Anwohner fordern Gleichberechtigung

Rastatt (dm) – Anwohner der Bischweierer Straße in Rauental sehen sich im Zuge der Verkehrsberuhigung der Hauptstraße benachteiligt. Einige haben sich nun zusammengeschlossen und fordern Maßnahmen.

Einladend breit: Die Einfahrt auf der K3714 (Bischweierer Straße) nach Rauental. Anwohner klagen über Tempoüberschreitungen und fürchten künftig noch mehr Verkehr. Foto: Daniel Melcher/BT

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Einladend breit: Die Einfahrt auf der K3714 (Bischweierer Straße) nach Rauental. Anwohner klagen über Tempoüberschreitungen und fürchten künftig noch mehr Verkehr. Foto: Daniel Melcher/BT

Der elektronische Smiley am Straßenrand zieht seine Mundwinkel nach unten, die Anzeige steht auf 54. Das heißt: Der Autofahrer, der hier gerade nach Rauental hineinbraust, ist 24 Sachen schneller als erlaubt. Die Bischweierer Straße (K3714), die weiter durch den Ort auf die Brücke über die Autobahn ins Rastatter Gewerbegebiet führt, ist an dieser Ortseinfahrt einladend breit. Unter Anwohnern hat sich eine Interessengemeinschaft formiert, die Abhilfe fordert. Zumal man in Zukunft dort mehr Verkehr erwartet.

Tatsächlich senken sich die Mundwinkel des Smileys des Öfteren. Wenn die Autos die Stelle passieren, sind sie schon an den ersten Wohnhäusern vorbei. An dem von Dieter Zimmer zum Beispiel. „Die schießen hier teilweise rein“, sagt er, einer sei im Herbst mit Tempo 75 in der 30er-Zone ertappt worden. Von der L67 zwischen Muggensturm und Kuppenheim findet der Verkehr seinen Weg hier in den Rastatter Stadtteil hinein, hindurch und hinaus.

Anwohner rechnen mit noch mehr Verkehr

Es könnte noch schlimmer kommen, befürchten Anwohner – sechs Familien haben sich zu einer Interessengemeinschaft formiert –, und das hat mit der geplanten Verkehrsberuhigung der Hauptstraße im Ortskern zu tun. Diese soll im Zuge des Ausbaus des A5-Anschlusses von der B462 abgekoppelt werden – vielleicht aber auch schon früher, dann nämlich, wenn 2023/24 ihre Sanierung startet. Zugleich soll auch am anderen Ende der Hauptstraße, wo das Neubaugebiet Vogelsand entsteht, der Verkehr (aus-)gebremst werden. All das aber werde den Druck auf den verbliebenen östlichen Ortsein- und -ausgang der Bischweierer Straße erhöhen, so die Anwohner. Zumal, wie sie aus unserer Zeitung erfahren haben, die K3714 zwischen Rauental und L67 für 1,5 Millionen Euro auch noch ausgebaut werden soll. Dieter Zimmer weist darauf hin, dass aktuell bereits zwischen 1.500 und 2.500 Kfz pro Tag das Ortsschild dort passieren. Wahrscheinlich, so sagt er, werden es dann deutlich mehr – und das in Kombination mit „stark überhöhten Geschwindigkeiten“. Verkehrsverlagerung statt wirkliche Verkehrsberuhigung also. Die Anwohner der Bischweierer Straße fordern „Gleichberechtigung“. Stattdessen, so Zimmer, sorgten das „bisherige Verschweigen“ der K3714-Ausbaupläne und ein „Aussitzen von Anfragen“ bei der Stadt für Frust. Im Januar habe man einen Brief an OB Hans Jürgen Pütsch geschickt. Doch abgesehen von einer Eingangsbestätigung habe man noch keine Antworten erhalten.

Verengung der Fahrbahn eine Möglichkeit

Allerdings hat es bereits Antworten auf frühere Anfragen von Ortsvorsteher Thorsten Ackermann gegeben. Dass Forderungen nach einem Blitzer als Tempobremse bislang verhallt sind, begründet er damit, dass am Ortseingang kein Gefahrenschwerpunkt herrsche und bei Messungen über einen längeren Zeitraum nur zehn Prozent der Fahrzeuge zu beanstanden gewesen seien. Zimmer hat einen anderen Blickwinkel: Bei Messungen an einem Tag im Herbst – „bei coronareduziertem Verkehr“ – seien in rund zweieinviertel Stunden 25 Autos zu schnell gewesen, und das in nur eine Richtung. Eine Verschiebung der Ortseinfahrt würde man ebenfalls begrüßen, eine Fahrbahnverengung oder Schikane als Tempobremse sowieso.

Immerhin: Überlegungen, die Straße auf Höhe der Ortsverwaltung zu verengen, gebe es tatsächlich, schreibt die städtische Pressestelle auf Nachfrage unserer Redaktion. Zudem sei das Tempo-30-Schild um rund 50 Meter versetzt worden. Allerdings heißt es in dem Schreiben aus dem Rathaus auch: Wenn die Rauentaler Hauptstraße im Norden von der B462 abgekoppelt wird, wie derzeit geplant, dann wird der Verkehr „über die Bischweierer Straße“ geführt. Generell aber geht die Stadtverwaltung davon aus, „dass die langfristige Abkopplung der Hauptstraße zum Zubringer“ (B462) zu einer „allgemeinen Verkehrsberuhigung im Dorf“ führt. Geplant sei ja, ein ampelfreies Fahren auf der B462 zu ermöglichen, „was wiederum eine Durchfahrt durch Rauental unattraktiver macht“.

Bis dahin wird jedoch noch Zeit vergehen – wer weiß schon, wann der neue A5-Anschluss gebaut sein wird?

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
13. Mai 2022, 10:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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