Anwälte ringen um Gesprächstermin

Elchesheim-Illingen (as) – Im Sportstättenstreit in Elchesheim-Illingen gibt es noch immer keine Annäherung zwischen Gemeinde und Fußballverein.

Ungewisse Aussicht: In die Planung der Sportstätte Illingen ist der Fußballverein Rot-Weiß bisher nicht eingebunden. Foto: Frank Vetter

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Ungewisse Aussicht: In die Planung der Sportstätte Illingen ist der Fußballverein Rot-Weiß bisher nicht eingebunden. Foto: Frank Vetter

Ende Juni 2023 muss der Fußballverein Rot-Weiß Elchesheim (RWE) den Sportplatz an der Waldstraße räumen. So besagt es der Vergleich, den Gemeinde und Verein im September 2021 vor dem Landgericht Baden-Baden geschlossen haben. Der RWE könnte nach Illingen umziehen, wo die Gemeinde die Sportplatzsanierung plant. Involviert ist der Fußballverein bislang indes nicht. Es hakt offenbar weiter an sehr gegensätzlichen Vorstellungen. Anwälte ringen derzeit darum, überhaupt einen Gesprächstermin hinzubekommen.
Mit Schreiben vom 23. November 2021 hat die Gemeinde dem RWE angeboten, ein Vereinsheim am Kopfende des neuen Winterrasenfelds zu errichten – das war auch schon Thema im Gemeinderat. Die erforderliche Fläche könnte beispielsweise „auch im Rahmen eines Erbbaurechts dem Verein übergeben werden“, schreibt Bürgermeister Rolf Spiegelhalder (FW) an RWE-Vorsitzenden Dieter Link – und: „Gerne würden wir hierzu das weitere Vorgehen besprechen, um eine Realisierung des für den Verein wichtigen Vereinsheims zu ermöglichen“.

Forderungen, die der Verein seit Jahren wiederholt

Die bis zum 31. Dezember 2021 gewünschte Rückmeldung hat der Verein von seinem Anwalt Torsten Kugler formulieren lassen. Der erklärt in einem Schreiben vom 23. Dezember 2021 Bereitschaft zum Gespräch und bittet um Terminvorschläge. Zugleich wiederholt er aber eine Forderung, an der schon mehrfach Termine scheiterten: „Das Gespräch soll in Anwesenheit eines Mediators geführt werden“. Des Weiteren formuliert Kugler Voraussetzungen für eine Vereinbarung zwischen RWE und Gemeinde – es sind Forderungen, die der Verein seit Jahren erfolglos wiederholt. So könne man sich einen über 99 Jahre laufenden Erbbaurechtsvertrag gegen Übertragung des Clubhauses an der Waldstraße auf die Gemeinde vorstellen. Der Abriss des Illinger Clubhauses sowie ein dortiger Neubau sollen jedoch zulasten der Gemeinde gehen, dabei soll die Planungshoheit beim RWE bleiben, der auch als Bauherr auftreten würde. Des Weiteren wird ein hydrologisches Gutachten gefordert, nach dessen Vorgaben die Sportplätze zur Vermeidung von Hoch- und Druckwasser höher gelegt werden sollen. Ebenso verlangt der Verein ein Bodengutachten zur Untersuchung der Spielfläche auf Altlasten. Die Herstellung der Infrastruktur (Ver- und Entsorgung, Telekommunikation, Zufahrt, Parkplätze) sowie von zwei Spielfeldern gemäß den Vorgaben des südbadischen Fußballverbands und der Oberliga Baden-Württemberg seien weitere Voraussetzungen.

Alternativ könne sich der Verein die Umwandlung des Hartplatzes an der Waldstraße in ein Spielfeld vorstellen. Dort will die Gemeinde allerdings die Skateranlage aufbauen und einen Freizeitpark planen. Daneben könnte ein Clubhaus auf der Wiese erbaut werden, über der Straße wäre Gelände für einen weiteren Sportplatz vorhanden. Zudem könnte man einen Bolzplatz integrieren.

Ton zwischen den Juristen wird rauer

„Das ist unverschämt!“, sagt Bürgermeister Rolf Spiegelhalder zu den Forderungen des Vereins. Es sei klar, „dass wir das nicht bezahlen“, zumal einzig der RWE den Nutzen aus dem Clubhaus habe. Das räumt RWE-Vorsitzender Dieter Link im Gespräch mit dieser Zeitung indirekt ein: „Ohne Clubhaus kein Spielbetrieb, der Verein muss ja von irgendwas leben.“ In Anbetracht der steigenden Bau- und Materialkosten sei ein Clubhausbau für den RWE finanziell jedoch nicht zu stemmen, nennt Link eine geschätzte Summe von mindestens 800.000 Euro.

Die Gemeinde hat die Sache nun auch ihrem Anwalt übergeben. Die Schreiben, die der Redaktion vorliegen, belegen, dass auch der Ton zwischen den Juristen rauer wird. „Ihre Mandantschaft ist nicht in der Position, von unserer Mandantschaft etwas zu verlangen“, schreibt Ulrich Mettler an seinen Kollegen Torsten Kugler und: Der RWE scheine die eigene Rechtsposition „wieder einmal“ falsch einzuschätzen. Der Verein biete keinerlei Gegenleistungen. Er fordert, die jetzt geäußerten Vorstellungen deutlich zu korrigieren, „damit ein Gespräch überhaupt Sinn machen kann“. „Man braucht ja mal eine Gesprächsgrundlage“, will Kugler sein Schreiben hingegen als solche verstanden wissen. In seiner Antwort vom 18. Februar 2022 setzt er dem Bürgermeister nun eine Frist, innerhalb der nächsten 14 Tage ein verbindliches Gesprächsangebot zu unterbreiten und einen Gesprächstermin zu nennen.

„Wenn der Wille da ist, finden wir einen Weg“

Ob es dazu kommt? „Wir haben Gesprächsbereitschaft signalisiert“, spielt Dieter Link den Ball der Gemeinde zu. „Dazu tauschen sich derzeit die Anwälte aus“, sagt Rolf Spiegelhalder und betont: „Wenn der Wille da ist, finden wir einen Weg.“

Die Sportplatzsanierung in Illingen indes werde das nicht verzögern, betont der Bürgermeister: „Wir entwickeln das Projekt derzeit und werden die Pläne voraussichtlich im April im Gemeinderat vorstellen.“ Im Haushalt stehen rund 770.000 Euro für das Projekt bereit.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
26. Februar 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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