Anziehungspunkt für Groß und Klein

Murgtal/Rastatt (wf) – Im Murgtal gibt es eine Vielzahl von Weihnachtskrippen. Das BT stellt in einer Serie diese Werke vor – von Baiersbronn bis Rastatt. Der letzte Teil befasst sich mit Rastatt.

Die Holzfiguren stammen aus dem Jahr 1966 und sind in altmeisterlicher realistischer Manier geschaffen. Foto: Winfried Förderer

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Die Holzfiguren stammen aus dem Jahr 1966 und sind in altmeisterlicher realistischer Manier geschaffen. Foto: Winfried Förderer

Der letzte Teil beschreibt die Landschaftskrippe in der katholischen Stadtkirche St. Alexander in Rastatt, die vom 1972 verstorbenen Michelbacher Holzbildhauer Rudolf Preißler angefertigt wurde. Ergänzt wird das Kunstwerk von einem Gemälde auf Holz der Rastatter Künstlerin Christel Holl.

Das Gemälde von Christel Holl zeigt auf der linken Seite Rastatter Gebäude und rechts die Stadt Bethlehem. Foto: Winfried Förderer

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Das Gemälde von Christel Holl zeigt auf der linken Seite Rastatter Gebäude und rechts die Stadt Bethlehem. Foto: Winfried Förderer

Wer mit offenem Herzen in der Weihnachtszeit die katholische Stadtkirche St. Alexander in Rastatt besucht, kann nachempfinden, warum die Sterndeuter des Johannes-Evangeliums, die wir landläufig Heilige Drei Könige nennen, dem Stern nachfolgten.

Die für ihre religiösen Motive weitbekannte Rastatter Künstlerin Christel Holl hat 2008 als Hintergrund für die Krippe ein stimmungsvolles Gemälde auf Holz geschaffen. Es zeigt – von einem wunderbar nuancierten Blau umgeben – den leuchtenden Stern von Bethlehem. Mit auf der linken Seite prägnant dargestellten Rastatter Gebäuden, wie die Stadtkirche St. Alexander, die Kirche St. Bernhard und das Schloss, verknüpft sie ihre Heimat mit dem rechts auf dem Berg thronenden Bethlehem.

Meisterwerk des Michelbacher Holzbildhauers Rudolf Preißler

Die darunter stehende Landschaftskrippe mit Stall ist ein Meisterwerk des 1972 verstorbenen Michelbacher Holzbildhauers Rudolf Preißler, der 1903 im erzgebirgischen Kupferhammer-Grünthal geboren wurde. Sein schwieriger Lebensweg führte ihn nach Michelbach, wo er 1929 heiratete und sich niederließ. Während seines bis 1972 andauernden künstlerischen Schaffens gestaltete er in badischen Kirchen zahlreiche wertvolle Hochaltäre und Andachtsbilder. Der Hochaltar in der Wallfahrtskirche Moosbronn oder die Andachtsbilder des heiligen Josef in der Kirche Maria Königin in Rastatt und die Schutzmantelmadonna in Reichenbach bei Lahr sind beispielhafte Zeugnisse seines Wirkens.

Die aus dem Jahr 1966 stammenden Holzfiguren der Rastatter Krippe stehen nach Auffassung des Verfassers des „Schwäbisch-alemannischen Krippenbuches“, Bernhard Rüth, in der Nachfolge der Nazarenerkrippe. Auch Professor Max Weber aus Rastatt bemerkte in seinem Beitrag „Rudolf Preißler – Der Schnitzer aus Michelbach“ im Heimatbuch 1966 des Landkreises Rastatt, dass seine Figuren bisweilen eine Spur des Nazarenerstils erkennen lassen. Der Nazarenerstil (Beginn circa 1860) steht für eine Erneuerung der Kunst auf religiöser Grundlage, orientiert am Vorbild alter Meister im Sinne eines frommen Klassizismus.

Alle Figuren wurden in altmeisterlicher realistischer Manier geschaffen. Im Zentrum der Krippe steht der Fachwerkstall, der Platz bietet für die Heilige Familie und die anbetenden Hirten mit ihren Schafen. Am rechten Stützbalken schwebt der Verkündigungsengel. Die ausgebreiteten Hände der Gottesmutter sind als Geste der Einladung und Wegweisung zu verstehen. Der heilige Josef symbolisiert durch seinen über die rechte Schulter hinausreichenden Mantel, dass er der Mantelvater der Heiligen Familie ist und sie beschützt. Die mit Heu aufgesteckten Futterraufen unterstreichen das Stallambiente.

Jahr für Jahr vermittelt die Krippe die Weihnachtsbotschaft. Sie ist ein Anziehungspunkt, auf den sich die Augen von Jung und Alt richten.

Die schönsten Krippen im Tal

In der BT-Serie stellte Winfried Förderer aus Gaggenau in den vergangenen zwei Wochen die schönsten Krippen von Baiersbronn bis Rastatt vor. Die Krippen stammen durchweg aus dem 20. Jahrhundert. Wir haben die mechanische Krippe in St. Valentin in Langenbrand vorgestellt, die Teigfigurenkrippe Mitteltal, die Tonfigurenkrippe Schönmünzach, die fast lebensgroße Krippe in St. Johannes Baptista in Forbach, die Krippe im Schwarzwaldstil in Bermersbach, die Stall- und Landschaftskrippe in St. Wendelin in Weisenbach als älteste Kirchenkrippe im Murgtal, die Wurzelkrippe in der Herz-Jesu-Kirche in Obertsrot, die szenische Krippe in der St. Jakobskirche Gernsbach, die Landschaftskrippe mit offenem Stall in St. Jodok Ottenau. Am Freitag präsentierten wir die Krippe im Schwarzwaldstil in St. Laurentius in Bad Rotenfels.

Ihr Autor

Winfried Förderer

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Erstellt:
8. Januar 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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