Arbeit der Stadtbibliothek in Pandemie-Zeiten

Rastatt (galu) – Die Rastatter Stadtbibliothek bleibt im zweiten Lockdown geöffnet, wenn auch unter starken Einschränkungen. Verweilen ist nicht möglich, nur nötigste Angebote sind erlaubt.

Bibliotheksleiterin Birgit Stellmach auf der neuen Empore im zweiten Obergeschoss. Dort wird es künftig neue Arbeitsplätze für Besucher geben. Fotos: Lukas Gangl

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Bibliotheksleiterin Birgit Stellmach auf der neuen Empore im zweiten Obergeschoss. Dort wird es künftig neue Arbeitsplätze für Besucher geben. Fotos: Lukas Gangl

Wer sich beim Betreten der Rastatter Stadtbibliothek aufmerksam umschaut, wird es recht schnell im Regal an der Information entdecken: das Buch mit dem passenden Titel „Lockdown“. Der „Lockdown light“ betrifft auch die Büchereien des Landes, obgleich nicht so heftig wie noch im Frühjahr. Denn diesmal können die Bibliotheken geöffnet bleiben, wenn auch unter starken Einschränkungen – Verweilen ist nicht möglich, nur die nötigsten Angebote sind vorhanden. „Das ist natürlich sehr schade, denn die Bibliothek ist ja mittlerweile viel mehr als nur ein reiner Ausleihbetrieb“, findet die Leiterin der Rastatter Stadtbücherei, Birgit Stellmach.

Dennoch ist Stellmach froh, dass man überhaupt öffnen kann. Nach dem ersten Lockdown habe man die Erfahrung gemacht, dass die Leute trotz der geltenden Einschränkungen gerne wieder in die Herrenstraße 24 gekommen sind.

Seit dem 2. November hat sich wieder einiges geändert: Die Bibliothek ist zu ihren regulären Öffnungszeiten zugänglich, die Mitarbeiter sind auch vor Ort, das Ausleihen von Medien funktioniert wie gehabt. Mittlerweile sind sogar wieder einzelne PCs freigegeben, dort sind kurze Internet-Recherchen oder der Zugriff auf E-Mails inklusive der Möglichkeit des Kopierens, Druckens oder Scannens möglich. Lediglich längere Arbeiten wie Textverarbeitung oder größere Recherchen sind nicht erlaubt. Einzige Voraussetzungen sind die Einhaltung der geltenden Hygienebestimmungen und das – seit Monaten übliche – Hinterlassen der Kontaktdaten.

Einzelarbeitsplätze wieder abgesperrt

Die Arbeitsplätze, die vor allem von Studenten und Schülern gern genutzt wurden, sind wieder abgesperrt, vor dem zweiten Lockdown waren diese als Einzelarbeitsplätze wieder freigegeben. Auch sämtliche Veranstaltungen, beispielsweise das Kinderprogramm oder die Führungen für Schulklassen, sind wieder abgesagt worden, da sie unter Einhaltung der Hygienebestimmungen nur schwerlich umsetzbar wären, berichtet Stellmach.

Aber: „Auch wir haben keine Däumchen gedreht“, betont die Bibliotheksleiterin. Als die Einrichtung während des ersten Lockdowns geschlossen war, wurde stellenweise die Einrichtung modernisiert, eine Kaffee-Ecke eingerichtet und im zweiten Obergeschoss eine Empore gebaut, die zusätzliche Arbeitsplätze schaffen soll. „Sieht jetzt halt nur keiner“, meint Stellmach schmunzelnd. Man habe hier, wie anderorts auch, die Not zur Tugend gemacht und die Möglichkeiten genutzt. Dementsprechend sind solche Umbauten schneller vonstattengegangen, da aufgrund der Schließung keine Einschränkungen für Besucher entstanden sind. Auch hatte man eine Online-Ausleihe – die sogenannte Onleihe – eingeführt, damit sich Interessierte auch weiterhin mit Medien eindecken konnten.

Zusätzlich dazu wurde der Sachbuchbestand ausgedünnt. Die Ausleihe bei Sachbüchern sei ohnehin seit längerer Zeit rückläufig, wie Stellmach berichtet, da sich gerade in diesem Bereich einiges ins Internet verlagert habe. Durch den kleineren Bestand sind dementsprechend wieder Regale freigeworden, die entfernt wurden und nun eine neue Anordnung ermöglichen.

„Trotz der ausgefallenen Buchmesse haben wir natürlich auch Neuerscheinungen angeschafft“, merkt Stellmach an. Denn kurz vor dem zweiten Lockdown hat sich eines deutlich bemerkbar gemacht: Viele Besucher, insbesondere Familien, haben sich mit Romanen und Gesellschaftsspielen eingedeckt, aus Sorge, dass die Bibliothek bald wieder geschlossen sein könnte. Seit die neuen Einschränkungen in Kraft getreten sind, sind auch die Zahlen der Besucher und der Ausleihen wieder deutlich gefallen – wenn auch der Rückgang geringer war als befürchtet, erzählt Stellmach.

Arbeit im „relativen Normalbetrieb“

Von „was wäre wenn“ haben sie und ihr Team sich schon lange verabschiedet. Bereits im ersten Lockdown war keine Spur von mangelnder Motivation zu spüren, berichtet die Leiterin. „Wir saßen dann als Team da und haben überlegt: Okay, wie arbeiten wir jetzt, was ist möglich, was können wir anbieten.“ Dementsprechend arbeiten Stellmach und ihre Kolleginnen und Kollegen auch jetzt im „relativen Normalbetrieb“. Damit möglichst wenige Einschränkungen – abgesehen von den pandemiebedingten – für die Besucher spürbar sind.

Doch Pläne, falls die derzeit geltenden Einschränkungen noch verschärft werden sollten, gibt es bereits: Sofern möglich, würde man dann wieder einen Abholservice anbieten – damit niemand ohne frischen Lesestoff auskommen muss.

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Erstellt:
6. Dezember 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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