Anwohner vermisst Verkehrsspiegel

Steinmauern (HH) – Wegen seines schlechten Zustands wurde einer von ehemals zwei Verkehrsspiegeln in der Hauptstraße in Steinmauern nach 40 Jahren abmontiert – sehr zur Verärgerung eines Anwohners.

Einer von ehemals zwei Verkehrsspiegeln ist noch vorhanden. Das abmontierte Exemplar befand sich am Nachbarmast, wo inzwischen auch Infoschild und -tafel entfernt wurden. Foto: Helmut Heck

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Einer von ehemals zwei Verkehrsspiegeln ist noch vorhanden. Das abmontierte Exemplar befand sich am Nachbarmast, wo inzwischen auch Infoschild und -tafel entfernt wurden. Foto: Helmut Heck

Jedes Mal, wenn Joachim Schwarz oder seine Ehefrau mit ihrem Auto wegfahren, bekommen sie schon am Hoftor ein Problem. Weil die Hauptstraße, an der sie wohnen, ein paar Meter weiter in Richtung Ortsmitte einen Knick macht und eine Hausecke die Sicht behindert, können sie nicht erkennen, ob und wie viel Verkehr von dieser Seite heranrollt. Trotzdem funktionierte das Ausfahren dank eines einfachen Hilfsmittels vierzig Jahre lang gut. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite war ein Spiegel angebracht, der zeigte, was hinter dem Straßenknick los war. Doch im vergangenen Herbst wurde er abmontiert.

Schwarz wandte sich an die Gemeinde, um zu erfahren, auf wessen Veranlassung und warum der Spiegel entfernt wurde. So ist es Auszügen aus dem Schriftverkehr zu entnehmen, die Schwarz dem BT zur Einsicht überlassen hat. Die Vorgänge fielen in die Zeit, in der das Amt des Bürgermeisters verwaist war. Die von der Stellvertreterin Reinhilde Weisenburger unterzeichnete Antwort, die Schwarz Anfang November auf seine Anfrage erhielt, empfand er als „empathielose“ Behandlung seines Anliegens.

Anwohner wendet sich an Bürgermeister Hoffarth

Die Enttäuschung wurde von der Hoffnung abgelöst, mehr Gehör beim neuen Bürgermeister Toni Hoffarth zu finden, der das Amt am 1. Januar antrat. In zwei Schreiben wandte sich der Hauptstraßenanwohner an den neuen Verwaltungschef. Darin blickte er bis ins Jahr 1977 zurück. Damals hätten 80 Quadratmeter des Grundstücks und ein altes Haus, das sich darauf befunden habe, der Verbreiterung der Hauptstraße geopfert werden müssen. Erst durch die Änderung des Straßenzuschnitts sei seinerzeit die Sichtbehinderung entstanden, woraufhin die Gemeinde einen Verkehrsspiegel installiert habe. Im Jahr 2001 sei dieser zugunsten eines Nachbargrundstücks neu ausgerichtet worden.

Nachdem er Protest eingelegt habe, sei für seine Ausfahrt jener Spiegel installiert worden, der nun entfernt worden sei. Die Vorgeschichte lässt ahnen, woher der große Frust rührt, den Schwarz in einem umfangreichen Schriftverkehr zum Ausdruck brachte. Darin kritisierte er den vormaligen Bürgermeister Siegfried Schaaf, die Straßenverkehrsbehörde und auch den Petitionsausschuss des Landtags, an den er sich offenbar vergeblich gewandt hatte.

Kein neuer Spiegel aus Haftungsgründen

Unzufrieden war er ebenso mit der Antwort, die er von Bürgermeister Hoffarth erhielt: es werde keinen neuen Spiegel geben. Daran konnte auch die von Schwarz von Anfang an bekundete Bereitschaft, die Kosten zu übernehmen, nichts ändern. Bürgermeister Hoffarth teilte auf Anfrage des BT mit, dass er sich die Situation angeschaut habe und das Anliegen der Eheleute Schwarz „ein Stück weit nachvollziehen“ könne. Aber „schon allein aus Haftungsgründen“ könne aus Sicht der Gemeinde der Wunsch „nicht befürwortet“ werden“, wies Hoffarth auf rechtliche Aspekte hin.

Der Spiegel sei von der Gemeinde abmontiert worden, da wegen seines „sehr schlechten“ Zustands „die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet“ gewesen sei. Sowohl das Regierungspräsidium als auch das Landratsamts hätten der Gemeinde mitgeteilt, dass die Neuaufstellung eines Spiegels nicht befürwortet werde. Sichthilfen dieser Art stellten „keine Verkehrseinrichtungen“ gemäß der Straßenverkehrsordnung dar, ergänzte Hoffarth seine Erläuterung. Spiegel würden daher von der Straßenverkehrsbehörde nicht mehr angeordnet, entsprechende Begehren abgelehnt. Im Übrigen wäre im Fall der Hauptstraße der Landkreis als Baulastträger zuständig.

Sukzessive Entfernung aller Verkehrsspiegel

Über den konkreten Fall hinaus ließ der Bürgermeister zudem wissen, dass aus den genannten Gründen die „im gesamten Gemeindegebiet Steinmauern“ vorhandenen Verkehrsspiegel „sukzessive entfernt“ werden sollten. Demzufolge könnten auch die Tage jenes Exemplars gezählt sein, das neben dem abmontierten weiterhin seinen Dienst erfüllt, vor allem für Radfahrer, die vom Rendel kommend die Hauptstraße queren wollen. Ferner weist Hoffarth daraufhin, dass Spiegel Gefahren bergen könnten, etwa wenn sie beschlagen oder vereisen würden oder Entfernungen nicht korrekt erkennbar seien.

Im Hause Schwarz lässt derweil die bevorstehende Umgestaltung des betreffenden Reststücks der Hauptstraße frische Hoffnung keimen. Die Planung sehe vor dem Anwesen eine Verbreiterung des Gehwegs um 30 Zentimeter vor. Das könnte die Sicht beim Ausfahren merklich verbessern, schöpft Schwarz Zuversicht, vorausgesetzt dass keine parkenden Autos die Blickachse verstellen. Bürgermeister Hoffarth gab bekannt, dass der Baubeginn Anfang Mai vorgesehen sei.

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Erstellt:
12. April 2021, 14:00 Uhr
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