Appell für Trainingsbetrieb im Jugendbereich

Kuppenheim (rap) – Noch ruht der Trainingsbetrieb im Kinder- und Jugendfußball aufgrund der aktuellen Corona-Maßnahmen. Der DFB möchte das schleunigst ändern – und erntet Zustimmung aus der Region.

Jochen Mörmann, Jugendleiter des SV 08 Kuppenheim, hofft auf eine baldige Rückkehr auf den Platz – wenn nötig auch nur in Kleingruppen. Foto: Robert Michael/dpa

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Jochen Mörmann, Jugendleiter des SV 08 Kuppenheim, hofft auf eine baldige Rückkehr auf den Platz – wenn nötig auch nur in Kleingruppen. Foto: Robert Michael/dpa

Die Hoffungen von Jochen Mörmann ruhen voll und ganz auf DFB-Präsident Fritz Keller. Neben dem Jugendleiter des SV 08 Kuppenheim setzen aber auch rund 250 Wörtelkicker – von den Bambini bis zu den Talenten in der A-Jugend –, tausende Kids in Baden-Württemberg und rund drei Millionen in der gesamten Republik auf den Tatendrang des 63-jährigen Freiburgers. Denn der Fußball-Nachwuchs will nur eins: Raus aus dem Kinderzimmer und rauf auf den Trainingsplatz, um dem Ball hinterherzujagen, am Passspiel zu arbeiten und den Torschuss zu verfeinern. Noch ist all dies aufgrund der aktuellen Corona-Maßnahmen, die die Regierung und die Ministerpräsidenten Ende Oktober erlassen hatten, aber verboten.

Ganz zum Leidwesen von Jochen Mörmann: „Die Kinder und Jugendlichen hocken daheim vor der Konsole und brennen darauf, endlich wieder selbst Fußball spielen zu können. Ich habe selber einen Sohn, der dreimal in der Woche trainiert, dem fehlt die Bewegung, das Zusammensein mit den Teamkollegen.“ So wie Mörmann geht es vielen Eltern, seitdem die neuen Beschränkungen – ähnlich wie im Frühjahr – wieder in Kraft getreten sind.

Keller setzt sich für Lockerungen der Corona-Einschränkungen ein

Für Fritz Keller ein Zustand, der schleunigst geändert werden muss. Gemeinsam mit den Präsidenten der Regional- und Landesverbände erneuerte der Boss des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) am Dienstag den Appell Richtung Politik, der sich auf den organisierten Sport von Kindern und Jugendlichen unter freiem Himmel bezieht – und bat um eine Lockerung der Corona-Einschränkungen im Amateurbereich. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, für die Gesundheit, die Gesellschaft und nicht zuletzt für unsere Kinder. Nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen und Zahlen birgt die Ausübung von Freiluftsport – auch in Mannschaftssportarten – kaum ein Ansteckungsrisiko“, erklärte Keller bereits vergangene Woche: „Aktiver Sport stärkt verschiedene gesundheitsförderliche Aspekte, zudem hat er eine hohe gesellschaftliche und soziale Bedeutung – ohne in diesen schwierigen Zeiten für eine erhöhte Gefährdung zu sorgen“, sagte Keller. Wie der DFB – und auch der Südbadische Fußballverband (SBFV) – mitteilte, sei dies ausdrücklich nicht nur auf den Fußball bezogen.

„Natürlich“, sagt Jochen Mörmann, „unterstützen wir die Bemühungen vonseiten des DFB. Wir sind absolut dafür, so schnell wie möglich wieder das Training im Jugendbereich zuzulassen. Die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft ist gering.“ Dabei würde der 08-Jugendleiter – wie wohl seine Kollegen in ganz Mittelbaden – auch Einschränkungen in Kauf nehmen. Etwa nur Einheiten in Kleingruppen. „Hauptsache, die Kinder dürfen auf den Platz zurückkehren.“

Kein Training in der Halle vorgesehen

Zumal der SV 08 die bevorstehende Hallensaison bereits ad acta gelegt hat. Bei den Bambini sowie den F- und E-Jugenden haben die Eltern erklärt, dass sie auf das Training unter dem Dach verzichten wollen. „Die anderen Jugenden wären sowieso nicht in die Halle gegangen, da der SBFV die Hallensaison gecancelt hat. Durch den Kunstrasenplatz trainieren wir – bis auf eine kurze Pause – generell im Freien, also auch im Januar und Februar“, sagt Mörmann.

Als vorbildhafte Beispiele dienen dem Kuppenheimer Jugendleiter die aktuellen Lösungen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Das Landeskabinett in Mecklenburg-Vorpommern hatte entschieden, das von der Bund-Länder-Konferenz ausgesprochene Pauschalverbot von Freizeit- und Amateursport nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Vereinssport anzuwenden, sondern den Trainingsbetrieb dort am Leben zu erhalten. In Berlin gilt die Sonderregelung, dass Vereinssport für Kinder bis zwölf Jahren unter Auflagen gestattet ist.

Frieböse: „Diese Woche war bestes Fußballwetter, da blutet mir im Büro schon das Herz“

Gegebenenfalls unter Auflagen den Arbeitsbetrieb wieder aufnehmen, würde auch gerne Matthias Frieböse. Zusammen mit Christian Hofmeier betreibt er eine Fußballschule, bietet Stützpunkttraining und Feriencamps an. Seit dem 2. November „ruht aber alles“, sagt Frieböse. Diese Situation ist für den Kuppenheimer nicht neu, bereits im Frühjahr, beim ersten Lockdown, musste das Duo die Fußballschule für mehrere Wochen schließen. „Wir haben den letzten Lockdown gut überstanden, und wir werden auch den zweiten – hoffentlich – gut überstehen“, hofft Frieböse, der durchaus Verständnis für die Entscheidungsträger äußert: „Die haben keinen einfachen Job. Wenn wir mit der Pause nur ein Leben retten können, dann halten wir die Füße still. Die Gesundheit steht an erster Stelle.“

Dennoch hofft Frieböse, dass Lockerungen bald in Sicht sind, um etwa in den Weihnachtsferien Camps veranstalten zu können. „Ich unterstütze das Anliegen des DFB, die Kids sollten trainieren dürfen. Diese Woche war bestes Fußballwetter, da blutet mir im Büro schon das Herz.“ Daher hat Frieböse zusammen mit seinem Partner Hofmeier – natürlich – ein Hygienekonzept erarbeitet. „Die Eltern dürfen nicht in die Halle, das Essen muss selbst mitgebracht werden, es gibt feste Gruppen, die nicht durchgemischt werden“, sagt Frieböse: „Wir als Fußballschule – und auch die Vereine – versuchen alles, um den Kids in dieser Zeit ein Stück Normalität zu bieten.“

Der Pass ist zurückgespielt – an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten.


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