Apothekensterben trifft auch das Murgtal

Murgtal (ans) – In Baden-Württemberg machen immer mehr Apotheken dicht. Auch das Murgtal ist betroffen. In den vergangenen zehn Jahren sind sechs Apotheken geschlossen worden.

Dieser Anblick wird immer seltener: Auch im Murgtal hat das Apothekensterben Auswirkungen. Foto: Oliver Berg/dpa

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Dieser Anblick wird immer seltener: Auch im Murgtal hat das Apothekensterben Auswirkungen. Foto: Oliver Berg/dpa

„Wir sind am Limit“, berichtet Clemens Noe, Filialleiter der St.-Laurentius-Apotheke in Bad Rotenfels. „Wir haben sehr treue Mitarbeiter und wollen auch weitermachen“, sagt er. Doch seine Kolleginnen seien teilweise schon im Rentenalter und bereits über 30 und 40 Jahre im Dienst. „Das Problem ist das Personal“, schlussfolgert der langjährige Apotheker. Es sei sehr schwierig, gutes Fachpersonal zu finden. Doch vor allem für die ältere Kundschaft, die nicht mehr gut zu Fuß ist, sei der Erhalt von Apotheken vor Ort wichtig, betont Noe.

Die sinkende Zahl nicht nur der Apotheken, sondern auch der Ärzte im ländlichen Raum bereite vielen Kommunen große Sorge, denn Ärzte und Apotheken gehören zur Grundversorgung der Bürgerinnen und Bürger, meint der Weisenbacher Bürgermeister Daniel Retsch. In Weisenbach sieht der Schultes jedoch keine Versorgungsengpässe: „Aus Sicht der Gemeinde Weisenbach ist die Apothekenversorgung hier vor Ort ausreichend“, stellt er fest. „Es kommen viele Bürgerinnen und Bürger der angrenzenden Gemeinden in die Wendelinus-Apotheke, um ihre Medikamente abzuholen“, schildert er seine Beobachtung.

Doch auch das Murgtal bleibt vom Apothekensterben nicht verschont. Zuletzt hat die Johannes-Apotheke in Forbach im vergangenen Jahr geschlossen. Als Folge nehmen viele Forbacher den Weg nach Weisenbach in Kauf, um sich dort mit Medikamenten zu versorgen. Die Filialleiterin der Wendelinus-Apotheke in Weisenbach, Minapar Nassiri, bestätigt: „Natürlich kommen viele Forbacher jetzt zu uns, schließlich war die Johannes-Apotheke eine Filiale von uns.“ Ein großer Mehraufwand sei das in der Apotheke selbst zwar nicht, dafür sei die Anzahl der Medikamentenlieferungen nach Forbach stark gestiegen. „Wir fahren sogar Freitagabend eine Extratour und liefern auch samstags.“

Apotheke vor Ort wichtig für gutes medizinisches Angebot

Vor der Schließung seien zwei Fahrer beschäftigt gewesen, inzwischen sind es sechs. Das sorgt für gestiegene Personalkosten. Gleichzeitig sind die Kosten für Sprit in die Höhe geschossen. „Das ist nicht so einfach, das muss man sich leisten können“, zeigt sich Nassiri besorgt. Eine Alternative für die Botengänge sieht sie kritisch. Denn auf die Post möchte sie sich nicht verlassen, „wenn es dringend ist, müssen wir selbst liefern“.

„Die ärztliche Versorgung im Ort ist durch drei niedergelassene Ärzte und zwei Zahnarztpraxen sehr gut“, sagt Forbachs Bürgermeisterin Katrin Buhrke. Doch eine Apotheke vor Ort sei ein wichtiger Baustein für ein gutes medizinisches Angebot, besonders für die ältere Bevölkerung. „Durch den Inhaber der Apotheke wurde uns bei einem Besuch im Gemeinderat zugesichert, dass eine Wiedereröffnung erfolgen wird, sobald der Personalengpass behoben ist“, erläutert Buhrke. Die Räumlichkeiten seien nach wie vor angemietet. „Dass eine Wiedereröffnung sehr zu begrüßen wäre, ist selbstredend.“

Personalengpässe sind auch in der Wendelinus-Apotheke ein Thema. Die Schließung der Filiale in Forbach sei nicht ohne personelle Verluste über die Bühne gegangen. „Drei Mitarbeiterinnen sind nicht geblieben“, bedauert Nassiri. Die verschärfte Personalsituation macht eine baldige Wiedereröffnung der Johannes-Apotheke in Forbach, die aufgrund von Personalmangel überhaupt erst geschlossen wurde, unwahrscheinlich.

Zum Thema: Gehalt seit acht Jahren nicht gestiegen

„Die Apothekenversorgung im Murgtal ist nach wie vor gewährleistet“, versichert die Präsidentin des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg (LAV), Tatjana Zambo. Dennoch betont sie: „So langsam ist der Punkt erreicht, an dem es nicht weniger werden sollten.“ Denn gerade in der Corona-Krise habe sich gezeigt, dass Apotheken vor Ort „sehr, sehr wertvoll“ seien.

Das Problem: Die Branche plagt ein Fachkräfte- und Nachfolgermangel, viele Apotheken machen dicht – ein Ende des Apothekensterbens ist daher nicht absehbar. Denn wie die Flößer-Apotheke in Hörden und Johannes-Apotheke in Forbach, die beide im vergangenen Jahr geschlossen wurden, beispielhaft zeigen, findet sich längst nicht überall jemand, der das Geschäft übernimmt.

Zambo ist auch selbst Apotheken-Inhaberin im Murgtal. Sie betreibt die Schwarzwald-Vital-Apotheke und die Vital-Apotheke im Gesundheitszentrum in Gaggenau. Personal zu finden sei unter anderem schwierig, weil die Öffnungszeiten durch Nacht- und Wochenenddienste für viele nicht attraktiv sei. Außerdem ist „das Gehalt für Apotheker ist seit acht Jahren nicht gestiegen“, bemängelt sie. In der Branche werde überall händeringend nach Fachkräften gesucht. „Jedes Jahr gibt es im Bundesschnitt ein Prozent weniger Apotheken“, erläutert Zambo. Das treffe auch auf Baden-Württemberg zu.


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