Apfelernte fällt im Murgtal geringer aus

Gaggenau (ans) – Frostschäden und Regen sorgen dafür, dass es bei den Äpfeln in diesem Jahr eine nur geringe Erntemenge gibt. Deutlich weniger als in einem normalen Jahr.

Daniel Traub aus Michelbach bringt seine Äpfel im Tausch gegen Saft zur Kelterei nach Ottenau. Foto: Anna Strobel

Daniel Traub aus Michelbach bringt seine Äpfel im Tausch gegen Saft zur Kelterei nach Ottenau. Foto: Anna Strobel

Gerade steht die Saftpresse still, denn heute erwarten Kurt und Emmanuelle Pregger nur wenige Kunden, die ihre Äpfel im Tausch gegen Saft abgeben wollen. Der Grund dafür: Die Ernte fällt mau aus. Auf „ungefähr ein Fünftel von einem normalen Jahr“ schätzen die beiden Keltereibesitzer die Menge.

„Wir denken in einem zweijährigen Rhythmus“, berichtet Pregger. Es sei üblich, dass der Ertrag in einer Saison besser sei und in der darauffolgenden geringer. „In einem Jahr ist der Teufel los, im nächsten so gut wie nichts“, fasst er zusammen. Die eigentliche Problematik liege aber eher darin, dass die Schwankungen immer größer werden. „Früher konnte man davon ausgehen, dass es von Dezember bis Februar kalt war, mittlerweile treiben die Bäume im Januar aus, weil sie denken, es ist Frühling“, beschreibt der Kelterei-Inhaber. Seit zehn bis 15 Jahren beobachtet das Paar diese stetige Veränderung.

Die Bäume sind gestresst

Aktuell komme noch dazu, dass die Bäume vom Vorjahr, das sehr ertragreich war, gestresst seien. Außerdem haben starke Niederschläge eine massive Rolle gespielt. „Bei Regen fliegen die Bienen nicht und bestäuben keine Blüten“, erläutert Pregger den Zusammenhang. Doch knapp werde der süßlich-saure Saft aus den rotbäckigen Früchten deswegen nicht. „Wir haben noch genug Reserven“, versichert Pregger. Zur Herstellung verwende er nur „regionales Streuobst“, stellt er klar. Früchte von außerhalb kaufe er nicht dazu, das gehöre zu seiner Philosophie.

Kurt und Emmanuelle Pregger sitzen vor einem Apfelberg, der normalerweise zu dieser Zeit viel höher ist. Foto: Anna Strobel

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Kurt und Emmanuelle Pregger sitzen vor einem Apfelberg, der normalerweise zu dieser Zeit viel höher ist. Foto: Anna Strobel

Der Aktion „Gelbe Bänder“ steht der Saftkelterei-Inhaber skeptisch gegenüber. Ein gelbes Band markiert dabei die Bäume, an denen sich jeder frei bedienen darf. „An sich eine gute Sache, aber da die Bänder oft schon im August angebracht werden, holen die Leute unreife Äpfel vom Baum“, kritisiert Pregger. Besser fände er ein System, das Grundbesitzer und Erntewillige über eine zentrale Stelle gezielt und direkt zusammenbringt. „So könnten Kontakte entstehen – vielleicht übernimmt dann eine junge Person langfristig die Streuobstwiese von einem Älteren“, legt er seine Idee dar.

Besonders freut sich das Paar über junge Leute und Familien, die ihr Streuobst bei ihnen vorbeibringen. Das derzeitige Einzugsgebiet reiche „von Lörrach bis Tauber-Bischofsheim“, sagt Pregger stolz. Neue Kunden nehme er immer gerne an – und davon gebe es viele. „Wir haben keine Kapazitätsprobleme“, berichtet der Keltereichef.

500 Kilogramm als Ausbeute

„Seit vier oder fünf Jahren komme ich hier her“, sagt Wolfgang Frank. Der Gernsbacher besitzt fünf Apfelbäume, sammelt jedoch auch für andere Streuobst von den Wiesen auf, wie er im BT-Gespräch mitteilt. Stolze 500 Kilo bringt seine Ausbeute insgesamt auf die Waage.

Ein langjähriger Kunde, der an diesem Tag ebenfalls Äpfel vorbeibringt, ist Hans Schäfer aus Hörden. „Ich komme schon seit Bestehen hier her“, lässt der Hördener wissen. „Das ist alles von einem Baum, aber das ist noch wenig“, sagt er, während er mehrere Säcke voller Streuobst auf die Waage stellt. Trotz des schlechten Apfeljahres sei seine Ernte „gut“ ausgefallen.

Gleich 20 Kisten voll mit rotbackigen Früchten hat Daniel Traub aus Michelbach auf seinem Anhänger gestapelt. Gemeinsam mit Ehefrau Heike und Mutter Gerda befördert er den Kisteninhalt zuerst auf die Waage und dann in das Zwischenlager. „Der Weg hierher ist kurz und außerdem schmeckt uns der Saft sehr gut“, antwortet Gerda Traub auf die Frage, warum die Familie ihre Äpfel zur Saftkelterei Pregger in Ottenau bringt.

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobel

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Erstellt:
18. Oktober 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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