Anwohner über Vorgehensweise verärgert

Gernsbach (stj) – Die Hauptstraße durch die Gernsbacher Altstadt ist seit Montag wieder frei befahrbar, derweil üben Anwohner Kritik an der testweisen Sperrung des Stadtbuckels.

Ein oft zu beobachtendes Szenario: Gegenverkehr in der Hauptstraße, die eigentlich Einbahnstraße ist. Biagio Viola/BT-Archiv

© red

Ein oft zu beobachtendes Szenario: Gegenverkehr in der Hauptstraße, die eigentlich Einbahnstraße ist. Biagio Viola/BT-Archiv

Der Test in der Altstadt sollte für mehr Flair in der Hauptstraße sorgen. Der Bauhof rückte nun am Montag mit mehreren Leuten an und stellte den eigentlichen Zustand zwischen Marktplatzbrunnen und Metzgerbrunnen wieder her. Das BT zieht im Gespräch mit Rolf Netzer eine Bilanz der Aktion aus Anwohnersicht – und die fällt alles andere als positiv aus.

„Der ganze Durchgangsverkehr hat sich durch die Sperrung zum Nachteil der Anwohner verlagert, insbesondere in die Kornhausstraße“, erzählt der 48-Jährige. Er wohnt seit 16 Jahren im Haus Hauptstraße 40 und hätte sich gewünscht, die Bewohner wären im Vorfeld der Aktion von der Verwaltung angesprochen und informiert worden. „Auf einmal ist abgesperrt gewesen, das hat mich schon geärgert“, blickt Netzer zurück und verweist auf die teils unangenehmen Folgen. Selbst Anwohner mit Parkausweis (der 30 Euro im Jahr kostet) hätten fortan fast keine Chance mehr gehabt, einen nahen Parkplatz zu finden, auch wenn gegenüber des Metzgerbrunnens einige zusätzliche Stellplätze angelegt worden waren (die nun wieder entfernt sind). Zudem mussten die Mülleimer zur Leerung in die Kornhausstraße gestellt werden – gerade für die älteren Bewohner sei das kein Vergnügen. Selbiges gelte für die Einkäufe, die mitunter über 80-Jährige einen langen Weg bis in ihre Wohnung schleppen mussten. Nicht zuletzt seien sogar die Rettungswege teilweise noch zugeparkt gewesen.

Selbst Anwohner mit Parkausweis fast ohne Chance auf einen Parkplatz

Die testweise Sperrung der Hauptstraße sollte in erster Linie den Gastronomen mehr Platz für die Außenbewirtung ermöglichen und die Aufenthaltsqualität steigern. Das sei zwar gelungen, findet Netzer, allerdings wundert er sich darüber, dass zwei der profitierenden Gastronomen dies gar nicht wollten und dass einer („Dubrovnik“) ausgerechnet während derer drei Wochen lang Betriebsferien macht.

Seiner Meinung nach wäre es ausreichend gewesen, den Altstadtsommer so zu gestalten wie früher – mit der Sperrung des Stadtbuckels nur an den Wochenenden. Die gelungenen Veranstaltungen mit Live-Straßenmusik hätten so auch stattfinden können, der Ärger, vom 20. Juli bis zum 5. Oktober überhaupt nicht durch die Hauptstraße fahren zu können, wäre den Bewohnern aber erspart geblieben.

Rolf Netzer ist gespannt, wie die Testauswertung der Verwaltung ausfällt und wie sie in den Altstadtprozess einfließt. Für ihn ist indes klar: „Eine verkehrsfreie Altstadt funktioniert in Gernsbach nicht.“ Statt über eine Fußgängerzone nachzudenken, hält er es für sinnvoller, weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen (wie etwa Bremsschwellen) in der Hauptstraße vorzunehmen.

Zum Artikel

Erstellt:
6. Oktober 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 15sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.