Anwohner hoffen auf den Durchbruch

Hügelsheim (sie) – Die Diskussion über die Anbindung des Baden-Airparks startet an einem runden Tisch von vorne. Daran sollen auch Bürgerinitiativen ihren Platz haben.

Geduld gefragt: Wenn Christoph Rösinger mit dem Rad unterwegs ist, plant er für die Hauptstraße durchaus mal fünf Minuten mehr ein. Foto: Hans-Jürgen Collet

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Geduld gefragt: Wenn Christoph Rösinger mit dem Rad unterwegs ist, plant er für die Hauptstraße durchaus mal fünf Minuten mehr ein. Foto: Hans-Jürgen Collet

Christoph Rösinger ist es leid: „Es ist schon schwierig, nur aus dem Hof rauszukommen. Und vor allem nachts rumpelt der Schwerlastverkehr.“ Sein Elternhaus steht an der Hügelsheimer Hauptstraße, er selbst hat mittlerweile Garten an Garten direkt ums Eck gebaut. Im Gemeinderat und bei der Bürgerinitiative „Hügelsheim fordert“ engagiert er sich für eine Verkehrsentlastung. Dass die Diskussion über eine Anbindung des Baden-Airparks jetzt neu startet, macht ihm Hoffnung.
Am 24. Januar hatte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) verkündet, die Uhren für die Planung der Autobahn-Anbindung des Baden-Airparks wieder auf null zu drehen. Ein runder Tisch solle neue Vorschläge erarbeiten. Diese Strategie ist eine Reaktion auf die Entwicklungen im vergangenen Jahr.

„Es muss auf jeden Fall eine Lösung her“

Der Rastatter Kreistag hatte im Juli 2020 die sogenannte Ostanbindung begraben. Sechs Jahre lang verfolgte der Landkreis diese Lösung, bis das Regierungspräsidium Karlsruhe im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zu dem Ergebnis kam, dass die geplante Trasse aus Naturschutzgründen nicht umsetzbar wäre.

Die Pläne sahen eine neue A5-Anschlussstelle in Höhe des Sinzheimer Ortsteils Halberstung vor. Die Trasse zum Baden-Airpark wäre über Teile der bestehenden L80 und der Kreisstraße 3761 südlich von Schiftung ins Flughafengelände gegangen.

„Es muss auf jeden Fall eine Lösung her“, fordert Rösinger. Ob er oder andere Vertreter der Bürgerinitiative die Möglichkeit haben werden, ab März am runden Tisch mitzuarbeiten, weiß er noch nicht. „Bislang habe ich nichts gehört“, sagt er.

Landkreis-Dezernent Mario Mohr hat angekündigt, dass neben Vertretern von Landratsamt, Regierungspräsidium, Kommunen, Baden-Airpark und der Naturschutzverbände auch Bürgerinitiativen Platz finden sollen: „Wir wollen, dass sich aus jeder Gemeinde Bürger beteiligen können.“

Hoffnung auf Mitsprache

Hoffnung auf Mitsprache macht sich auch Peter Jehle. Der Ingenieur aus Hügelsheim, der eine Professur für Bauverfahrenstechnik an der Technischen Universität Dresden hat, stellte 2017 eine Lösung vor, die er gemeinsam mit Joachim Wald ausgearbeitet hatte, Geschäftsführer des Hügelsheimer Ingenieurbüros Wald und Corbe. Die beiden schlugen vor, eine echte Ortsumfahrung für Hügelsheim zu bauen, die im Osten vor dem Ortseingang abzweigt, südlich an der Gemeinde vorbeiführt und im Westen über einen Kreisverkehr direkten Zugang zum Airpark böte.

Das Problem: Südlich von Hügelsheim liegt die im Volksmund „Klein Kanada“ genannte Siedlung, die durch die Umfahrung vom Ortskern abgeschnitten werden würde. Der damalige Hügelsheimer Bürgermeister Reiner Dehmelt befürchtete außerdem, dass mögliche Erweiterungsflächen für die Kommune in diese Richtung verloren gehen würden.

Um das zu verhindern, schlugen Jehle und Wald vor, die Straße in diesem Bereich als Tunnel unter die Erde zu legen. Das wäre teuer. Doch Jehle ist auch heute noch davon überzeugt, dass sich das rechnen könnte. So hätten mögliche Naturschutz-Auflagen bei der letztendlich gescheiterten Ostanbindung zu ähnlich hohen Kosten führen können. „Wenn ich das alles in die Waagschale werfe, sehe ich für die Tunnellösung jetzt eine sehr gute Chance“, sagt Jehle.

„Baden-Airpark braucht eine Anbindung“

Auch er weiß bislang nicht, ob er seine Ideen am runden Tisch präsentieren kann. In Form einer Bürgerinitiative haben er und Befürworter seiner Variante sich nicht organisiert. Aber als Betroffener, dessen Haus ebenfalls direkt an der Hauptstraße steht, ist die Sache für ihn eine „Herzensangelegenheit“.

Er ist davon überzeugt, dass die Diskussionen trotz des verkündeten Neustarts nicht ganz von vorne beginnen, sondern auf bekannten Größen aufbauen. Damit rechnet auch Erik Ernst (CDU). Der Sinzheimer Bürgermeister verweist darauf, dass der Gemeinderat eine verbesserte Anbindung des Airparks schon allein wegen der vielen Arbeitsplätze für sinnvoll erachte: „Es ist Tenor, dass der Baden-Airpark eine Anbindung braucht.“

Für Sinzheim sei es wichtig, dass bei der Diskussion über künftige Varianten das sogenannte „Schiftunger Tor“ berücksichtigt werde. Es dürfe nicht passieren, dass sich diese Zufahrt im Südosten des Areals zum Schleichweg für den Schwerlastverkehr entwickle – zulasten der Anwohner in Schiftung. Auch ein Rückbau der Zufahrt sei zu diskutieren: „Wenn man dort einen Radweg hätte, könnte man die Ortsteile auch darüber anbinden.“

Es sei eine große Herausforderung, die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen. Das sieht auch Jehle so. Er sagt: „Wir brauchen eine neutrale Moderation.“

Zum Thema: Der Naturschutz

Dem Thema Naturschutz kommt bei dem Projekt große Bedeutung zu. Die lange diskutierte Ostanbindung ist letzten Endes daran gescheitert. Auch in einer Absichtserklärung zum Neustart der Planung, die Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) unterzeichnet hat, heißt es: „Die Belange des Umwelt- und Naturschutzes müssen berücksichtigt werden.“

Martin Klatt vom Naturschutzbund (Nabu) begrüßt den Neustart am runden Tisch, an dem auch die Naturschutzverbände dabei sein sollen: „Ich finde es gut und richtig, dass es einen solchen Austausch gibt.“ Der Nabu werde alles daran setzen, eine Trassenführung zu erreichen, die den geringsten Schaden an der Natur anrichte.

Nach aktuellem Stand bewertet Klatt unter diesen Kriterien die Ortsumfahrungspläne mit Tunnel von Peter Jehle und Joachim Wald als „sehr erfolgsträchtig“. Er sagt: „Das halten wir nach wie vor für das Vernünftigste.“

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Ihr Autor

Holger Siebnich

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Erstellt:
4. Februar 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 43sec

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