer Idee von einem Erlebnispark mit heimischen Wildtieren bundesweite Aufmerksamkeit fanden.

Rückzug im Spätherbst 2019

Ebenso übrigens wie ihr Rückzug im Spätherbst 2019. Die Finanzen für das Projekt waren aus dem Ruder gelaufen. Seither machen sich Schmitz und Wruck rar in der Region, die Homepage der Tierwelt, über die man zumindest noch eine Weile per E-Mail Kontakt aufnehmen konnte, ist inzwischen anscheinend offline.

Wie es weitergeht, ist offen. Baurechtlich gibt es wenig Spielraum für Projekte, die sich von der ursprünglichen Idee der Anima Tierwelt allzu weit entfernen. Und so droht der Breitenbrunnen, wieder zur Brache zu verkommen.

Ob ein neuer Investor das Ruder herumreißen kann, warum sich für ihn trotz drastisch gestiegener Baupreise lohnen sollte, was schon vor knapp drei Jahren als finanziell unkalkulierbar verworfen worden war, was letztlich die Sasbachwaldener und Besucher der Gemeinde von den Plänen haben werden, all dies bleibt erst mal offen. Der Investor will noch anonym bleiben.

Natur, Tiere, Nachhaltigkeit

Es gehe bei der Planung, so viel will die Bürgermeisterin verraten, „um das Thema Natur, Nachhaltigkeit, Tiere“ auf dem 53 Hektar großen Gelände. Derzeit werde geprüft, ob und wie das Projekt in den Bebauungsplan für das Gebiet passt. Die Gemeinde unterstütze das Vorhaben jedenfalls.

Offen ist, was aus dem Parkplatz für 180 Fahrzeuge wird, für den auf einer Fläche von 8.500 Quadratmetern alle Bäume gefällt werden mussten und der zuletzt als Lager für Steine und Schotter diente.

Dieses Thema spiele bei den Plänen eine „untergeordnete Rolle“, so die Bürgermeisterin, aber es werde im jetzt zur Debatte stehenden Konzept mit bearbeitet. Es stelle sich die Frage, ob man einen Parkplatz dieser Größe benötigt, so Schuchter, die darauf verwies, dass immer wieder Investoren angeklopft hätten, aber viele Pläne baurechtlich einfach nicht zulässig gewesen seien.

Es werde aber, so zeigte sich Schuchter überzeugt, „keinesfalls dort oben ein Disneyland entstehen“.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Frank Löhnig

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Erstellt:
19. Mai 2022, 08:20 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 17sec

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