Anlage bei Sandweier läuft seit zehn Jahren

Baden-Baden (hol) – Die Anlage bei Sandweier zur Grundwasserreinigung hat in zehn Jahren schon 34,5 Kilo PFC gefiltert. Sie ist nötig aufgrund der Folgen eines Löscheinsatzes vor Jahren.

Vier Millionen Liter Wasser durchgepumpt: Die Anlage bei Sandweier ist nur optisch in die Jahre gekommen.  Foto: Harald Holzmann

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Vier Millionen Liter Wasser durchgepumpt: Die Anlage bei Sandweier ist nur optisch in die Jahre gekommen. Foto: Harald Holzmann

Die grüne und blaue Lackierung sieht schon etwas matt aus, stellenweise sind rostrote Schlieren zu sehen. Kein Wunder: Zehn Jahre lang hält die Grundwasser-Reinigungsanlage auf einem Acker bei Sandweier schon Wind und Wetter stand. In dieser Zeit wurden vier Millionen Liter Wasser durch die Anlage gepumpt und gereinigt.
Zehn Jahre Grundwasserreinigung bei Sandweier: Zum Feiern ist der Baden-Badener Stadtverwaltung, die die Anlage betreibt, deshalb aber nicht zumute. Schließlich kostet der Maschinenpark samt Container eine Menge Geld. Bisher sind für die Kurstadt Kosten in Höhe von 2,2 Millionen Euro entstanden, wie Andreas Schmid vom städtischen Fachgebiet Umwelt sagt. Das Ergebnis der Bemühungen: 34,5 Kilo des Giftstoffs PFC (mit Fluor versetzte Kohlenstoff-Chemikalien) sind mithilfe von Aktivkohle seit Februar 2011 aus dem Grundwasser gefiltert worden.

Pumpe fördert 50.000 Liter pro Stunde

Dabei handelt es sich übrigens nicht in erster Linie um Überbleibsel aus der verunglückten Dünge-Aktion, durch die vor Jahren viele Äcker in der gesamten Region mit PFC belastet wurden. Dieser Skandal, dessen Aufarbeitung sicher noch viele Jahre dauern wird, war zum Zeitpunkt der Aufstellung der Anlage bei Sandweier nämlich noch gar nicht bekannt. Nein: Diese Anlage arbeitet sich an den Giftstoffen ab, die bei der Löschaktion der Baden-Badener Feuerwehr beim Großbrand bei der Firma Claus in Sandweier in den Boden gelangt waren.

Stündlich pumpt die Anlage 50.000 Liter Grundwasser an die Erdoberfläche, reinigt es und bringt es in 250 Meter Entfernung in einen 24 Meter tiefen Brunnen zurück in den Untergrund. Viele Jahre hat die Kurstadt mit der Firma Claus vor Gericht darüber gestritten, wer die Grundwasser-Aufbereitung bezahlen muss. Mittlerweile steht aber höchstrichterlich fest, dass die Stadt die Kosten tragen muss, weil die Feuerwehr bei den Löscharbeiten fehlerhaft gehandelt hat.

Ob man die Anlage bald mal abschalten kann? Andreas Schmid lacht. „Anfangs hatten wir mit einer Laufzeit von ein, zwei Jahren gerechnet“, sagt er. „Das hat sich leider so nicht bestätigt.“

„Eine Sanierung um jeden Preis ist nicht umweltfreundlich“

Bis heute lägen die PFC-Messwerte des unbehandelten Grundwassers an dieser Stelle nämlich immer noch über dem Geringfügigkeitswert. Unter diesen Wert zu kommen, sei aber praktisch unmöglich. Deshalb sei das Ziel schon, die Anlage irgendwann abzuschalten. Die Frage ist nur: Wann?

„Für den Betrieb der Anlage wird Energie aufgewendet. Eine Sanierung um jeden Preis ist nicht umweltfreundlich. Irgendwann ist einfach die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gewahrt“, sagt auch Fachbereichsleiter Moritz Lipp. Immerhin zeigen Messwerte, die dort regelmäßig an mehreren Stellen erhoben werden, dass sich der PFC-Wert, der anfänglich den Grenzwert, die sogenannte Geringfügigkeitsschwelle, um das 3.000-fache überschritten hatte, mittlerweile auf dem etwa vierfachen Wert dieser Schwelle eingependelt hat. Aber natürlich gehe es bei alledem auch darum, Schäden für das Wasserwerk im Rastatter Ortsteil Ottersdorf zu verhindern, zu dem das Grundwasser aus Sandweier hinströmt.

Deshalb soll jetzt mit einem Modellversuch simuliert werden, in welche Richtung das Grundwasser genau fließt und an welcher Stelle wie hoch die PFC-Messwerte sein werden, wenn die Anlage abgeschaltet wird. „Dabei müssen alle an einen Tisch, denn mit dieser Entscheidung muss am Ende auch die Wasserversorgung Ottersdorf leben können“, sagt Lipp.

Preis für Aktivkohle steigt an

Bis dahin brummt und pumpt die Anlage weiter, draußen auf dem Feld zwischen Autobahn und dem ehemaligen französischen Militärareal Puysegur, das mittlerweile unter Naturschutz steht. Der Betrieb schlägt pro Jahr mit 160.000 Euro zu Buche, dazu kommt das Monitoring der Anlage durch einen Gutachter für 12.000 Euro.

Und es sieht danach aus, dass die Betriebskosten steigen werden, denn die beiden Aktivkohlefilter, die sich in den hohen, grünen Stahltanks befinden, müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Zurzeit schlägt das mit 38.000 Euro pro Filter zu Buche. „Der Preis für Aktivkohle steigt aber. Das Zeug ist sehr gefragt“, sagt Andreas Schmid.

Insgesamt waren übrigens in dem Löschschaum, den die Feuerwehr verwendet hat, knapp 200 Kilo PFC enthalten – also fast die sechsfache Menge von dem bisher aus dem Grundwasser gefilterten Material. Aber diesen Vergleich könne man so nicht ziehen sagt der Fachmann aus der Stadtverwaltung. „Denn eine ganze Menge von dem PFC ist bei dem Einsatz verbrannt“, schätzt er. Außerdem habe es ja auch direkt nach dem Brand eine Bodensanierung auf dem Gelände der Firma Claus gegeben.

Dazu kommt: Das Feld, unter dem das Grundwasser gewonnen wird, das durch die Anlage gepumpt wird, ist ebenfalls mit PFC belastet – und zwar durch den anfangs erwähnten Düngemittel-Skandal. Und auch diese Verunreinigung schlage sich in den Messwerten nieder.

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Erstellt:
28. Februar 2021, 18:00 Uhr
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