Annemasse und Gaggenau feiern Freundschaft

Gaggenau (tom) – Ein halbes Jahrhundert Städtepartnerschaft, aus der sich Freundschaften entwickelten. Zur Jubiläumsfeier war eine Delegation aus Annemasse in Gaggenau.

Der Bürgermeister von Annemasse, Christian Dupessey überreicht Christof Florus (links) ein Gemälde aus Annemasse. Foto: Slobodan Mandic

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Der Bürgermeister von Annemasse, Christian Dupessey überreicht Christof Florus (links) ein Gemälde aus Annemasse. Foto: Slobodan Mandic

Am Samstagabend hatte die Stadt Gaggenau zu einem Dinner-Abend in der Jahnhalle eingeladen. Festlich der Auftakt, den das Ensemble der Schule für Musik und darstellende Kunst unter der Leitung von Oliver Grote gestaltete. Das „Concerto für drei Trompeten und Orchester“ von Georg Philipp Telemann strahlte mit hellen Trompetenklängen in den Saal hinein. Barocke Lebensfreude, das passte zu dem Dinner-Abend in der Jahnhalle. Viel Applaus gab es von den rund 70 geladenen Gästen, die sich um ein Dutzend festlich gedeckter Tische versammelt hatten.

Der Abend war nicht der Schluss-, aber sicher der Höhepunkt eines Wochenendes, bei dem eine Delegation aus Gaggenaus Partnerstadt den Besuch erwiderte, der die Murgtäler zum französischen Nationalfeiertag 14. Juli in die Stadt im Département Haute-Savoie geführt hatte. 50 Jahre, ein halbes Jahrhundert Städtepartnerschaft und daraus folgend viele persönliche Freundschaften. Das hätte schon 2020 gefeiert werden sollen – nun wurde es mit einem Jahr Verspätung nachgeholt, so gut es die Corona-Verordnung zuließ.

In seiner Rede richtete Oberbürgermeister Christof Florus den Blick auf die Anfänge der Städtepartnerschaft. 1970 habe der Gedanke der Versöhnung zwischen den einstigen Feinden im Mittelpunkt gestanden. „Der deutsch-französische Krieg 1870/71 lag gerade einmal 100 Jahre zurück, der Erste Weltkrieg kaum mehr als 50 Jahre und der Zweite Weltkrieg genau 25 Jahre.“ Das partnerschaftliche Verhältnis von der politischen Ebene in das Zwischenmenschliche auszustrahlen sei wesentliches Ziel gewesen. Es sei dabei gelungen, gerade die Jugend einzubeziehen.

Nach der Ehrung. Von links Christian Dupessey, Hans Jörg Kist, Katharina Paul (für den Skiclub); Gerd Pfrommer, Christof Florus und Dieter Spannagel. Foto: Judith Feuerer

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Nach der Ehrung. Von links Christian Dupessey, Hans Jörg Kist, Katharina Paul (für den Skiclub); Gerd Pfrommer, Christof Florus und Dieter Spannagel. Foto: Judith Feuerer

Für ihr langjähriges Engagement ehrten Florus und sein Amtskollege Christian Dupessey vier Personen: Hans Jörg Kist vom Fanfarenzug der Grokage Gaggenau, Werner Knöller vom Skiclub Gaggenau, Stadtrat Gerd Pfrommer und Dieter Spannagel, Gesamtkommandant der Feuerwehr.

Gerd Pfrommer richtete den Blick auf die jüngeren Generationen, die für die deutsch-französische Freundschaft begeistert werden müssten: „Es liegt an uns, dieses Feuer weiterzutragen.“

Dieter Spannagel freute sich, dass aus der 1972 gegründeten Partnerschaft der beiden Feuerwehren eine Freundschaft geworden sei. Nächstes Jahr könne man dieses goldene Jubiläum feiern.

Der Blick zur großen Politik

Auch der Bürgermeister von Annemasse, Christian Dupessey, spannte einen Bogen zu Europa: 2022 werde Frankreich den Vorsitz im Rat der Europäischen Union übernehmen. Dies werde eine wichtige Gelegenheit „für das deutsch-französische Paar“ sein, Europa mit mehr Dialog, Integration, Solidarität, ökologischem Wandel und sozialer Gerechtigkeit zu stärken.

Christian Dupessey bei seiner Rede vor den rund 70 geladenen Gästen in der Jahnhalle. Foto: Slobodan Mandic

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Christian Dupessey bei seiner Rede vor den rund 70 geladenen Gästen in der Jahnhalle. Foto: Slobodan Mandic

Die Freundschaft zwischen den Menschen beider Städte zu stärken, dazu könnten weitere Aktionen beitragen. Dupessey erinnerte an die Wanderung drei Gaggenauer 1980 nach Annemasse. Auch die Dreierfreundschaft mit dem polnischen Sieradz sei einer Vertiefung wert.

Mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt erneuerten Florus und Dupessey das Partnerschaftsversprechen. Als Gastgeschenk überreichte der Franzose ein Gemälde, das das Rathaus von Annemasse zeigt. Florus revanchierte sich mit Gin aus der Nachbarstadt Baden-Baden. Erst weit nach Mitternacht war der Abend für die letzten Gäste zu Ende. Am Sonntag standen ein gemeinsamer Gottesdienst und ein Mittagessen im Restaurant des Helmut-Dahringer-Hauses auf dem Programm, ehe die Gäste aus Annemasse ihre Heimfahrt angetreten werden wollten.

Schöne Musik und gutes Essen

Weitere Akteure der Musikschule waren ein Flötenensemble unter der Leitung von Jochen Baier mit „Majowka“ von Fanny Tran; ein Gitarrenensemble unter der Leitung von Karlheinz Wagner mit Stücken von Erasmus Widmann („Tanz“), Valentin Rathgeber („Menuett“) und Paul Peuerl („Ballett“). Viel Beifall gab es auch für den Jugendchor von Matthias Barth. Ein fünfgängiges servierten Agostino Mimmo und seine Mitarbeiter von „Ristorante Pizzeria Toni’s“: Canapés, italienische Vorspeisen, Pasta mit schwarzem Trüffel, ehe die Gäste aus Steinbuttfilet mit Kartoffeln, Brokkoli und Hummersauce oder Kalbsfilet mit Kartoffeln, Brokkoli und Steinpilzsauce wählen konnten. Ein Dessert nach Mitternacht rundete die Folge ab. Auch die Weinauswahl war italienisch. Ganz im Sinne von OB Florus: „Badische Weine schmecken mir nicht so.“


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