Apotheker in Baden-Baden warten auf Impflinge

Baden-Baden (BNN) – Seit zwei Wochen dürfen Apotheker offiziell impfen. Teilweise sehen die Ärzte jedoch ein Risiko beim Piks in der Apotheke.

Wenig Angebot: In Baden-Baden gibt es bisher nur ein paar Apotheker, die Impfungen anbieten. Foto: David Inderlied/dpa

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Wenig Angebot: In Baden-Baden gibt es bisher nur ein paar Apotheker, die Impfungen anbieten. Foto: David Inderlied/dpa

Seit zwei Wochen dürfen Apotheker offiziell impfen – auch in Baden-Baden. Vorausgesetzt, sie haben eine Schulung besucht. Den Kurs bietet die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg an. Anfang Februar bildete sie schon 380 Apotheker weiter. Jetzt fehlen Apothekern nur noch eins: Impflinge.

Über die Internetseite der Landeskammer finden Baden-Badener bis zum Donnerstag zwei Apotheken, die impfen. Das sind die Kreuz-Apotheke in der Lange Straße und die Marien-Apotheke in Baden Oos.

Matthias Krämer spritzte mit einem Kollegen am Dienstag erstmals sechs Menschen in der Marien-Apotheke. Dafür verbrauchte er ein Fläschchen des Biontech-Impfstoffs. Seit etwa sechs Tagen wirbt er in den sozialen Medien für die Impfung. Bisher sei die Nachfrage aber gering. Das hängt auch damit zusammen, dass vermutlich die Mehrheit der Baden-Badener schon vollständig geimpft ist. Bis zum Sonntag erhielten 46.476 Menschen in der Bäderstadt die zweite Spitze – das teilt das Sozialministerium Baden-Württemberg mit. Im Verhältnis zur Stadtbevölkerung sind das 83,8 Prozent. Die Anzahl der Booster-Impfungen liegt bei 39.613.

„Man hätte uns früher ins Boot holen sollen“

Krämer kritisiert, dass die Landesregierung Apotheker erst jetzt mit einschließt. „Man hätte uns früher ins Boot holen sollen.“ Er fühlt sich durch die Schulung der Landeskammer gut vorbereitet.

Im Notfall könne er Erste Hilfe leisten. Falls Impflinge zum Beispiel einen allergischen Schock bekämen, dürfe er ihnen Adrenalin spritzen – das Hormon stabilisiert den Kreislauf. Sanitäter verwenden es auch, um Menschen zu reanimieren. Die Landeskammer schule zudem jene Apotheker, die ein Pharmazie-Studium und eine Approbation vorweisen könnten, sagt Krämer. „Das kann nicht jeder machen.“ Ihm gehe es darum, Ärzte zu entlasten: „Wir wollen dazu beitragen, dass die Pandemie endet.“

Ähnlich sieht das Sabine Hartje, Inhaberin der Kreuz-Apotheke: „Wir wollen nicht mit Ärzten konkurrieren.“ Sie kenne einige Kunden, die keinen Hausarzt hätten und bei ihr nach einer Impfung fragten. Dennoch fehlen Hartje bis vor einigen Tagen ebenfalls Impflinge.

Allerdings gibt es in Baden-Baden auch Apotheker, die nicht impfen wollen. Ralph Thomas überlässt die Immunisierung den Ärzten. Für den Inhaber der Apotheke im Kaiserhof sei das Risiko zu hoch. „Impfen ist eine medizinische Handlung“, sagt er. Zudem gebe es derzeit sowieso ein Überangebot an Impfungen.

Mehr Impfungen vor Urlaubszeit

Die Stadtapotheke habe dagegen nicht genug Personal, sagt eine Mitarbeiterin. Das Team könne den zusätzlichen Aufwand nicht stemmen. Deshalb gebe es dort vorerst keine Impfungen.

Auch Egon Burg kritisiert, dass Apotheker impfen dürfen. „Der Impfstoff ist ein Medikament“, sagt der Arzt aus Baden-Baden. Es könne einen allergischen Schock auslösen. In seiner Praxis sei er auf solche Notfälle vorbereitet. Als Arzt könne er auf Impfreaktionen schnell reagieren. „Apotheker tragen ein hohes Risiko, das sollte man nicht unterschätzen“, sagt Burg. Impfen sei bisher eine Domäne der Ärzte gewesen – so solle es auch bleiben.

Seit Anfang Februar immunisiert Burg nur noch einmal pro Woche bis zu 20 Menschen. Zuvor waren es bis zu 40 Patienten pro Woche. Er schätzt jedoch, dass die Nachfrage kurz vor Ostern wieder steigen könnte. „Kurz bevor die Urlaubszeit beginnt, impfen sich mehr Menschen, weil sie wegfahren wollen“, sagt er.

Lieferung von 1.000 Dosen Nuvaxovid erwartet

Neben den Apothekern und Ärzten gibt es in Baden-Baden noch die städtischen Stützpunkte. Im Moment impft ein mobiles Team im Einkaufszentrum Cité und im Medienzentrum am Augustaplatz. „Wir haben das Angebot heruntergefahren“, sagt Matthias Götz, er koordiniert die Impfstützpunkte. Der Grund: Im Februar vergab Baden-Baden nur 766 Termine.

„Es wird seit Januar niemand weggeschickt, wenn er keinen Termin hat“, sagt Götz. Ob die Stadt alle Impfstützpunkte behalte, entscheide sich kommende Woche. Dann soll die Firma Novavax auch 1.000 Dosen ihres Impfstoffs Nuvaxovid nach Baden-Baden liefern. Der Hersteller beschreibt das Medikament als Totimpfstoff, weil es keine vermehrungsfähigen Viren enthält.

Die Dosen reichen laut Götz für 500 Menschen, weil das Impfteam die Hälfte für die Zweitimpfung zurücklegt. Und es gibt eine Priorisierung: Medizinisches Personal, das unter die Impfpflicht fällt, kommt zuerst dran. Dafür stelle die Stadt etwa 250 Dosen bereit, sagt Götz. Wann weitere Impfdosen von Novavax kommen, wisse er noch nicht.

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Karoline Scharfe

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Erstellt:
18. Februar 2022, 09:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 18sec

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